22. Jan 2020   Business Recht

Emerging Europe: M&A-Transaktionen sinken um 6,5%

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Übernahmen. Der aktuelle CMS Report bescheinigt Emerging Europe weiterhin Attraktivität für Dealmaker. Doch auch in CEE sanken zuletzt die Deal-Zahlen.

Trotz der Tatsache, dass sich das M&A Deal-Volumen in ganz Emerging Europe an seinem 10-Jahres-Tiefststand befand, bleibt die Region CEE weiterhin ein Anziehungspunkt für internationale sowie Private Equity Investitionen: Das ist die Aussage des jüngsten, von CMS in Zusammenarbeit mit EMIS veröffentlichten Emerging Europe M&A Reports.

In Emerging Europe wurden 2019 insgesamt 1.958 Deals abgeschlossen, ein Rückgang um 6,5% gegenüber 2018, bei einem Gesamtwert von EUR 72,34 Mrd. (-10,1%). Ein Blick auf den 5-Jahres-Durchschnitt zeige jedoch, dass die Region nach wie vor relativ stabil ist, und dass viele Marktsegmente eine lebhafte Aktivität verzeichnen.

Anziehungspunkt für ausländische und PE Investitionen

Es gab zuletzt einen starken Aufwärtstrend bei M&A-Transaktionen, die derzeit fast 60% aller Transaktionen ausmachen. Ein besonders starkes Wachstum verzeichneten von außerhalb der Region kommende Investitionen. Klarer Spitzenreiter in der Rangliste internationaler Investitionen nach Anzahl der Transaktionen waren die USA, die 122 Deals verbuchen konnten – ein Anstieg um 37% im Vergleich zu 2018. Von britischen Unternehmen ausgehende Investitionen erhöhten sich ebenfalls (+9%), ebenso wie Investitionen aus anderen westeuropäischen Ländern, darunter Deutschland (+17%), Frankreich (+19%) und Spanien (+133%).

Aus Asien stammende Investitionen in Emerging Europe verzeichneten 2019 ebenfalls einen starken Anstieg, bei einem Anteil von 15,9% am Gesamtwert der M&A-Deals. Der Gesamtwert habe sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt und erreichte 2019 EUR 11,5 Mrd.

China zeigt in CEE stärker auf

Chinas Präsenz in der Region wächst weiter; wertmäßig war das Land der größte Investor in Emerging Europe: EUR 6,4 Mrd. – das Zweifache des Werts seiner Investitionen im Jahr 2018. Auch ein Wertanstieg der Investitionen aus Japan (EUR 2,9 Mrd., +112%), Singapur (EUR 607 Mio., +601%) und Südkorea (EUR 717 Mio., +1093%) in der Region war zu verzeichnen.

Der Bereich Private Equity konnte 2019 weiterhin auf seinem starken Fundament aufbauen und erzielte mit 318 Deals (gegenüber 307) ein Rekordhoch, heißt es. Der Sektor zeichnete für 16,2% aller M&A-Deals verantwortlich (ein Anstieg um 3,6% im Vergleich zu 2018), bei einem Wert von EUR 22,66 Mrd.

Die Aktivität im Private Equity-Bereich verteilte sich auf die gesamte Region und gelte als eine der wesentlichen Triebkräfte für die Zunahme der Transaktionen über viele der aktivsten Sektoren der Region hinweg, einschließlich: Telekom und IT, Produzierende Industrie und Immobilienwirtschaft. Käufer bzw. Verkäufer aus dem Private Equity-Bereich waren 2019 an fünf Deals im Wert von je EUR 1 Mrd. und darüber in der Region beteiligt – der größte davon war der Kauf von Central European Media Enterprises durch die PPF Group aus der Tschechischen Republik um EUR 1,9 Mrd.

„Normalisierung auf einem haltbaren Level“

Mit Blick auf den Balkan erklärt Radivoje Petrikić, CMS CEE Corporate Practice Partner und Leiter des CMS Büros in Serbien: „Nach einer ungewöhnlich starken Transaktionsaktivität in dieser Region in den letzten Jahren haben sich die Ziffern jetzt normalisiert und scheinen sich auf einem haltbaren Level zu bewegen.“

Das ausländische Interesse sei anhaltend stark, und sowohl strategische als auch Finanzinvestoren fühlen sich von den gebotenen Möglichkeiten angezogen, „von Privatisierungen großer staatlicher Unternehmen in traditionellen Sektoren über Ausstiege seitens Private Equity Fonds bis hin zu jungen innovativen Start-ups“, so Petrikić.

Helen Rodwell, CMS CEE Corporate Practice Partner und Leiterin des CMS Büros in Prag: „Obwohl die Anzahl der Deals dieses Jahr etwas geringer war, ist das ausländische Interesse an der Region nach wie vor groß, bei einem Anstieg der grenzüberschreitenden Investitionen um 14,6% im Jahresvergleich und starken Investitionszuflüssen insbesondere aus Asien, den USA und Großbritannien.“

Der Brexit scheine sich im Hinblick auf Investitionen aus GB nicht erheblich auf die Region ausgewirkt zu haben; die Anzahl der Transaktionen blieb gegenüber dem Vorjahr stabil. Auch der Private Equity-Bereich habe sich 2019 weiterhin widerstandsfähig gezeigt, während sich die Kompetenzen im Hinblick auf den Abschluss von Transaktionen im regional Ökosystem zunehmend weiterentwickeln.

„Internationale Fonds zeigen einen wachsenden Appetit auf große Deals in der Region, während viele regionale Partner ihren Heimvorteil nützen, um sich kleine und mittelgroße Deals zu schnappen, bzw. Partnerschaften für größere Transaktionen eingehen“, so Rodwell.

Die führende Sektoren und stärksten Länder

  • Angetrieben durch das Wachstum des E-Commerce-Bereichs, das die Nachfrage nach Lagerhäusern und Verteilzentren angekurbelt hat, war die Immobilien- & Bauwirtschaft 2019 nach wie vor der aktivste Sektor in Emerging Europe, mit 378 Deals im Wert von EUR 16,6 Mrd.
  • Der Bereich Telekom & IT war der zweitgrößte sowohl nach Wert als auch Volumen (EUR 12 Mrd. verteilt auf 300 Deals) und überholte erstmals die Produzierende Industrie – was die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung und digitalen Kommunikation für die Region widerspiegelt, so die Studie. Ein diesbezüglicher Meilenstein für den Sektor war unter anderem der Kauf der bulgarischen Vivacom durch die von BC Partners unterstützte United Group im Wert von EUR 1,2 Mrd.
  • Während die Reformen unter dem neuen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj allmählich greifen, habe die Ukraine als das Land auf sich aufmerksam gemacht, das man 2020 beobachten sollte. Die Transaktionstätigkeit (+26%) erreichte auch wertmäßig (+26,3%) ihren höchsten Stand seit 2013.
  • Was die größeren Märkte angeht, so blieben die Deals in Russland und der Türkei fast unverändert, während das Transaktionsvolumen in Rumänien eine Zunahme um 10% verzeichnete.
  • Laut CMS Report stiegen die Transaktionswerte 2019 in Polen trotz eines insgesamt abnehmenden Transaktionsvolumens an. Dies war auf eine annähernde Verdoppelung der mittleren Transaktionsgröße zurückzuführen, wobei Mega-Deals die Werte im M&A-Bereich in die Höhe treiben. Polen verzeichnete laut den Angaben eine steigende Anzahl von Deals im Bereich von EUR 200 Mio. und darüber – darunter der Verkauf von DCT Gdansk an ein Anlegerkonsortium unter Beteiligung des polnischen Staatsfonds, um EUR 1,18 Mrd. – während die Tschechische Republik die Übernahme des Gasnetzbetreibers Innogy Grid durch ein von Macquarie aus Australien angeführtes Konsortium für EUR 1,8 Mrd. für sich verbuchen konnte.

Der Ausblick

Stefan Stoyanov, Global Head of M&A Database, EMIS, dazu: „Nachdem Mitte des Jahres befürchtet worden war, dass die Transaktionstätigkeit in Emerging Europe dem globalen M&A-Bereich bei dessen starken Rückgang folgen könnte, erwiesen sich die letzten drei Monate des Jahres als ziemlich robust. Mehrere Mega-Deals in der Region und in Ländern wie Polen und Bulgarien halfen den Gesamtwert von M&A-Transaktionen auf EUR 72,3 Mrd. zu treiben, was zwar immer noch einen Rückgang um 6,5% im Jahresvergleich bedeutet, aber angesichts des weltweiten Einbruchs um fast 30% dennoch sehr positiv ist.“

Das Anlageumfeld insgesamt sollte sich 2020 verbessern, da sich die Spannungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China nun allmählich zu legen scheinen und im Hinblick auf den Brexit endlich Klarheit herrscht, heißt es.

Link: CMS

 

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