02. Mrz 2020   Business Recht

EY-Studie: Orientierungslosigkeit beim Klimawandel

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Gunther Reimoser ©EY Österreich

Klimawandel. Zwei Drittel der österreichischen Unternehmen sehen Nachhaltigkeit als einen Wachstumshebel. Allerdings hat jedes zweite keine Strategie dafür, so eine aktuelle Studie von EY.

Konkret sind 69 % der österreichischen Manager der Meinung, dass ihr Betrieb durch verstärkte Nachhaltigkeitsinitiativen geschäftlich profitieren würde, so die Studie.

„Der gesellschaftliche Druck im Zuge der zahlreichen Klimainitiativen und die damit einhergehende steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten seitens der Konsumenten bietet für Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten. Wer jetzt auf ein nachhaltiges Portfolio setzt, ist am Puls der Zeit und wird so auch langfristig Kunden gewinnen und binden können“, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner bei EY Österreich.

Besonders hoch werden die Chancen durch Nachhaltigkeit in den Branchen Tourismus und Industrie (jeweils 74 %) eingeschätzt. Nur sechs Prozent der an der Umfrage teilgenommenen Unternehmen gaben an, dass sich eine Steigerung der Nachhaltigkeitsinitiativen sicher nicht auf das Geschäft auswirken würde.

Mangel an Strategie

Trotz Veränderungswille mangelt es aber vielen österreichischen Firmen an einer Strategie: „Zwar gewinnt das Thema Nachhaltigkeit immer mehr an Zuspruch, allerdings sind die Unternehmen noch unschlüssig, wie sie das Potenzial am besten nutzen können“, so Reimoser.

  • Immerhin 35 Prozent der Mittelstandsunternehmen in Österreich verfügen bereits über eine eigene Nachhaltigkeits- oder Klimastrategie.
  • Weitere 19 Prozent der Unternehmen planen, diese innerhalb der nächsten zwei Jahre zu entwickeln.
  • Vorreiter in diesem Bereich sind die Sektoren Industrie sowie Transport und Verkehr, in denen 66 Prozent bzw. 62 Prozent bereits über eine entsprechende Strategie verfügen oder in den nächsten zwei Jahren die Einführung einer solchen planen.
  • Allerdings gibt beinahe jedes zweite Unternehmen (46 %) an, keine Nachhaltigkeits- oder Klimastrategie zu haben und auch in Zukunft keine Entwicklung einer solchen zu planen.

„Die Frage, ob Unternehmen Nachhaltigkeitsthemen in ihrer Strategie berücksichtigen sollten, stellt sich mittlerweile nicht mehr. Anleger, Stakeholder und Kunden erwarten zu Recht, dass sich Betriebe ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind und diese auch wahrnehmen. Die Zeiten, in denen Nachhaltigkeit ein Nischenthema war, sind definitiv vorbei“, so Reimoser.

Berichterstattung gewinnt an Bedeutung

Um auf die neuen Erwartungen der Kunden in Bezug auf Nachhaltigkeit zu reagieren, empfiehlt EY Unternehmen, diese verstärkt zu kommunizieren: „Die Stakeholder von Unternehmen, besonders natürlich deren Kunden, informieren sich heute intensiver über die Produkte, die sie kaufen. Je transparenter ich als Unternehmen diesbezüglich kommuniziere, desto mehr komme ich diesem Informationsbedürfnis entgegen“, so EY-Partner Stefan Uher.

Zwar berichtet aktuell nur ein knappes Drittel (29 %) der Mittelstandsunternehmen umfassend über Nachhaltigkeitsagenden, allerdings planen weitere 16 Prozent die Implementierung solcher Kommunikationsmaßnahmen in den nächsten zwei Jahren.

Mehr als die Hälfte der österreichischen Unternehmen (55 %) zieht laut Studie aktuell nicht in Erwägung, diese Informationen in naher Zukunft zu veröffentlichen. In Deutschland liegt der Anteil jener Mittelstandsunternehmen, die über ihre Nachhaltigkeitsagenda berichten, mit 51 Prozent deutlich höher.

 

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