16. Mrz 2020   Business Recht Steuer

Neue Hilfsmaßnahmen für kleine Unternehmen und EPU

Wien. Der Bund greift Unternehmen unter die Arme, die Stadt Wien schnürt ein 35 Millionen Euro schweres Coronavirus-Hilfspaket für Betriebe: Die Bandbreite reicht von Bürgschaften über Unterstützungsgeld bis Arbeitsstiftungen.

Stadt Wien und Wirtschaftskammer haben Sofortmaßnahmen für von der Corona-Krise betroffene Unternehmen beschlossen. Diese richten sich laut den Angaben vor allem Kleinunternehmen und deren MitarbeiterInnen.

Mit diesem ersten Hilfspaket zur Unterstützung der Wiener Betriebe reagieren die Stadt Wien und die Wirtschaftskammer Wien auf die aktuell schwierige Situation durch das Coronavirus. „Wir helfen rasch und unbürokratisch. Ziel ist es, eine Notlage von Betrieben und deren MitarbeiterInnen zu verhindern“, so Bürgermeister Michael Ludwig, Wirtschaftskammer Wien-Präsident Walter Ruck und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke am Sonntag.

Das neue Hilfspaket

Der Fokus liege dabei auf Ein-Personen-Unternehmen (EPU) sowie Klein- und Mittelbetrieben. Teil des ersten Pakets sind:

  • 10 Mio. Euro Bürgschaften zur Liquiditätsstärkung für Wiener KMUs
  • 20 Mio. Euro Notlagenfonds für EPUs und Kleinstunternehmen
  • 3 Mio. Euro Mittelaufstockung des waff für Arbeitsstiftungen

Weitere Maßnahmen sollen am Mittwoch, den 18. März 2020, im Anschluss an den Sozialpartnergipfel im Rathaus bekanntgegeben werden.

Im Rahmen einer Unterstützungsaktion für kleinere und mittlere Unternehmen in Wien werde die WKBG (Wiener Kreditbürgschafts- und Beteiligungsbank) zusätzliche Bürgschaften von bis zu 80% gegenüber Kreditinstituten für Überbrückungskredite (Betriebsmittelfinanzierungen) übernehmen. Die Einreichungen zu einer Bürgschaftsübernahme erfolgt bei der jeweiligen Hausbank (Antragsformular und Produktübersicht auf der Website der WKBG).

In dieser neu entwickelten Bürgschaftsaktion der WKBG werde gemeinsam von der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer Wien in Summe 10 Millionen Euro an Bürgschaftsvolumen zusätzlich zur Verfügung gestellt (5 Mio. Euro von der Stadt Wien, 5 Mio. Euro von der WKW), für rasche und unbürokratische Überbrückungskredite für die Wiener Wirtschaft. Versprochen werden einfache Anträge und rasche Bearbeitung. Der Haftungsumfang betrage bis zu 80% für Kredite von mind. 5.000 bis max. 500.000 Euro bei den Hausbanken.

Damit könne ein Kreditvolumen von über 12 Mio. Euro gehebelt werden.  Auch die Kosten (Bearbeitungsentgelt und Bürgschaftsprovision) für die WKBG- Haftung übernehmen die Stadt Wien und die WKW.

Garantien von aws und ÖHT

Als Unterstützung für Liquiditätsengpässe, die durch Umsatzausfälle als Folge des Coronavirus entstehen, werden auch auf Bundesebene Garantien für Überbrückungsfinanzierungen (Kredite) im Ausmaß von 10 Millionen Euro durch das Austria Wirtschaftsservice (aws) angeboten.  Das 100 Millionen Euro Garantiepaket der ÖHT – Österreichische Tourismusbank wiederum steht auch Wiener KMUs  im Bereich Hotellerie und Tourismus zur Verfügung.

Notlagenfonds für EPUs und Kleinstunternehmen ab Montag

Stadt und Wirtschaftskammer Wien leisten akut einen Zuschuss in Höhe von jeweils 10 Millionen EUR in den „Notlagenfonds der Wirtschaftskammer Wien“, der eigens für Krisensituationen eingerichtet wurde. Damit stehen Wiener EPUs und Kleinstunternehmen, die durch die globale Coronavirus-Epidemie in Not geraten sind, in Summe 20 Millionen Euro als Soforthilfe zur Verfügung.

Aus diesem Existenzsicherungsfonds können Ein-Personen- und Kleinst-Unternehmen bis zu 10 MitarbeiterInnen  eine Unterstützung bei starker Betroffenheit (Umsatzrückgang > 50%) erhalten:

  • Miet- und Betriebskostenzuschuss bis zu max. € 600,- monatlich
  • Auch für Arbeitszimmer im Wohnungsverband

Bei extremer Betroffenheit (Umsatzrückgang > 75%) zusätzlich:

  • Ausfallsersatz (für Umsatzentfall): Zuschuss bis max. 5.000 Euro

Zur Erleichterung und Beschleunigung der Abwicklung werde die Wirtschaftsagentur der Stadt Wien der Wirtschaftskammer Wien Expertinnen und Experten für Beratungen und Abwicklung der Förderaktion zur Seite stellen. Ziel ist die unbürokratische Auszahlung sofort nach Antragstellung.

waff stockt Mittel für Arbeitsstiftungen auf

Vermehrt stehen Wiener Unternehmen derzeit vor der akuten Notwendigkeit, vorübergehend personelle Überkapazitäten zu bewältigen. Der waff und das Arbeitsmarktservice Wien (AMS) bieten Wiener Unternehmen verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten an: Von der Einrichtung einer Arbeitsstiftung bei Personalabbau, bis zur Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen von Weiterbildungskarenzen oder Kurzarbeit.

Der Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds sucht gemeinsam und in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice Wien (AMS) nach geeigneten Instrumenten, auf welche sich das einzelne Unternehmen mit den betrieblichen Sozialpartnern verständigen könnte. Sollte es trotz aller gemeinsamen Anstrengungen dennoch zu einer Insolvenz kommen, steht die Stadt Wien über den waff mit dem Instrument der „Arbeitsstiftungen“ bereit, heißt es weiter

  • Zusätzliche akute Mittelzuführung von 3 Mio. Euro
  • Für die Höherfinanzierung von Arbeitsstiftungen
  • Zur finanziellen Absicherung mit Stiftungsarbeitslosengeld während der Stiftungsteilnahme und Ausbildungszuschüssen
  • Berufsorientierung
  • Aus- und Weiterbildung
  • Begleitung bei der Jobsuche

 

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