08. Apr 2020   Business Motor

Auto-Markt schrumpft laut Bain heuer um 29 Prozent

Pkw-Verkäufe. Die Coronakrise trifft die Autoindustrie mit voller Härte, so Unternehmensberater Bain. Zwar hat in China die Erholung begonnen, doch andere Märkte warten noch länger darauf.

„Die Automobilbranche steckt in ihrer wahrscheinlich schwersten Krise überhaupt“, warnt Klaus Stricker, Partner und Co-Leiter der globalen Praxisgruppe Automotive und Mobilität bei Bain & Company. „Die Regierungen sollten diese Schlüsselindustrie in Deutschland und Europa umfassend unterstützen, um die Liquidität der Unternehmen zu sichern – insbesondere im Zuliefer- und Händlerbereich.“

Die durch das Coronavirus ausgelöste Rezession wird der Bain-Analyse zufolge mindestens so stark sein wie diejenige im Zuge der Finanzkrise 2008/2009. Demnach könnte der Markt nach zwei Quartalen langsam wieder zurückkehren, sei dann jedoch von einer anhaltend hohen Unsicherheit geprägt, heißt es.

Europa und die USA besonders betroffen

Bain geht davon aus, dass die Automobilhersteller dieses Jahr nur 64 Millionen Pkw verkaufen. Ursprünglich lagen die Prognosen vor der Krise bei cirka 90 Millionen Pkw.

Überdurchschnittlich stark könnten Europa und Nordamerika betroffen sein. Der chinesische Automarkt zeigt nämlich bereits erste Erholungstendenzen. Die Prognosen im Detail:

  • In China nimmt der Pkw-Absatz seit März langsam wieder zu und soll im Gesamtjahr 2020 voraussichtlich auf cirka 19 Millionen Stück kommen. Angesichts der vor der Krise prognostizierten 26 Millionen wäre dies ein Rückgang um rund ein Viertel.
  • Deutlich stärker trifft die Corona-Rezession Europa: Mit 11 Millionen verkauften Pkw wird für 2020 ein Minus von 30 Prozent erwartet.
  • Noch heftiger trifft es Nordamerika: Dort könnte der Aufwärtstrend für das laufende Jahr erst im Frühsommer einsetzen. Gerechnet wird mit einem Absatz von 13 Millionen Fahrzeugen, was einer Verringerung von fast einem Drittel entspräche.

Bain empfiehlt den Automobilherstellern und Zulieferern angesichts der Coronakrise drei strategische Handlungsfelder zu fokussieren:

  • An erster Stelle stehe die Sicherheit der Belegschaft. Ein striktes Cash-Management siehe unter anderem den Einsatz flächendeckender Kurzarbeit vor. Die Verschiebung von Fahrzeugprojekten sei zu prüfen. Zudem gelte es, verstärkt Kaufanreize für Kunden zu schaffen und das Händlernetz zu stabilisieren.
  • Die Komplexität im Unternehmen sollte laut Bain „drastisch“ reduziert werden. Das betreffe beispielsweise Modellvarianten, Antriebe und Ausstattungen. Das Investitionsportfolio gehöre auf den Prüfstand, Effizienzprogramme sollen beschleunigt und intensiviert werden. Ebenso solle der Onlineabsatz ausgebaut und das Vertriebsnetz optimiert werden.
  • Gut positionierte und stabil finanzierte Unternehmen hätten in der Krise die Chance, neue Profitpools zu erschließen. So könnten sie – etwa durch gezielte Übernahmen – wichtige Zukunftskompetenzen aufbauen. Diese sollen unter anderem die Bereiche E-Mobilität, Konnektivität und digitale Dienste oder autonomes Fahren umfassen.

„Neben dem akuten Krisenmanagement sollten die Automobilhersteller den Markteinbruch auch nutzen, um strukturelle Wachstumshindernisse zu beseitigen“, so Ralf Kalmbach, Bain-Partner und Co-Leiter der globalen Praxisgruppe Automotive und Mobilität. „Unternehmen, die gestärkt aus der Krise kommen wollen, leiten jetzt die strategischen Veränderungen ein, mit denen sie sich nachhaltig vom Wettbewerb absetzen können.“

 

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