10. Jun 2020   Business

Chinas Unternehmen wollen erst nach 120 Tagen zahlen

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Asien. Die Zahlungsmoral in China ist im Jahr 2019 gesunken. 66 Prozent der Unternehmen berichteten über Zahlungsverzögerungen, so Kreditversicherer Coface.

„Die chinesischen Unternehmen stellen sich auf ein hartes Jahr ein, da sich die Cashflow-Risiken für einige Sektoren mehren. Das Wachstum in China wird auf 1,0 Prozent fallen. Das ist der niedrigste Stand seit 30 Jahren“, so Declan Daly, Regional CEO von Coface für Zentral- und Osteuropa.

Angesichts der historischen Korrelation zwischen wirtschaftlicher Aktivität und Zahlungsverzögerungen erwartet er im Jahr 2020 eine weitere Verschlechterung der Zahlungsmoral. Die Entwicklung geht längst in die Richtung:

  • Die durchschnittlichen Zahlungsfristen mit 86 Tagen blieben im Jahr 2019 stabil.
  • Der Anteil der Befragten, die durchschnittliche Kreditlaufzeiten von mehr als 120 Tagen verzeichneten, hat sich innerhalb von zwei Jahren fast verdoppelt. 2017 waren es 12 Prozent und 2019 bereits 23 Prozent.
  • In der Praxis boten 50 Prozent der Befragten maximale Zahlungsfristen von mehr als 120 Tagen an.
  • Der Anteil der Unternehmen mit Zahlungsverzögerungen von mehr als 120 Tagen erreichte 37 Prozent. Das sind 6 Punkte mehr als im Jahr 2018.

Mehr als ein Viertel der Unternehmen (27 Prozent) hatte sehr lange Zahlungsverzögerungen von über 180 Tagen, die mehr als 10 Prozent ihres Jahresumsatzes ausmachten. „Wenn diese Summe einen wesentlichen Teil des gesamten Jahresumsatzes betrifft, kann der Cashflow gefährdet sein, was im Falle exogener Schocks wie Covid-19 beunruhigend ist“, so Daly.

Bau, Transport, Energie, Automobil

Der Kreditversicherer rechnet mit einem Anstieg der Ausfälle bei Unternehmensanleihen und mit Insolvenzen in jenen Sektoren, in denen sich die Cashflow-Risiken im Jahr 2019 erhöht haben. Die Sektoren mit dem höchsten Anteil von extrem langen Überziehungen sind:

  • Bau (30 Prozent)
  • Transport (30 Prozent)
  • Energie (29 Prozent)
  • Automobilindustrie (28 Prozent)

40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie 2019 keine Form von Kreditmanagement-Tools zur Minderung von Cashflow-Risiken eingesetzt haben. 17 Prozent der Befragten nutzten eine Kreditversicherung.

 

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