28. Jul 2020   Business Recht Steuer

Commerzialbank Mattersburg: „Langes Verfahren“ laut KSV

Eisenstadt. Im Fall der Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG wurde jetzt das Konkursverfahren eröffnet. Der KSV1870 lässt eigene Anwälte aufmarschieren.

Heute wurde über Antrag der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) das Konkursverfahren über die Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG (CMB) beim Landesgericht Eisenstadt eröffnet, teilt der KSV1870 mit.

Die Finanzmarktaufsicht FMA hatte dem Bankinstitut am 14.07.2020 die Fortführung des Geschäftsbetriebs untersagt und einen Regierungskommissär als Aufsichtsperson eingesetzt, der feststellen musste, dass die Bank überschuldet und konkursreif ist.

Die Anzahl der betroffenen Gläubiger sei noch nicht bekannt. Die Summe der von der Einlagensicherung bereits ausgeschütteten Beträge betrug gestern schon ca. EUR 245 Mio. und steige täglich. Insgesamt rechnet die Einlagensicherung mit einem Erstattungsbetrag von bis zu EUR 490 Mio.

Nach dem Insolvenzrecht für Banken stehe die Einlagensicherung im Konkursverfahren mit Ihrer Regressforderung gegen die Konkursmasse im Rang eines bevorrangten Konkursgläubigers (Klassenkonkurs). Die Befriedigungsaussichten der Gläubiger der allgemeinen Klasse werden also davon abhängen, in welchem Umfang tatsächlich realisierbare Aktiva vorhanden sind, so der KSV weiter.

Kosch & Partner als Masseverwalter

  • Zum Masseverwalter der CMB wurden Kosch & Partner Rechtsanwälte ernannt, vertreten durch Gerwald Holper und Michael Lentsch (7000 Eisenstadt, Hauptstraße 27).
  • Die Berichts- und Prüfungstagsatzung findet am 12.10.2020 statt, die Anmeldefrist läuft bis 28.09.2020

Ab sofort können Gläubigerforderungen über den KSV1870 angemeldet werden. Im Insolvenzverfahren „werden die Ursachen für den skandalösen Zusammenbruch des für die Region äußerst bedeutsamen Bankinstituts, sowie die Fragen der Haftung Dritter gegenüber der Konkursmasse aufzuarbeiten sein“, heißt es in der Aussendung der Gläubigerschützer wörtlich, und weiter: „Der KSV1870 lässt nunmehr anwaltlich prüfen, ob auch außerhalb des Insolvenzverfahrens Haftungsansprüche gegen Dritte geltend gemacht werden können.“

Bisherige Beispiele von Banken-Pleiten sind wenig erfreulich

Zu rechnen ist laut KSV1870 jedenfalls mit einer langen Verfahrensdauer. Die selbst im 19. Jahrhundert gegründete Organisation verweist dazu auf die österreichische Wirtschaftsgeschichte, die für die CBM-Gläubiger nichts Gutes erhoffen lässt – die Komplexität der Abwicklung derartiger Insolvenzen spiegele sich in einer langen Verfahrensdauer wider:

  • Bank für Handel für Industrie AG, Graz (Konkurseröffnung 1995): 11 Jahre
  • Trigon Bank AG, Wien (Konkurseröffnung 2001): 18 Jahre
  • Riegerbank AG, Wien (Konkurseröffnung 1998), noch anhängig, bisherige Verfahrensdauer nahezu 22 Jahre.

 

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