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Bildung & Uni, Nova, Recht

Kehren die Tempelritter mit Salzburger Hilfe zurück?

Bioarchäologe Jan Kemper-Kiesslich und Rechtshistoriker Daniele Mattiangeli ©Kolarik

Verona / Salzburg. Salzburger Genforscher und Rechtshistoriker arbeiten an einer verblüffenden Frage: War die Aufhebung und Verfolgung des Templerordens im Mittelalter juristisch gesehen unwirksam? Potenzielle Nachfolger der Templer stehen schon bereit.

Bestseller-Autor Dan Brown („Sakrileg“) hätte sicher seine Freude an dem Stoff, doch das Thema ist absolut real: Ist die Aufhebung des Templerordens rechtlich unwirksam? Das ist nicht bloß eine historische Frage, denn der Orden soll der reichste aller katholischen Ritterorden gewesen sein. Und es gäbe etliche Kandidaten für eine Art Restitution.

Eine blutige Geschichte

Gegründet wurde der Templerorden 1118 im damaligen Kreuzfahrer-Königreich Jerusalem. Er war der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen des Mönchtums vereinte (s. Wikipedia). In diesem Sinne war er der erste Ritterorden und während der Kreuzzüge vor allem eine militärische Eliteeinheit, die direkt dem Papst unterstand. Doch Jerusalem ging verloren und der Templerorden befand sich in den kommenden Jahren militärisch auf dem Rückzug.

Die Templer waren aber immer noch reich. Der französische König Philipp IV. hatte dagegen akuten Finanzbedarf. Dass die Templer einen Antrag des Königs auf Mitgliedschaft ablehnten, könnte bei den folgenden Ereignissen auch eine Rolle gespielt haben. Tatsache ist: Auf den Druck Philipp IV. hin wurde der Orden nach einem langwierigen, aufsehenerregenden Prozess („Templerprozess“) von Papst Clemens V. am 22. März 1312 auf dem Konzil von Vienne offiziell aufgelöst.

In der Folge wurden zahlreiche Templer wegen diverser angeblicher Verbrechen auf dem Scheiterhaufen verbrannt – allein in Paris waren es laut den Chroniken 54. Doch Teile des Ordens u.a. in Spanien akzeptierten die Auflösung nicht und bestanden in der einen oder anderen Form zumindest noch eine Zeitlang fort.

Heute betrachten sich zahlreiche Organisationen, Vereine und Gruppen als in der Tradition der Tempelritter stehend – manche von ihnen mit Verbindungen zur katholischen Kirche, andere eher dem Adel zugeneigt. Wieder andere stehen auf etwas weniger formellen Beinen. „Selbsternannte Tempelritter auf Nazi-UFO-Suche“, schrieb das Magazin Datum einmal.

Einige dieser Organisationen blicken inzwischen aber selbst auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Und sie hätten wohl durchaus ein Interesse daran, ihre Nachfolge der Templer offiziell zu machen. Dazu wäre es aber nötig, die Aufhebung irgendwie ungeschehen zu machen. Dabei könnten Wissenschaftler der Uni Salzburg eine prominente Rolle spielen.

Salzburger Forscher auf den Spuren der Templer

Seit dem Sommer 2019 gehen Salzburger Wissenschaftler den Spuren des Arnau de Torroja nach, des letzten Großmeisters der Tempelritter vor der Auflösung des Ordens im 14. Jahrhundert. Nachdem ein Grab in der Kirche von San Fermo (Verona) entdeckt wurde, nahmen die Wissenschaftler erste Untersuchungen darin enthaltener menschlicher  Überreste vor und sichteten darüber hinaus bislang verloren geglaubte Dokumente, so eine Mitteilung der Uni Salzburg.

Nun präsentierten der Bioarchäologe Jan Cemper-Kiesslich sowie der Rechtshistoriker Daniele Mattiangeli von der Paris Lodron Universität Salzburg erste Ergebnisse. Diese bestätigen demnach die Annahme, dass es sich tatsächlich um das Grab des Arnau de Torroja handelt und werfen darüber hinaus ein neues Licht auf den Orden und sein mögliches Überleben bis heute, wie es heißt.

Entdeckung eines Steinsarkophags

Die Geschichte beginne damit, dass der derzeitige Magister der „Katholischen Templer Italiens“ (Templari Cattolici d’Italia), Mauro Ferretti, einen Steinsarkophag in der Kirche von San Fermo entdeckte. Die darin enthaltenen Gebeine ließen schnell die Vermutung aufkommen, dass es sich dabei um Arnau de Torroja handeln könnte. Die Inschriften auf dem Sarkophag zusammen mit dem Fundort stellten einen eindeutigen Bezug zum Tempelritterorden des 12. und 13. Jahrhunderts her.

Aufgrund dieser Entdeckung fand sich ein internationales Expertenteam zusammen, das sowohl rechtshistorisch-mediävistischen als auch forensischen, archäometrischen und bioarchäologischen Fragen nachgehe um das Geheimnis um den letzten Großmeister der Tempelritter zu lüften – und seine Erben.

Der fragliche Arnau war ab 1179 der neunte Großmeister des Templerordens. Der Katalane kämpfte in der Reconquista gegen die Mauren für die Könige von Aragonien und Portugal. Arnau war laut Historikern auch ein geschickter Diplomat, der zwischen den einzelnen politischen Gruppen zu vermitteln wusste. Doch haben die Forscher tatsächlich seine Grabstätte gefunden?

Naturwissenschaftlich-archäologische Untersuchungen

  • Zunächst nahmen die Wissenschaftler mehrere Steinproben des prunkvollen Sarges und konnten mit Hilfe einer Neutronenaktivierungsanalyse feststellen, dass der Deckel und der Korpus des Sarges gleichen Ursprungs sind. Um herauszufinden, aus welchem Steinbruch die Proben stammen, sollen noch weitere Vergleichsproben durchgeführt werden.
  • Von dem im Sarg befindlichen Skelett wurden Proben aus dem Oberschenkel entnommen. Mittels Radiocarbondatierung konnte ein Zeitfenster zwischen 1166 und 1259 ermittelt werden. Dies stimme sehr gut mit dem überlieferten Sterbedatum des Arnau (1184) überein.
  • DNA Analysen in zwei unabhängigen Laboren, eine Peptid-Analyse und die morphologisch-anthropologische Begutachtung diagnostizierten eindeutig das männliche Geschlecht des Skelettes.
  •  Weiters grenzten die Wissenschaftler das Sterbedatum zwischen 50 und 70 Jahren ein und stellten fest, dass der Mann Rechtshänder war.

Weitere Analysen zur Bestimmung der Herkunft und des Lebensraumes sowie zur Ernährung der Person sind geplant.

„Zusammenfassend können wir sagen, dass alle bisher erhobenen Befunde nicht gegen die Annahme sprechen, dass es sich tatsächlich um die Grablege des Arnau de Torroja  handelt – jedenfalls haben wir nichts gefunden, was dagegen spricht“, sagt Jan Cemper-Kiesslich von der Gerichtsmedizin der Paris Lodron Universität Salzburg.

Entscheidend für den weiteren Verlauf des Projektes werde eine DNA-basierte molekularbiologische Identifizierung des Skelettes sein, so Cemper-Kiesslich. Das bedeutet, dass mehrere Verwandte des Arnau noch untersucht werden müssen, um einen eindeutigen Nachweis der biologischen Verwandtschaft des Skeletts zu bekommen.

Die Familie Torroja ist in verschiedenen katalonischen Städten und ehemaligen Templerburgen bestattet. Die Untersuchung ihrer sterblichen Überreste werde aber erst möglich sein, wenn sich die Lage aufgrund von Covid-19 beruhigt hat. „Dann können wir die Identität des Skeletts aus dem Grab von San Fermo endgültig feststellen“, so Cemper-Kiesslich.

Der Templerorden als Stoff für Legenden

Das Erbe des letzten Großmeisters der Templer anzutreten erfordert neben der biologischen auch rechtshistorische Forschung. Hier ist die Ausgangsbasis der Templerprozess selbst. Ging es dabei vordergründig um Blasphemie und Häresie, so waren in Wahrheit vor allem die Besitztümer der Templer das Ziel der Gegner: Diese Ansicht ist heute unter Historikern vorherrschend. Bis heute sei diese Auflösung daher Gegenstand von Kontroversen und vielfach werde auch ihre Rechtmäßigkeit stark bezweifelt, heißt es weiter.

Doch um juristisch gegen einen mittelalterlichen Prozess nach Kirchenrecht vorzugehen, müssen die Nachfahren der Templer mit den entsprechenden Waffen kämpfen. Tatsächlich sei es einem internationalen Team unter der Leitung des Rechtshistorikers Daniele Mattiangeli gelungen, päpstliche Bullen und Pergamente aus dem 13. und 14. Jahrhundert sowie deren Übersetzungen in der Vatikanischen Bibliothek, dem Nationalen Archiv von Paris und dem österreichischen und britischen Kulturinstitut in Rom aufzuspüren und durchzusehen, die vielversprechend klingen.

„Wir haben uns die originale Version des Pergaments von Chinon aus dem Jahr 1308 angesehen, in dem es um die Anklage gegen die Templer geht. Sie wurden von der Inquisition der Blasphemie und des Satanismus beschuldigt“, erläutert Daniele Mattiangeli, vom Fachbereich Privatrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Paris Lodron Universität Salzburg. „Die Ergebnisse lassen uns daran zweifeln, dass der Orden tatsächlich für immer aufgehoben worden ist“, so Mattiangeli.

Denn bei genauerer Betrachtung gehe aus den Texten hervor, dass der Templerorden nur „vorübergehend suspendiert“ und nicht definitiv aufgelöst worden sei. In der wiederentdeckten Bulle „dignum esse conspicimus“ wurde festgehalten, dass es gegenüber den Templern verboten war, sie zu strafen oder gar zu exkommunizieren. „Dieses Verbot würde aus juristischer Sicht die Nichtigkeit der Entscheidung über die Aufhebung des Templerordens durch Clemens dem V. zur Folge haben und ein ganz neues Licht auf das – nur vorläufige – Ende der Templer werfen“, so Mattiangeli.

Hinzu komme der Umstand, dass Papst Clemens V. während des Konzils von Vienne allein und lediglich in Form einer päpstlichen Entscheidung über die Aufhebung entschied. Die Entscheidung sei nicht von einem Konzil gefällt worden, obwohl dies die Voraussetzung für die Aufhebung gewesen wäre, so Mattiangeli.

Aufhebung könnte durch den Papst rückgängig gemacht werden

Diese rechtliche Problematik könnte theoretisch auch heute noch geltend gemacht werden, mit dem Ziel, die Aufhebung des Ordens durch den Papst rückgängig zu machen. Die Unterlagen zeigen auch, dass die Entscheidung von Papst Clemens V. unter dem Druck von Philipp dem Schönen gefällt worden war, so die Forscher weiter. Die reichen Besitztümer der Templer gingen an den Johanniterorden und andere örtliche Herrscher.

„Wir gehen davon aus, dass der Orden im Geheimen weitergeführt wurde“, so Mattiangeli. Denn trotz harter Verfolgung gelang zahlreichen Templern die Flucht. Ihre Spuren führen nach Spanien, Marokko und Portugal. Mehrere Vereine sehen sich heute als direkte oder indirekte Nachfolger des Templerordens, unter anderem die „Templari Cattolici d’italia“, die heute im Besitz der Kirche von San Fermo sind und die sterblichen Überreste Arnaus de Torroja verwahren.

Das Projekt wird an der Paris Lodron Universität Salzburg vom Interfakultären Fachbereich Gerichtsmedizin und dem Fachbereich Privatrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Zusammenarbeit mit dem Magister der Templari Cattolici d’Italia, Mauro Ferretti betrieben. Weitere Kooperationspartner sind das Atominstitut der TU Wien, die anthropologische Abteilung der Rechtsmedizin Bern, die Gerichtsmedizin der MedUni Wien und die Fachbereiche Altertumswissenschaften und Geologie/Geographie der Paris Lodron Universität Salzburg.

 

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