17. Aug 2020   Business Finanz Recht

„Immo-Schnäppchen durch Corona“: Investment Punk Hörhan im Interview

Gerald Hörhan ©Philipp Lipiarski

Interview. Als „Investment Punk“ sticht Investor Gerald Hörhan aus der Geldbranche hervor und provoziert Normalbürger. Im Interview spricht er über Immobilien, die Krise und Corona-Schnäppchen.

Extrajournal.Net: Verglichen mit anderen Investments – was spricht in der aktuellen Situation aus Ihrer Sicht für Immobilien? Gibt es Lebenssituationen, wo Sie sagen, besser Hände weg davon? Ist die Situation angesichts der Preissteigerungen der letzten Jahre noch spannend?

Gerald Hörhan: Immobilienkäufe sind nach wie vor sehr spannend, aber man muss sich anstrengen. Das ist nichts für Anfänger! Es wird durch die Coronakrise gelegentlich Schnäppchen geben, aber gerade dann muss man genau hinsehen.

Wo könnte es diese Schnäppchen geben?

Gerald Hörhan: Eher weniger im Bereich der Wohnimmobilien, nach meiner Einschätzung. Dafür sehr viele im Bereich Gewerbe. Da kommt es dann natürlich besonders darauf an, welche Aussichten der Standort hat, welche Möglichkeiten es für Investoren gibt, die Immobilie zu verwerten. Wenn die Lage, die Branche nicht sanierbar sind, dann Hände weg.

Wenn Sie selbst eine Immobilie suchen – wie finden Sie gute Objekte, woran erkennen Sie die schlechten Investments?

Gerald Hörhan: Da gibt es keine einfache Antwort, genau deshalb biete ich jetzt Seminare dazu an. Man muss sich als Investor gründlich mit der Immobilie und mit dem Markt beschäftigen. Das beginnt bei der Makrolage, also der Region: Gibt es Bevölkerungszuwächse? Wie geht es wirtschaftlich? Was sind die Vorhaben der Politik? Welche Investitionen in Infrastruktur usw. sind zu erwarten? Dann stellt man sich dieselben Fragen für die Mikrolage, also die unmittelbaren Gegebenheiten vor Ort. Es hängt dann von vielen Umständen ab. Hochhäuser oder auch sehr kleine Wohnimmobilien können zum Beispiel manchmal ein No-Go sein.

Ist eine hohe Fremdfinanzierung von Immobilien aus aktueller Sicht – Niedrigzinsen – besonders anzuraten, oder hat sie auch Nachteile? Manchmal hört man ja den Tipp, dass 100% Fremdfinanzierung am besten sind.

Gerald Hörhan: Ein klares Nein. Man sollte mindestens 10 Prozent des Kaufpreises plus Nebenkosten selbst bezahlen können. Bei sehr guten Gelegenheiten, die man kurzfristig wieder verwertet, darf es auch einmal eine höhere Fremdfinanzierung sein. Aber im Normalfall, vor allem wenn es um Bestandshaltung geht, eine Immobilie also längerfristig im eigenen Anlagevermögen behalten werden soll, braucht man einen gewissen Eigenkapitalanteil. Andernfalls ist das Risiko von Zinserhöhungen zu groß. Auch wenn man eine Fixzins-Finanzierung hat, das Risiko nach deren Auslaufen ist zu groß. Auch das Risiko von Banknachforderungen ist bei einem zu hohen Fremdkapitalanteil zu groß. Man wäre einfach „overleveraged“.

Es gibt eine Alternative zu direkten Immobilien-Investments: Was halten Sie von indirekten Immobilieninvestments – zum Beispiel Immobilien-Aktien und Immobilienfonds, Immoblien-Crowdinvesting, REITs usw.?

Gerald Hörhan: Das eine schließt das andere nicht aus. Aber es sind vollkommen verschiedene Asset-Klassen, auch wenn das Thema Immobilien ist. Eine Wohnung, die mir gehört, behält einen Wert: Ich kann sie vermieten, ich kann sie wieder verkaufen oder bei Bedarf auch selbst darin wohnen. Vergleichen Sie das mit einer Immobilien-Aktie: Die verbrieft einen Anteil an einem Unternehmen, das in Immobilien investiert, also eigentlich an einem Immobilien-Portfolio. Ich bin dann eben davon abhängig, wie sich dieses Portfolio entwickelt.

Das ist wie der Unterschied zwischen einem Goldbarren und einer Goldminen-Aktie. Den Goldbarren kann ich aufbewahren, ich kann ihn wieder verkaufen, ich kann ihn notfalls sogar an einen ganz anderen Ort mitnehmen. Die Goldminen-Aktie ist einfach ein Anteil an einem Unternehmen, das Gold schürft. Das kann sich toll entwickeln, oder vielleicht auch nicht. Im schlimmsten Fall bleibt gar nichts.

Im Interview

„Gerald Hörhan ist ein österreichischer Investmentbanker, Immobilieninvestor, Bestseller Autor, Harvard Absolvent und Selfmade Multi-Millionär“, so die nicht übermäßig bescheidene Selbstbeschreibung. Neuerdings ist auch Seminar-Anbieter dazu gekommen – mit der „Investment Punk Academy“.

 

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