16. Dez 2020   Bildung & Uni Nova Recht

Reiseführer: Berlin für Juristen

©Manz

Buch. Autorin Barbara Sternthal macht in „Ku’damm, Kiez und Currywurst“ Lust auf einen Stadturlaub in Berlin – wenn es wieder geht. Der neue Guide ist nicht nur für Rechtsprofis spannend.

„Ku’damm, Kiez & Currywurst – Der Berlin-Führer für Juristen“ (Manz / C.H.Beck / Stämpfli) reiht sich in die inzwischen recht stattliche Sammlung von Manz-Guides zu diversen Städten ein, die nicht nur für Touristen, sondern spezifisch für rechtsgelehrte Urlauber viel zu bieten haben. Dabei geht es im Kapitel „An Spree und Havel“ zunächst um die Anfänge der größten deutschen Stadt, ihre wechselvolle Geschichte inklusive der Rolle als Hauptstadt im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, Kriege, Ost-West-Konflikt und Mauerbau.

In der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung ist Berlin wieder deutsche Hauptstadt geworden, sehenswerte juristische Einrichtungen hatte die Stadt ohnehin stets – auch wenn einige besonders bekannte Etablissements nicht an der Spree zu finden sind: So urteilt das oberste deutsche Gericht, der Bundesgerichtshof (BGH), bekanntlich nicht in Berlin, sondern in Karlsruhe.

Was der Reiseführer bietet

Dem Föderalismus zum Trotz bleibt für Berlin aber genug Sehenswertes, auch aus juristischer Sicht. In drei „Streifzügen“ geht es in dem Guide um Polizisten und Anwälte, Richter und Gerichte, aber auch Gesetzesreformer und historische Persönlichkeiten. Mit 148 Seiten passt die Neuerscheinung dabei bequem in die Tasche. Wie von der Manz-Serie schon gewohnt lässt sich der Reiseführer aber auch spannend lesen, ohne jemals einen Fuß nach Berlin zu setzen.

Während der geschichtliche Abriss Berlins dabei vor allem Staatswesen, Gesellschaft und Politik im Blick hat, wird es in den Streifzügen für Rechtsgelehrte spannend, aber nie rechtswissenschaftlich. Der Bogen spannt sich von kurfürstlicher Gesetzgebung über Berlins historische Hinrichtungsstätten bis zu legendären Gesetzesbrechern. So etwa Hans Kohlhase (geb. um 1500): Der war Räuberhauptmann – oder auch Revolutionär, das kommt auf den Standpunkt an, jedenfalls aber war er ein Opfer überlanger Gerichtsverfahren, was laut Autorin Sternthal überhaupt erst dazu führte, dass Kohlhase das Recht in seine eigenen Hände nahm.

Auf der Suche nach Gerechtigkeit überfiel er „mit einer stattlichen Schar von Getreuen“ sogar einen kurfürstlichen Silbertransport. Am 22. März 1540 wurde Kohlhase verurteilt und zum Rabenstein vor dem Berliner Georgentor gebracht, der Hinrichtungsstätte. Seine letzten Worte sind überliefert: „Verstoßen ist der, dem der Schutz der Gesetze versagt ist.“

Bei den Berlinern hinterließ Kohlhase einen bleibenden Eindruck: Heinrich von Kleist setzte ihm in der Novelle „Michael Kohlhaas“ ein literarisches Denkmal. Und der Stadtteil Kohlhasenbrück (Bezirk Steglitz-Zehlendorf) ist nach dem gescheiterten Rechtssuchenden benannt.

Ein spannendes Thema

Für Reisende hat Berlin also viel zu bieten, für Juristen mit einem Faible für Kulturgeschichte und Sinn für extravagante Persönlichkeiten und menschliche Abgründe hält Berlin überreiches Material bereit, heißt es beim Verlag Manz weiter: Beeindruckende Figuren wie Kohlhase (Kohlhaas) sind in praktisch jedem Kiez (auf Wienerisch würde man „Grätzl“ schreiben) zu finden – von einem Müllergesellen, der sich als Graf ausgab und mit der Mark Brandenburg belehnt wurde, über gekrönte Häupter wie Friedrich der Große, hinter dessen umfassenden juristischen Reformen auch ein tragisches Gerichtsurteil stand, bis zu einem Anwalt, der sich nicht scheute, Hitler in den Zeugenstand zu berufen.

Auch die Gründung der ersten Kriminalpolizei Deutschlands, Streifzüge durch Berlins »Roaring Twenties« oder die Erkundung des ältesten Gerichts Deutschlands fehlen in dem Guide nicht.

Die Autorin

Barbara Sternthal, promovierte Theater- und Kommunikationswissenschaftlerin, ist Autorin, Übersetzerin und Redakteurin. Sie hat Biografien u. a. von Freud, Klimt und Schiele verfasst, schreibt außerdem zu Reisen, Kunst, Kultur, Architektur und Design. Ihre Publikationen beschäftigen sich mit dem Wiener Fin de Siècle, Venedig u.v.m.

 

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