05. Jan 2021   Business Finanz Recht

Wo FMA und OeNB heuer die Banken prüfen wollen

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Wien. Finanzmarktaufsicht FMA und Nationalbank (OeNB) haben ihre Prüfungsschwerpunkte für das Jahr 1 nach der Commerzialbank-Pleite definiert.

Laut einer Mitteilung der FMA liegen die Schwerpunkte in der österreichischen Bankenaufsicht im Jahr 2021 auf die Themen Resilienz und Stabilität, Governance, Digitalisierung und Green Finance/Sustainable Finance. Das bedeute konkret:

  • Resilienz und Stabilität: Die Resilienz und Stabilität des österreichischen Bankenmarktes soll – unter Anwendung risikoadäquater Proportionalität – durch geeignete Früherkennungsmaßnahmen und transparente Kommunikation weiter gestärkt werden. Als Folge des schweren Konjunktureinbruches werde im nächsten Jahr ein deutlicher Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen erwartet, wodurch im Bankensektor höhere Kreditrisikokosten anfallen werden. Daher werde im Dialog mit den Banken ein Fokus auf eine transparente und rasche Adressierung dieser Thematik gelegt werden.
  • Governance: Die Governancestruktur der Institute soll über eine engere Kooperation mit dem Aufsichtsrat und mit Key Function Holders weiter gestärkt werden.
  • Digitalisierung: COVID-19 hat die Digitalisierung weiter beschleunigt. Hierbei lege die Bankenaufsicht einem besonderen Fokus auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Geschäftsmodelle und die Sicherstellung geeigneter Vorkehrungen zum Umgang mit Cyber-Security Risiken seitens der Banken.
  • Green Finance/Sustainable Finance: Durch eine frühzeitige Mitwirkung bei der Entwicklung einer europäischen Green Finance Aufsichtsagenda werde ein wichtiger Beitrag zur Schaffung einer methodischen Grundlage für die Analyse der Auswirkungen von Klimarisiken geschaffen und erste Schritte zur Integration des Themas in den Aufsichtsprozess gesetzt. Zu diesem Zweck soll auch ein Konzept für einen Klimastresstest entwickelt werden.

Im europäischen Konzert

Inhaltlich sind die dargestellten Ziele in Verbindung mit den Aufsichtsschwerpunkten des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism, SSM) für 2021 zu sehen. Darüber hinaus werden FMA und OeNB 2021 weiterhin die Entwicklung und Umsetzung neuer regulatorischer Themen begleiten, heißt es.

Zudem liege ein Fokus auch auf der Evaluierung der Covid-19 Erfahrungen, die in den Normalbetrieb integriert werden sollen. Das betreffe etwa dezentrale/virtuelle Arbeitsabläufe sowie den Ausbau von digitalen Kommunikationsplattformen für den Austausch mit beaufsichtigten Instituten.

Die Lehren aus 2020

Die Festlegung und Kommunikation gemeinsamer Aufsichtsschwerpunkte in der Bankenaufsicht erfolgt jährlich für das darauffolgende Jahr. Wer sich nach der aufsehenerregenden Pleite der Commerzialbank Mattersburg im Vorjahr heuer einen besonderen Fokus der Prüftätigkeit auf kleine Bankinstitute erwartet hat, findet diesen in der aktuellen Liste nicht auf den ersten Blick.

Allerdings war die Bank im Vergleich zu den gesamten Assets des österreichischen Bankensektors ein kleiner Player. Und sowohl für kleine wie große Institute wird jedenfalls das Thema der befürchteten Insolvenzwelle unter Firmenkunden relevant werden: Laut ihrer Planung will die FMA verstärkt ein Auge darauf haben.

 

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