Living Standards Award 2021: Die Preisträger

Living Standards Award ©ASI / Jelinek

Wien. Beim Living Standards Award 2021 punkteten Projekte von Quantenmechanik über Plastikvermeidung und schnelles Ethernet bis zur präzisen Chirurgie.

Am 21. Jänner 2021 wurde der 7. Living Standards Award in Wien verliehen: Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren bei der virtuellen Verleihung der Auszeichnung anwesend.

Seit 2015 verfolgt der Living Standards Award als bedeutendste österreichische Auszeichnung für Standardisierung und Innovationen das Ziel, den oft versteckten Erfolgsgeschichten rund um die Entwicklung und Anwendung von Standards Sichtbarkeit zu verleihen, heißt es bei Austrian Standards.

15 Einreichungen waren am Ende auf der Shortlist nominiert – fünf durften die Trophäe mit nach Hause nehmen. Schirmherrschaft über die Veranstaltung hatte Austrian Standards Direktorin Elisabeth Stampfl-Blaha, moderiert wurde die Preisverleihung von ORF-Journalist Stefan Lenglinger.

Die Award-Kategorien: Lösungen, Verbesserungen und Erneuerungen durch Standardisierung

Von der Idee zum Weltmarkt: Standards wirken im Alltag oft im Hintergrund, um die Qualität und Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen zu gewährleisten. Es sind es aber gerade diese praxisnahen Empfehlungen, die aus innovativen Ideen exportfähige Lösungen und funktionierende Zukunftstechnologien machen. Rund 4.500 Fachleute vernetzen sich gegenwärtig in Österreich themenbezogen in der Standardisierung.

Der Living Standards Award richte sich an Unternehmen, Organisationen, Forschungseinrichtungen und Start-ups, die Standards dazu verwenden, neue Lösungen zur Verbesserung unserer Arbeits- und Lebensqualität zu ermöglichen (Enabling Solutions), internationale Märkte zu erschließen (Reaching International Markets), neue Technologien zu entwickeln (Developing Future Technologies) oder innovative Elektrotechnik-Standards einzusetzen (IEEE-Standards).

Living Standards Award: Preisträger 2021

Kategorie „Enabling Solutions“: 3D-Simulationen für heikle Eingriffe in der Neurochirurgie

cortEXplore wurde 2018 gegründet und entwickelt neurochirurgische Navigationssysteme, um Eingriffe am Gehirn präzise planen, simulieren und durchführen zu können. Das Start-up werde ausgezeichnet für die Entwicklung eines speziellen Ortungssystems, um Areale im Gehirn besonders präzise zu erreichen.

So könne der Zugang zum Ziel bei Operationen besser geplant, das Risiko für Patientinnen und Patienten verringert und klinische Ergebnisse verbessert werden. Standards spielten dabei in puncto Qualitätspolitik (EN ISO 13485) und beim Risikomanagement in der Produktentwicklung (EN ISO 14971) eine Rolle.

Kategorie „Reaching International Markets“: mit dem Roboterarm im OP

Ein Instrument im OP-Saal, das ohne Hände benutzt werden kann? Das RoboticScope von BHS Technologies ist laut Jury das erste Operationsmikroskop, das Chirurginnen und Chirurgen vom statischen Mikroskop entkoppelt und mehr Bewegungsfreiheit bringt. Mit Hilfe eines Roboterarms passe sich das Mikroskop automatisch den Kopfbewegungen der Chirurginnen und Chirurgen an. Werkzeuge müssen nicht mehr abgelegt und das Mikroskop neu ausgerichtet werden.

Das Ergebnis seien sichere Eingriffe durch optimierte Ergonomie für Chirurginnen und Chirurgen und mehr Überblick während der Operation. Damit die Patientensicherheit dabei nicht leidet, kommen Standards zum Zug: Sie stellen sicher, dass alle nach den gleichen Regeln spielen und sowohl bei Design und Herstellung von Medizinprodukten (ISO 13485) als auch beim Risikomanagement (ISO 1471) und dem Umgang mit medizinischem bzw. elektrischem Equipment keine unliebsamen Überraschungen auftreten, heißt es weiter.

Kategorie „Developing Future Technologies“: Quantencomputer goes Wasserkocher

Standards spielen für das Start-up AQT besonders dann eine Rolle, wenn es mit IT-Partnern in technischer Hinsicht „eine gemeinsame Sprache“ finden will (ISO/IEC WD 4879 „Information technology – Quantum computing“). AQT hat sich darauf spezialisiert, Ionenfallen-Quantencomputer zu entwickeln, und sei das erste Start-up in Europa, das einen Quantencomputer in die Cloud bringt. Aufbauend auf mehr als 20 Jahre Forschung an der Universität Innsbruck und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften konnte AQT einen auf Industriestandards basierenden Quantencomputer realisieren.

Der Computer benötigt keine Laborbedingungen, passt in einen Wandschrank und hat den Stromverbrauch eines Wasserkochers. Die Technologie könne dank hoher Rechenleistung die Entwicklung von neuen Medikamenten oder von Materialien mit geplanten Eigenschaften unterstützen.

Kategorie „Developing Future Technologies“: Mikroplastik verlässlich und schnell finden

Die Purency GmbH macht Mikroplastik sichtbar. Die Lösungen des Wiener Unternehmens ermöglichen Laboratorien eine skalierbare Analyse von Mikroplastik. Die Ergebnisse seien von hoher Qualität und minimieren manuelle Nachbearbeitungen. Der Zeitaufwand für die Datenanalyse wird dadurch von Stunden auf etwa zehn Minuten reduziert. Die Purency GmbH schafft so die Basis, um Mikroplastik zu reduzieren.

Forscherinnen und Forscher können so Aussagen über die Gefahren für Gesundheit und Umwelt besser treffen und Unternehmen ihre Risikobewertungen und Qualitätskontrollen besser durchführen. Seit 2019 sind Mitarbeiter von Purency GmbH in der internationalen Standardisierung dabei – im ISO/TC 61/SC 14/WG 4 „Characterization of plastics leaked into the environment (including microplastics) and quality control criteria of respective methods“.

Kategorie „IEEE-Standards“: Forschung im Zeichen von Ethernet und unabhängigen Standards

Die TTTech Group ist Technologieführer für Sicherheitssteuerungen und Echtzeit-Netzwerke für Industrial IoT, mobile Maschinen, autonomes Fahren sowie für Luft- und Raumfahrtapplikationen. Seit 2003 ist das High-Tech-Unternehmen an Standardisierungsaktivitäten beteiligt, seit 2012 ist es Mitglied der IEEE 802.1-Arbeitsgruppe, die Automobil- und Industrienetzwerken ermöglicht, schnelle Ethernet-Technologie zu verwenden.

Mit dem TTTech-Know-how wurden interoperable und herstellerunabhängige Technologiestandards entwickelt, lobt die Jury. TTTech sei bei IEEE-Standardisierungsaktivitäten stärker denn je und trage zu Schlüsselprojekten bei (IEEE P802.1Qcw, IEEE / IEC 60802, IEEE802.1DG).

 

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