09. Feb 2021   Bildung & Uni Business Tools

Offene Plattform für Biotechnologie-Interessierte

©ejn

Tulln. Die neue „Open Innovation Plattform“ des acib soll Wissenschafter und Praktiker sowie Öffentlichkeit zusammenbringen. Und künftig auch Start-ups antreiben.

Mit der Open Innovation Plattform will das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) am Standort Tulln künftig eine digitale Plattform bieten, auf der sich Biotech-ExpertInnen, VertreterInnen aus Wirtschaft und Industrie sowie eine fachlich interessierte Öffentlichkeit über Projektideen auf allen Gebieten der Biotechnologie austauschen und Projekte erarbeiten können.

Lockdown führte zu neuer Idee

Der Begriff Open Innovation wurde schon 2003 von Henry Chesbrough geprägt, heißt es dazu: Open Innovation besage die Öffnung des Innovationsprozesses – u.a. in Unternehmen – durch eine gezielte Einbindung von Kunden, Forschern, Partnern oder der Öffentlichkeit, um Ideen und Wissen zu integrieren und Innovationsprozesse zu beschleunigen.

Am acib entstand die Idee, diesen Ansatz in einer eigenen Plattform zu integrieren, kurz vor dem ersten Lockdown, so die Initiatoren: „Da der Hauptteil unserer Forschungstätigkeiten im Labor durchgeführt wird, mussten Projekte, die außerhalb des Covid-19 Schwerpunktes lagen, während der Lockdowns sehr stark eingeschränkt werden. acib hat diese Zeit genützt, um eine digitale Open Innovation Plattform für Biotechnologie Projekte zu entwickeln“, so Matthias Slatner, Open Innovation Manager bei acib Tulln.

Vierstufiges Plattform-Modell geplant

Das Projekt wird vom Land Niederösterreich gefördert. Geplant ist ein vierstufiges Modell, das bis Ende 2021 umgesetzt werden soll:

  1. In der ersten Stufe „Ask an Expert“ wird den NutzerInnen auf einem eigenen Webspace angeboten, bei technischen, wissenschaftlichen oder organisatorischen Fragen eine Frage an das acib Netzwerk zu stellen. Dieses setze sich aus über 170 internationalen Forschungspartnern aus Industrie und Forschung zusammen. Die gestellte Frage werde streng vertraulich vom acib Open Innovation Team geprüft und anonym an einen geeigneten Netzwerkpartner weitergeleitet. Somit sollen einerseits praktische Fragen beantwortet und anderseits – unter Einhaltung klarer IP Regeln – neue Ideen gesichert werden.
  2. Im Virtual Idea Lab, eine Erweiterung des Ask an Expert-Moduls, können Projektideen innerhalb des VIL gepostet und bearbeitet werden. Ideengeber können so einer fachlich interessierten Öffentlichkeit ihre Innovationsvorschläge anbieten.
  3. Diese Ideen sollen in weiterer Folge im dritten Modul des Co-Creation Centre praktisch umgesetzt werden. Dazu soll Innovationspartnern die Möglichkeit geboten werden, in einem eigenen virtuellen Raum neue Projekte gemeinsam zu erarbeiten und mithilfe der umfassenden acib-Digitalisierungslösungen bestehende Projekte weiterzuentwickeln.
  4. Einen etwas anderen Ansatz verfolgt die Biotechnology Entrepreneurship Toolbox, die das vierte Modell bildet. Diese stelle eine Informationsplattform für Unternehmensgründung im Bereich Biotechnologie dar. Ergänzend zu den Angeboten diverser Körperschaften oder der Beratungsstellen von Universitäten sollen biotech-spezifische Informationen für Spin-Off Gründungen angeboten werden.

Die Hilfe für Start-ups sei eine Kernkompetenz von acib, das als heimischer Inkubator zehn Ausgründungen vorzuweisen hat. Praktische Beispiele für biotech-spezifische Informationen für Spin-off Gründungen sind Informationsmappen zu Intellectual Property oder z.B. Abfallwirtschaft.

Die Idee des Projektes wurde voriges Jahr u.a. mit dem A1 Innovationsaward 2020 ausgezeichnet. Der Preis würdigt dieinnovativsten KMUs Österreichs, die mit kreativen New Business-Ideen und neuen Geschäftsfeldern Erfolgsgeschichte schreiben und eine Vorreiterrolle in Österreich und in ihrer Region übernehmen.

Die Rolle von Open Innovation

Das die Bedeutung von Open Innovation in der medizinischen und pharmazeutischen Forschung zunimmt, betont auch eine Analyse von rund 380 wissenschaftlichen Publikationen, die ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) durchgeführt hat. Die Ergebnisse der Studie wurden am 14. Jänner 2021 im Fachmagazin „Frontiers in Pharmacology“ veröffentlicht.

Der Großteil der analysierten Publikationen wurde demnach in Nordamerika und Europa durchgeführt, vor allem Italien verzeichnet eine Vielzahl an hoch zitierten Publikationen. Aus Asien hingegen wurden nur vereinzelte Studien gefunden. Pharmazeutika/Pharmakologie wurde als der aktivste Industriesektor mit medizinischer Bedeutung identifiziert, der Open Innovation fördert.

Dabei zeige die bibliographische Studie, dass Publikationen, die mit Biotechnologie- oder Pharmaunternehmen verbunden sind, häufiger zitiert wurden als ausschließlich akademische Studien. Das könne entweder auf die höhere Qualität oder einfach auf die bessere, durch die Industrie geförderte Vermarktung der Publikationen zurückzuführen sein, so die StudienautorInnen.

Link: acib Open Innovation Plattform

 

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