22. Feb 2021   Business

Der Weg aus der Corona-Krise laut EY

Eva-Maria Berchtold ©EY / Point of View

Studie. Jeder zweite Manager von Großkonzernen weltweit erwartet bereits 2021 eine wirtschaftliche Erholung von den Auswirkungen der Corona-Pandemie, so EY.

Großunternehmen rund um den Globus erwarten mehrheitlich, dass sie sich schnell wieder von der Corona-Krise erholen: Fast die Hälfte (46%) rechnet noch im laufenden Jahr damit, dass die Umsätze das Niveau vor Ausbruch der Pandemie erreichen.

Immerhin ein Drittel (33%) geht davon aus, dass die Erholung spätestens 2022 eintritt, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens EY. Basis der Studie ist eine Umfrage unter rund 2.400 ManagerInnen in Großunternehmen.

Die Profitabilität wird nach Ansicht der Befragten etwas langsamer zurückkehren:

  • Für das laufende Jahr erwarten 23% eine Rückkehr zum Zustand vor Ausbruch der Pandemie.
  • 44% gehen davon aus, dass dieses Niveau spätestens 2022 erreicht wird.
  • Jedes 20. Unternehmen rechnet nicht vor 2024 mit einer Profitabilität auf Vorkrisenniveau.

Deutschland als Top-Investitionsziel

Von der schnellen Erholung erwarten sich viele Investoren offenbar Vorteile am Standort Deutschland: Erstmals ist Deutschland das Top-Investitionsziel der befragten internationalen Großunternehmen. Auf den Rängen zwei und drei folgen die USA und das Vereinigte Königreich.

Der Übernahmeappetit der Unternehmen sinkt coronabedingt leicht auf 49 Prozent – nach jeweils 56 Prozent in den beiden Vorjahren. Allerdings liegt die Zahl der investitionswilligen Konzerne bereits wieder auf dem Niveau von 2018.

Eva-Maria Berchtold, Partner und Leiter der Strategie- und Transaktionsberatung (Strategy & Transactions) bei EY Österreich: „Die wirtschaftlichen Rückschläge bedingt durch die Corona-Pandemie sind aus Sicht von Großkonzernen weltweit nur ein kurzes Intermezzo. Jedes zweite Unternehmen rechnet damit, bereits in diesem Jahr wieder auf das Vorkrisen-Umsatzniveau zurückzukehren. Viele öffnen bereits wieder ihre Kasse, um gezielte Übernahmen insbesondere zur Stärkung ihrer Lieferkette und zum Erwerb neuer Technologien und Talente zu tätigen. Angesichts teilweise sinkender Bewertungen von Übernahmekandidaten, vor allem in den von der Pandemie stark getroffenen Sektoren, dürfte es daher zu einem deutlichen Anstieg der M&A-Aktivitäten in den nächsten Monaten kommen.“

Dies sei aber abhängig von den aktuellen Entwicklungen, so Berchtold: „Alle Investitionsplanungen stehen derzeit unter Vorbehalt. Niemand weiß, ob die aktuellen Impfkampagnen so erfolgreich verlaufen, wie wir uns das wünschen und ob die Infektions- und Opferzahlen tatsächlich im Frühjahr sinken. Und nur dann ist eine Rückkehr zu einer Art Normalität möglich.“

Fokus auf Digitalisierung und Kundenbindung

Die Erfahrungen mit der Corona-Pandemie habe den Fokus vieler Investitionsentscheidungen verlagert:

  • 63% der Unternehmen investieren verstärkt in die digitale Transformation,
  • 57% in die Kundenbindung,
  • 52% in die Personaleinsatzplanung und
  • 50% in eine flexible Kostenbasis.

Die großen Digitalkonzerne haben schon lange vorgemacht, dass es sich auszahlt, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und konsequent auf die Digitalisierung zu setzen. Mittlerweile dürfte bei allen angekommen sein, dass die digitale Transformation noch viel zügiger umgesetzt werden muss, so die Studienautoren: Ohne ein funktionierendes digitales Geschäftsmodell werde es zukünftig nicht mehr gehen, der Digitalisierungsschub, den die Pandemie gebracht hat, werde ein beherrschender Trend in den kommenden Jahren sein.

Wachstumsmotor Europa

Wachstumsmotor wird in den nächsten drei Jahren aus Sicht der Konzerne Europa sein: Weltweit erwarten 39 Prozent das größte Wachstum und die meisten Chancen für ihr Unternehmen in Europa. 30 Prozent sehen im Raum Asien-Pazifik das größte Wachstum – nur elf Prozent in Nordamerika.

„Die hohen Erwartungen an Europa mögen überraschen, wenn man bedenkt, wie hart viele Länder von der Pandemie getroffen wurden“, so Berchtold. „Aber die Aufholeffekte werden das aus Sicht vieler Unternehmenslenker offenbar ausgleichen, sobald sich die Volkswirtschaften wieder öffnen.“

Nach Ansicht Berchtolds wird auch ein Umdenken bei Deals zu sehen sein: „Wir beobachten, dass die meisten Deals international in der Nähe des heimischen Marktes oder direkt im eigenen Markt getätigt werden. Und auch Wertschöpfungsketten werden zunehmend unter dem Aspekt regionaler Nähe optimiert – was eine weitere Lehre aus der Pandemie ist. Die Europäische Union mit ihren eng miteinander verwobenen Volkswirtschaften wird davon profitieren.“

Voraussetzung sei aber, dass die Länder die Pandemie schnell durch Impfkampagnen in den Griff bekommen und die Einschränkungen für Leben und Wirtschaft zurückgenommen werden können. Das spiegle sich in den Sorgen der internationalen Konzerne wider: 29 Prozent sehen das größte Risiko für ihre Geschäftsentwicklung darin, dass die Pandemie andauert.

 

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