03. Mrz 2021   Bildung & Uni Tools

So will die TU Graz bis 2030 klimaneutral werden

TU Graz ©Lunghammer

Klimaschutz. Bis zum Jahr 2030 will die TU Graz klimaneutral werden. Zu diesem Zweck kommt viel neue Technik – aber auch eine Halbierung der Mitarbeiter-Flugreisen.

Die TU Graz hat ihre Pläne für den Weg zur Klimaneutralität präsentiert: Für das Erreichen der im Regierungsprogramm verankerten „Klimaneutralität in Österreich bis 2040“ wird die TU Graz unter dem Titel „Klimaneutrale TU Graz 2030“ rund 11 Millionen Euro investieren und mehrere, strukturelle Veränderungen vornehmen. Die Strategie wurde jetzt im Beisein von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler und Forschungs-Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl vorgestellt.

Die Grundlage für die Roadmap bildet eine Treibhausgasbilanz (THG) der TU Graz, von der universitären Infrastruktur bis hin zum Mobilitätsverhalten aller Mitarbeiter. Demnach betrugen die Gesamtemissionen der TU Graz für das Jahr 2017 knapp 22.000 tCO2-Äquivalente.

Diese teilen sich auf auf die Bereiche:

  • Strom mit knapp unter 8.000 tCO2e,
  • Dienstreisen mit etwa 5.100 tCO2e,
  • geplante Neubauten mit 5.000 tCO2e und
  • Wärmeversorgung mit rund 4.000 tCO2e pro Jahr.

Reduktionsmaßnahmen bis 2030

Diese THG-Emissionen möchte die TU Graz innerhalb der nächsten Dekade drastisch reduzieren und bis 2030 neutralisieren, so Rektor Harald Kainz.

  • Im Energiemanagement will die TU Graz auf Energieeinsparungen durch Effizienzsteigerung und auf die Produktion von grüner Energie setzen. So ist geplant, Dachflächen am Campus Inffeldgasse im großen Stil mit Photovoltaik-Anlagen auszustatten und die Beteiligung an externen PV-Anlagen und Windparks wird derzeit geprüft.
  • Zudem will die TU Graz schrittweise und ab 2025 ausschließlich Strom aus 100 Prozent zertifizierten erneuerbaren und regionalen Quellen beziehen.
  • Bei Neubauten kommen Wärmepumpen und Erdwärmespeicher zum Einsatz und die Abwärme-Nutzung etwa von Großrechenanlagen wird optimiert.

Allein mit diesen Maßnahmen kommt die TU Graz laut Berechnungen auf eine Emissions-Reduktion von rund 12.000 tCO2e pro Jahr. Bei Neubauten setzt die TU Graz zusammen mit der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) auf die klimaoptimierte Errichtung nachhaltiger Universitätsgebäude auf Basis des Positionspapiers der Allianz Nachhaltige Universitäten.

Dieses sieht konkret von Beginn universitärer Bauprojekte an die Integration von Nachhaltigkeit und Klimaneutralität ebenso vor, wie eine Lebenszyklusbetrachtung, oder die klimaoptimierende Sanierung des Bestandes. Begrünungsmaßnahmen an allen Campus-Standorten der TU Graz sind ebenfalls Teil der Planungen.

Fahrrad-Verkehr wird weiter forciert

Das Mobilitätsmanagement der TU Graz, das auf der Förderung des Radverkehrs fußt, soll weiter forciert werden. Die Fahrradaktion der TU Graz wird künftig auf die Förderung von E-Bikes ausgeweitet, der Ausbau des Radwegenetzes rund um den Campus gemeinsam mit der Stadt Graz vorangetrieben und zusätzliche überdachte Fahrradabstellanlagen an allen Campus-Standorten errichtet.

Für Elektroautos werden rund 200 E-Ladestationen am Campus errichtet und das E-Carsharing-Angebot weiter ausgebaut. Die Nutzung des öffentlichen Verkehrs durch TU Graz-Mitarbeiter wird ab 2022 zusätzlich gefördert.

Parkberechtigungen für die drei Campus-Standorte werden künftig nach strikteren Vorgaben vergeben und für das Parken fossil betriebener Kraftfahrzeuge wird ein Klimaschutzbeitrag eingehoben. Mit diesen Maßnahmen im Mobilitätsmanagement erzielt die TU Graz laut Berechnungen Einsparungen von rund 1.200 tCO2e pro Jahr.

Dienstreisen werden reduziert

Nach dem Motto „Stay Grounded – Keep Connected“ will die TU Graz die Zahl der Dienstreisen reduzieren. Über ein eigenes Monitoring-Tool werden Mitarbeiter ihre persönliche CO2-Bilanz abrufen können und dort, wo es sinnvoll und möglich ist, sollen Videokonferenzen Dienstreisen ersetzen.

Die Nutzung von Fernbussen, Bahn und Nachtzügen wird gegenüber Kurz- und Mittelstreckenflügen gefördert und ein Klimaschutzbeitrag auf Flugreisen eingeführt. Ziel ist es, die CO2-Emissionen, die durch Flugreisen von Mitarbeitenden der TU Graz bei Dienstreisen entstehen, um 50 Prozent zu reduzieren und 3.700 tCO2e pro Jahr einzusparen.

Kompensation für nicht vermeidbare Emissionen

Übrig bleiben laut Berechnungen rund ein Drittel bzw. 8.000 tCO2e pro Jahr an nicht vermeidbaren THG-Emissionen. Dafür sieht die TU Graz Kompensationsmodelle vor. Diese reichen von Anschubfinanzierungen für emissionsmindernde Forschungsprojekte bis Projekte zur CO2-Bindung aus der Atmosphäre.

Im alle TU Graz-Forschungsdisziplinen umfassenden Field of Expertise „Sustainable Systems“ erforsche die TU Graz interdisziplinär nachhaltige Lösungsansätze. Zusätzlich werden auch zwei neue Research Center geschaffen, die sich der Emissionsminderung in den Branchen Mobilität und Bau widmen.

„Unsere langjährige Expertise in der Wasserstoffforschung – Stichwort HyCentA – führen wir nun gemeinsam mit der Industrie zu einem eigenen Research Center Wasserstoff zusammen und schaffen einen europaweit sichtbaren Hotspot. Denselben Ansatz verfolgen wir im Research Center ‚Nachhaltiges Bauen und Klimaschutztechnologien‘, wo wir uns transdisziplinär der Optimierung der Nachhaltigkeit gebauter Umwelt widmen“, so Horst Bischof, Vizerektor für Forschung der TU Graz.

Insgesamt liefen an der TU Graz im Jahr 2020 83 nationale und internationale Forschungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von ca. 13 Millionen Euro, die sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigen.

 

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