05. Mrz 2021   Business Recht Steuer

Chinas Firmenkäufe in Europa sinken auf 8-Jahres-Tief

Eva-Maria Berchtold ©EY / Point of View

Pandemie und Strategie. Die Corona-Pandemie bremste im vergangenen Jahr die Einkaufstour chinesischer Unternehmen in Europa erheblich, so eine EY-Untersuchung.

  • Konkret sank die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen mit chinesischen Akteuren in Europa 2020 um 28 Prozent auf 132.
  • Das Transaktionsvolumen ging sogar um 91 Prozent von 17,2 auf 1,5 Milliarden US-Dollar zurück.
  • Nachdem es 2019 erstmals seit 2010 keine chinesische Übernahme in Österreich gab, hielten sich die Investoren aus China auch 2020 zurück: Es gab nur eine Übernahme, nämlich den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der oberösterreichischen VDS Holding durch Weichai Power. Zum Vergleich: 2018 haben chinesische Investoren drei Unternehmen in Österreich übernommen, 2017 sogar fünf.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, die M&A-Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa untersucht.

So wirkt die Corona-Krise

„Die Pandemie hat den Transaktionsmarkt spürbar beeinträchtigt: Viele Transaktionen wurden verzögert, teilweise lag der M&A-Markt sogar komplett auf Eis. Auch chinesische Investoren waren deutlich weniger aktiv als in den Vorjahren“, sagt Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin der Strategie- und Transaktionsberatung (Strategy and Transactions) bei EY Österreich.

Erst ab Herbst 2020 wagten sich Interessenten wieder verstärkt an neue Deals heran, heißt es weiter: Die Zurückhaltung im vergangenen Jahr ergab sich zum Teil aus den Eindämmungsmaßnahmen in Europa, zum Teil aber auch daraus, dass das operative Geschäft vieler potenzieller chinesischer Investoren selbst durch die Folgen der Pandemie beeinträchtigt wurde: Einige chinesische Unternehmen, die in der Vergangenheit in Europa Zukäufe getätigt hatten, waren mit pandemiebedingten Umsatzeinbrüchen bei ihren europäischen Gesellschaften konfrontiert. Statt neue Unternehmen zu akquirieren, kämpften sie wie viele andere Unternehmen in Europa mit erheblichen Herausforderungen, denen sie u.a. mit Restrukturierungen begegneten.

Auch Unsicherheiten in Bezug auf die Geschäftsaussichten der Zielunternehmen bremsten den Transaktionsmarkt. Zudem gab es aufgrund der Reisebeschränkungen und Lockdown-Maßnahmen ganz konkrete und praktische Probleme bei der Deal-Anbahnung und -Durchführung.

Die großen Transaktionen bleiben aus

Gerade große Transaktionen waren im vergangenen Jahr Mangelware, was auch den starken Rückgang der Investitionssummen erklärt, so Berchtold: „2020 gab es viele kleine Deals. Aber vor größeren Investitionen schreckten die Unternehmen angesichts der erheblichen Risiken zurück. Ebenfalls dämpfend wirkten sich die hohen Hürden für ausländische Beteiligungen gerade in bestimmten kritischen Branchen sowie die zunehmende Konkurrenz durch kapitalstarke Finanzinvestoren aus.“

Nach wie vor sieht Yi Sun, Partnerin und Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY, aber ein großes Interesse chinesischer Unternehmen an einem verstärkten Engagement in Europa. Daran hätten weder der zunehmende politische Widerstand noch die Pandemie etwas geändert, so Sun: „Chinesische Unternehmen kaufen vorrangig in den klassischen Industriebranchen Maschinenbau und Automobil zu, aber auch Biotechnologie und Medizintechnik stehen bei chinesischen Investoren derzeit hoch im Kurs.“

Man beobachte auch, dass derzeit mehr chinesische Private Equity-Unternehmen in Europa unterwegs sind. Teilweise bilden sie mit einem europäischen Private Equity-Haus ein Investitionskonsortium, um die Dealsourcing-Möglichkeit zu verstärken.

Deutschland trotz Rückgangs weiterhin Top-Ziel in Europa

Wie in den Vorjahren lag der Fokus chinesischer Investoren auf Industrieunternehmen: Insgesamt 36 Transaktionen entfielen europaweit auf Industriebranchen. An zweiter Stelle folgen Konsumgüterhersteller (22 Deals), High-Tech-Firmen (20 Deals) und Unternehmen aus der Gesundheitsbranche (16 Deals).

Mit 28 Transaktionen wurden die meisten Transaktionen in Deutschland gezählt – vor Großbritannien (21 Deals), Frankreich (17) und Schweden (9). In Großbritannien und Frankreich war jeweils ein Rückgang der Transaktionsaktivitäten zu verzeichnen, während die Zahl der Deals in Schweden auf dem Niveau des Vorjahres lag.

Die wichtigsten China-Übernahmen 2020

  1. Die europaweit größte Investition war im vergangenen Jahr die Übernahme des schwedischen Elektroautoherstellers National Electric Vehicle Sweden AB (NEVS) durch die Evergrande Group mit einem Volumen von 380 Millionen US-Dollar.
  2. Die zweitgrößte Transaktion war die 240-Millionen-US-Dollar-Finanzspritze für den Münchner Flugtaxi-Entwickler Lilium, die von der chinesischen Tencent Gruppe angeführt wurde.
  3. Auf dem dritten Platz folgt der Einstieg der China Communications Construction Group beim portugiesischen Baukonzern Mota Engil für gut 200 Millionen US-Dollar.

Zwei der Top-10-Deals haben einen direkten Bezug zur Corona-Pandemie:

  • Für 184 Millionen US-Dollar kaufte das chinesische Pharmaunternehmen WuXi Biologics der Bayer AG eine Anlage zur Herstellung von Impfstoffen gegen Covid-19 ab.
  • Und für 50 Millionen US-Dollar erwarb der chinesische Pharmakonzern Fosun Pharma einen Minderheitsanteil am Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech.

 

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