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Anwältinnen: Kanzleien & Klienten müssen umdenken

Sophie Martinetz, Susanne Mortimore ©Future-Law

Event. Das virtuelle Networking Frühstück von Women in Law, Lexis Nexis und Future-Law beleuchtete aktuelle Gleichstellungsthemen in der Rechtsbranche.

Am 4. März 2021 fand das virtuelle Networking Frühstück von Women in Law in Kooperation mit Lexis Nexis und Future-Law statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, welche Strukturen notwendig sind, um mehr Frauen in Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen zu bringen.

Am virtuellen Panel waren Rechtsanwältin Bettina Knötzl (Vizepräsidentin der Wiener Rechtsanwaltskammer), Rechtsanwältin Nadja Holzer (HSP Rechtsanwälte), Luciano Duque-Cordero (Legal Counsel Bank Austria), Caroline Weerkamp (Women in Law), Rechtsanwältin Christina Kober (kpk Rechtsanwälte) und Lexis Nexis-Geschäftsführerin Susanne Mortimore. Moderiert wurde die Diskussion von Sophie Martinetz (Future-Law).

„Männer sollen Teil der Lösung werden“

“Um nachhaltige Veränderungen zu erwirken, die auch Anwältinnen langfristige berufliche Perspektiven in Anwaltskanzleien ermöglichen, ist nicht zuletzt die Mandantschaft gefordert. Und nachdem Männer Teil des Problems sind, müssen sie auch Teil der Lösung sein“, meinte Luciano Duque-Cordero.

Die Branche müsse sich von dem Gedanken verabschieden, Anwesenheit mit Produktivität gleichzusetzen: „Stattdessen sollten insbesondere Kanzleien Menschen mit Familie ermöglichen, ihre Arbeitsstrukturen an ihr Familienleben anzupassen, ohne Flexibilität mit weniger oder schlechterer Tätigkeit zu verwechseln“, so Caroline Weerkamp.

Gerade für Frauen kollidiere die Karriereplanung in einer Rechtsanwaltskanzlei oftmals mit der eigenen Familienplanung. „Im Regelfall geht die Eintragung als Rechtsanwältin mit der Selbstständigkeit einher. Ein Berufsweg der von vielen Frauen, aber auch Männern, aufgrund der finanziellen Risiken und fehlender Absicherung im Karenzzeitraum abgelehnt wird“, so Nadja Holzer.

Um ein attraktives Berufsbild für die kommende Generation und vor allem auch Frauen zu schaffen, gleichzeitig aber Qualitätsmerkmale des Standes der „selbstständigen Rechtsanwälte“ nicht aufzuweichen, sei es „möglicherweise an der Zeit, ein neues Berufsbild zu schaffen, das beiden Anforderungen gerecht werden kann“, so Holzer.

Umfrage ortet Wunsch nach Umdenken

Im Anschluss wurde eine von Women in Law durchgeführte Umfrage präsentiert. Diese widmete sich der Frage, ob COVID-19 zur Gleichstellung beigetragen oder sich ihr in den Weg gestellt hat.

Das Fazit: Knapp 60 Prozent der 82 Umfrageteilnehmerinnen gaben an, dass die Karrierechancen für Frauen unverändert durch Corona sind. 17 Prozent waren der Meinung, dass diese gesunken sind.

Allerdings hat sich ein deutlicher Trend in Richtung Home Office herauskristallisiert: „Der allgemeine Wunsch ist mehr als eindeutig. Es braucht eine flächendeckende Akzeptanz dahingehend, dass weniger physische Anwesenheit nicht gleichbedeutend ist mit weniger Potenzial bzw. Beitrag für die Kanzlei“, so Sophie Martinetz über die Ergebnisse der Umfrage.

 

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