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Lernsieg sammelt Spenden für Gerichts- und Anwaltskosten

Benjamin Hadrigan ©Katharina Wocelka / Lernsieg

Wien. Die Lehrerbewertungs-App Lernsieg startet eine Spendenkampagne: Damit sollen die erheblichen Kosten von zahlreichen Lehrer-Klagen abgefangen werden.

Auf rund 400.000 registrierte User und fast eine Million Bewertungen bringt es Lehrerbewertungs-App Lernsieg bereits, so Gründer Benjamin Hadrigan: Damit sei bewiesen, dass mit der App etwas gelungen ist, das im heimischen Bildungssystem gefehlt hat.

Konkret soll Lernsieg als digitales Tool für Transparenz und mehr Demokratie an den Schulen sorgen und eine faire Feedbackkultur ermöglichen, so Hadrigan. Immerhin lassen sich heutzutage Gastronomen, körpernahe Dienstleister oder Arbeitgeber ebenso bewerten wie Fluglinien, Hotels oder öffentliche Institutionen.

Die Lehrer sehen es anders

Nicht Hadrigans Meinung ist die Lehrergewerkschaft, die sich schon häufig gegen die App ausgesprochen hat. Was rechtliche Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes betrifft, hat Hadrigan zwar bereits einige Etappensiege für sich verbucht. So hat die österreichische Datenschutzbehörde DSB die App geprüft und als unbedenklich eingestuft. Dabei wurde aber auch klar, das typische Möglichkeiten der Monetarisierung wie das Sammeln von Schülerdaten vermutlich die DSB auf den Plan rufen würden. Lernsieg ist grundsätzlich auf Gewinnerzielung ausgerichtet, arbeitet aber noch an dem Geschäftsmodell.

Auch eine Klage der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) – konkret eines Lehrers aus Niederösterreich – wurde vor Kurzem vor Gericht abgewiesen: Das Gericht sah ein „berechtigtes Interesse von Schülern, Eltern und Öffentlichkeit“ an der fairen und transparenten Bewertung von Lehrpersonal und Bildungseinrichtungen. Bei der Klage war Lernsieg von Preslmayr Rechtsanwälte vertreten worden. Die Kanzlei (konkret Partner und Datenschutz-Spezialist Christian Kern) hatte die Vertretung von Lernsieg im April 2020 übernommen.

Zuvor hatte u.a. Wirtschaftskanzlei Dorda die hinter Lernsieg stehende Mobile Media GmbH in datenschutzrechtlichen Fragen rund um die Zulässigkeit der App beraten. Das Team bei Dorda bestand damals aus Managing Partner Axel Anderl (Leiter der Praxisgruppe IP/IT/Datenschutz), Rechtsanwalt Nino Tlapak und Rechtsanwaltsanwärterin Alona Klammer.

Insgesamt 35 Klagen eingebracht

Inzwischen sind laut Lernsieg auf Initiative der GÖD allerdings bereits 35 Klagen nach der EU-Datenschutzgrundverordnung gegen die App eingebracht worden. Davon habe man 18 bereits für sich entscheiden können. Parallel habe die Lehrergewerkschaft auch den Gründer geklagt, um den finanziellen Druck zu erhöhen.

„Mit unzähligen Klagen will uns die Gewerkschaft finanziell ruinieren und mundtot machen. Für ein junges Start-up sind die Gerichts- und Anwaltskosten ein kaum zu stemmender Brocken. Wenn wir jetzt nicht Hilfe bekommen, gelingt es der Gewerkschaft, Demokratie und Transparenz im Schulsystem mundtot zu machen“, so Hadrigan: „Die Qualität und Bedeutung des Bildungssystems wurden noch nie so intensiv diskutiert wie jetzt. Faire Bewertungen sind ein Schritt, um das System besser und zukunftsfähig zu machen.“ Um die Gerichts- und Anwaltskosten zu finanzieren, hat man nun eine Spendenkampagne gestartet.

 

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