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Business, Recht, Tools, Veranstaltung

Der Spagat zwischen Datenschutz und Werbefinanzierung

©ejn

Diskussionsrunde. Verbote von Cookies und anderen Targeting-Technologien werden derzeit auf EU-Ebene diskutiert. Das jüngste ISPA Forum widmete sich dem Thema.

„Bei der Planung unserer Veranstaltung hatten wir keine Ahnung, wie punktgenau wir mit unserem Thema sein werden, nämlich der Frage, ob das Ende personalisierter Werbung kommt. Schließlich ist in den Medien aktuell viel zu lesen zum Thema Cookies und anderen Trackingmethoden“, so ISPA-Präsident Harald Kapper bei seiner Begrüßung zum ISPA Forum 2021, welches unlängst als Online-Veranstaltung abgehalten wurde.

Auf EU-Ebene wird rund um den Digital Services Act (DSA), den Digital Markets Act (DMA) und die E-Privacy-Verordnung zurzeit der Einsatz von Targeting-Technologien hinterfragt und diskutiert.

Damit rüttelt die EU am Geschäftsmodell der personalisierten Werbung. Mit Max Schrems (None of Your Business), Christoph Tagger (Factor Eleven), Veronika Treitl (WU Wien) und Tiemo Wölken (Abgeordneter zum Europaparlament) lud die ISPA Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft, Medien sowie Politik und Interessenvertretung zu einem Meinungsaustausch.

Nach kurzen Inputs von Tagger und Treitl zu den Fragen, was ein Cookie eigentlich genau macht und wie der Status quo der Regulierung von Cookies und personalisierter Werbung auf EU-Ebene ist, entwickelte sich eine lebhafte Diskussion unter Einbeziehung von Fragen aus dem virtuell zugeschalteten Publikum.

Treitl legte zu Beginn nahe, die Frage, ob eine Kommerzialisierung von persönlichen Daten auf jeden Fall verboten oder jedenfalls erlaubt sein soll, nicht mit rein datenschutzrechtlichen Scheuklappen zu betrachten. Sie beschrieb das grundrechtliche Spannungsverhältnis zwischen Datenschutz und unternehmerischer Freiheit mit der Datenverarbeitung als Zankapfel in der Mitte.

„Schattenkopien unseres Selbst“

Wölken beschrieb den Entscheidungsprozess im Europäischen Parlament, als erstes Parlament weltweit für ein generelles Verbot personalisierter Werbung einzutreten. Aus seiner Sicht werden beim Sammeln von Daten Schattenkopien unseres Selbst angelegt. Dies führe dazu, dass Unternehmen unsere Interessen bis ins kleinste Detail kennen und wir letztendlich dadurch manipuliert werden, auch durch die Verbreitung von Desinformation.

Dies wolle man nun durch DSA und DMA verhindern. Die Ausgestaltung von Cookie-Bannern beschäftigt auch None of Your Business. „Wir wollen die Einwilligung von Userinnen und Usern und damit die Aufgabe des Grundrechts wieder in eine relativ geordnete Bahn bringen“, so Schrems.

„Bei diesem Thema kommen rechtliche, wirtschaftliche und technische Fragen zusammen und in der breiten Bevölkerung ist wenig darüber bekannt“, so Tagger. Er führte ins Feld, dass eine Einschränkung der Werbemöglichkeiten auch den Erfolg der werbenden Unternehmen schmälern werde. Er stellte die grundsätzliche gesellschaftliche Frage, wie man jetzt werbefinanzierte Inhalte auch anders finanzieren könnte.

Einigkeit herrschte darüber, dass die Diskussion über die Entwicklung von „Trackingtechnologien, welche nach wie vor gute Ergebnisse erzielen, ohne dabei einzelne Menschen zu verfolgen“, in nächster Zeit weiter Fahrt aufnehmen wird.

Unterschiedliche Prognosen

Gefragt nach einem Ausblick, welche Situation wir 2030 vorfinden und ob Third Party Cookies dann verboten sein werden, gingen die Prognosen weit auseinander. „Ich würde mir wünschen, es gäbe sie nicht mehr“, positionierte sich Europaparlamentarier Wölken. „Als Aktivist bin ich auch Optimist. Wir werden 2030 intelligentere Lösungen haben“, so Schrems.

Treitl prophezeite „neue Geschäftsmodelle, aber die gleichen Fragen. Wir könnten uns dann eigentlich wieder zusammenfinden“. Tagger spannte in seinem Ausblick den Bogen zur wirtschaftlichen Pandemiebewältigung: „Der Bedarf nach wirksamer Werbung wird steigen und möglicherweise auch der Anteil personalisierter Werbung. Wir werden einen Kompromiss finden müssen.“

Der komplette Mitschnitt des jüngsten ISPA Forums wurde auf dem YouTube-Kanal der ISPA veröffentlicht.

 

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