01. Jun 2021   Business Recht Steuer

7 einfache Tipps gegen Korruption in der eigenen Firma

Martin Fridl ©Quality Austria / Lukas Erhart

Compliance. Quality Austria-Jurist Martin Fridl erklärt, welche einfachen Präventionsmaßnahmen Unternehmen gegen Korruption ergreifen können.

Als Auditor und Netzwerkpartner der Quality Austria inspiziert Fridl Unternehmen mit Managementsystemen nach der ISO 37001 und verfolgt dabei einen systemischen Ansatz: „Die ISO 37001 ist ein international anerkanntes Instrument zur Vorbeugung und Bekämpfung von Korruption. Wir rechnen damit, dass die Nachfrage nach akkreditierten Zertifizierungen für diese Norm weiter zunehmen wird, weil dadurch die Reputation gegenüber den Kunden, Geschäftspartnern und der Öffentlichkeit steigt“, so Fridl.

Die Tipps gegen Korruption im eigenen Unternehmen

Laut dem Juristen können Unternehmen schon mit ein paar einfachen Verhaltensregeln sehr viel erreichen:

1. Check für neue Manager vor der Einstellung

Mitarbeiter, die eine hohe Entscheidungsbefugnis bzw. große Budgetverantwortung haben, sollten laut Fridl bereits vor der Einstellung einer Due-Diligence-Prüfung unterzogen werden. Als Quellen für diese präventive Maßnahme können beispielsweise Strafregisterauszüge, Black-Lists, Medienberichte oder auch Recherchen im Internet dienen. Zudem sollen die Compliance-Kenntnisse der angehenden Manager erhoben werden.

2. Einrichtung einer weisungsfreien Antikorruptionsstelle

Unternehmen müssen laut dem Juristen bereits vor dem Auftauchen von Vorwürfen gewappnet sein. Für ISO 37001 zertifizierte Unternehmen sei die Einrichtung einer Antikorruptionsstelle sogar Pflicht: „Damit betraut werden sollte eine weisungsungebundene Person mit direktem Draht zur obersten operativen Management-Ebene und zum Aufsichtsratsgremium. Als Auditor teste ich regelmäßig, ob das in der Praxis funktioniert“, so Fridl.

3. Umsetzung der EU-Whistleblower-Richtlinie

Bis 17. Dezember 2021 muss Österreich eine neue Whistleblower-Richtlinie der EU in nationales Recht umsetzen. Spätestens dann sind nicht nur öffentliche Stellen, sondern auch Privatbetriebe – konkret juristische Personen wie etwa GmbHs und Aktiengesellschaften – ab 50 Mitarbeitern dazu verpflichtet, einen internen Meldeprozess einzuführen.

Dieser Meldeprozess soll nicht nur internen, sondern auch externen Personen die Meldung bestimmter Verstöße auf vertraulichem Weg ermöglichen, z. B. durch einen internen Briefkasten oder einer Online-Plattform.

4. Risikoabschätzung bei Aufträgen und Geschäftspartnern

„Besondere Vorsicht in Bezug auf die Auswahl der Geschäftspartner sollten jene Unternehmen walten lassen, die pro Jahr nur relativ wenige Aufträge – dafür aber mit hohem Volumen – abwickeln“, so der Jurist. Je nach Risikoeinschätzung kann eine Due Diligence bei Beratern, Lieferanten, Joint Ventures oder auch Arbeitsgemeinschaften angebracht sein.

In Frage kommen beispielsweise die Einholung von Bonitätsauskünften bei Kreditschutzverbänden, die Erhebung von früheren Verstößen gegen Sozialversicherungs-Anmeldepflichten bei Subfirmen oder auch die Betrachtung des Firmengeflechts von potenziellen Geschäftspartnern, so Fridl.

5. Beurteilung von Länderrisiken

„Geschäfte mit regierungsnahen Personen im In- und Ausland sind besonders heikel. Aber auch bei Transaktionen mit Unternehmen, die ihren Sitz in besonders korruptionsanfälligen Ländern haben, ist erhöhte Vorsicht geboten. Der Korruptionswahrnehmungsindex CPI bietet eine gute Orientierungshilfe bei der Beurteilung von Länderrisiken, um ausgehend davon angemessene Vorkehrungen zu treffen“, so der Jurist.

6. Vermeidung von Bargeldtransaktionen

„Ein wirksames Instrument gegen unsaubere Geschäfte ist das Thema Bargeldabschaffung in den Unternehmen. Denn je mehr Schritte man auf Konten nachvollziehen kann, desto schwieriger wird Korruption“, so Fridl. Allerdings gebe es auch Schlupflöcher, indem beispielsweise Rechnungen gestellt werden könnten, obwohl keine Leistung erbracht wurde.

7. Aufgabentrennung und Vieraugenprinzip

„Die Trennung von Aufgaben ist im Zuge der finanziellen Steuerung enorm wichtig. Ein Einkäufer sollte daher nicht in Personalunion auch für die Überprüfung der Leistungen und Rechnungen zuständig sein. Zugleich braucht es bei der Genehmigung von Zahlungen ein Vieraugenprinzip“, erläutert Fridl.

Je nach Höhe der Transaktionen sollte zudem die Genehmigung durch eine entsprechend höhere Management-Ebene vorgeschrieben sein. Eine vorab definierte Liste, wer was genehmigen darf, könne für klare Strukturen sorgen.

 

    Weitere Meldungen:

  1. Wirecard-Aufdecker Pav Gill am Compliance Solutions Day
  2. Compliance Praxis: Post-Chef Pölzl über Millionenstrafe
  3. Kritik an Geldflüssen der Pharmaindustrie an Ärzte
  4. 69% aller Mitarbeiter sehen sich als Whistleblower