TU Wien und Symptoma gewinnen Houskapreis 2021

Mariella Schurz, Herbert Ortner, Jama Nateqi, Golta Khatibi, Erich Hampel ©Alexander Müller

Größter privater Forschungspreis. Der Houskapreis der B&C Privatstiftung ist vergeben: TU Wien, TU Graz, Boku sowie die Unternehmen Symptoma, Virtual Vehicle Research u.a. räumen ab. Im nächsten Jahr gibt es eine Neuerung.

Mit einer Dotierung von 500.000 Euro gilt der Houskapreis als größter privater Preis für anwendungsnahe Forschung in Österreich. Vor rund 220 Gästen aus Wirtschaft und Forschung prämierte die B&C Privatstiftung am 23. September 2021 im Rahmen einer festlichen Preisverleihung Österreichs beste Forschungsprojekte.

Aus insgesamt 61 Einreichungen wurden dabei laut B&C die Gewinnerprojekte für den 1. und 2. Platz in den Kategorien „Hochschulforschung“ und „Forschung & Entwicklung in KMU“ in einem zweistufigen Verfahren von Fachgremien gewählt. Den 3. Platz, den Publikumspreis, bestimmte die Öffentlichkeit im Vorfeld mittels eines Online-Votings. Gastrednerin des „Houska-Talks“ war Sigrid Stagl, Professorin für Umweltökonomie und Umweltpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien, zum Thema „Wie funktioniert ökologische Ökonomie?“.

1. Platz Hochschulforschung: TU Wien für „Hochzuverlässige Leistungselektronik“

Aus den fünf nominierten Einreichungen in der Kategorie „Hochschulforschung“ ging der mit 150.000 Euro dotierte erste Platz an Golta Khatibi, Professorin am Institut für Chemische Technologien und Analytik der Technischen Universität Wien, für ihr Forschungsprojekt „Hochzuverlässige Leistungselektronik“.

Khatibi und ihr Team entwickelten ein patentiertes Prüfverfahren, mit dem die Belastbarkeit von mikroelektronischen Bauteilen materialwissenschaftlich analysiert werden kann. Mithilfe dieses Testverfahrens können Mikrochips und Halbleiter mit höherer Lebensdauer in kürzerer Zeit entwickelt werden, so die Laudatio.

Khatibi zu dieser Auszeichnung: „Für mich ist der Houskapreis eine große Anerkennung für unsere jahrelange Entwicklungsarbeit des materialwissenschaftlichen Prüfsystems, das nun schließlich in der Halbleiterindustrie konkret eingesetzt wird. Mikroelektronik ist die Grundlage für viele Hightech-Anwendungen, wie etwa in der Automobil- oder Industrieelektronik. Damit können wir die Zuverlässigkeit und Haltbarkeit von Leistungselektronik verbessern und in weiterer Folge auch den Ausschuss oder Abfall reduzieren.“

1. Platz F&E in KMU: Symptoma mit dem digitalen Gesundheitsassistenten

In der Kategorie „Forschung & Entwicklung in KMU“ waren ebenfalls fünf Projekte nominiert. Hier konnte das oberösterreichische Unternehmen Symptoma GmbH mit der gleichnamigen eHealth-Lösung „Symptoma“ den Fachbeirat sowie die Jury überzeugen und das Preisgeld in der Höhe von 150.000 Euro gewinnen.

Jama Nateqi, Gründer und Entwickler des digitalen Gesundheitsassistenten: „Unsere Vision ist, dass jede Patientin und jeder Patient die richtige Diagnose und Behandlung erhalten. Symptoma soll dabei helfen, mögliche Ursachen für Beschwerden zu finden. Das ist uns gelungen, denn die Treffgenauigkeit ist sehr hoch und darauf sind wir besonders stolz. “

Der bereits mehrfach ausgezeichnete Mediziner Jama Nateqi entwickelte mit seinem Team in jahrelanger Forschungsarbeit einen Symptom-Checker, der mittels künstlicher Intelligenz Krankheitssymptomen auf den Grund geht. Das Herzstück bildet eine Krankheitsdatenbank, die ständig erweitert wird und mittlerweile weltweit die größte sei. Symptoma ist in 36 Sprachen verfügbar und mit zehn Millionen Nutzenden der meistverwendete Symptom-Checker.

2. Platz für TU Graz und steirisches Unternehmen Virtual Vehicle Research

Der zweite Platz des Houskapreises 2021 mit einem Preisgeld in Höhe von 60.000 Euro ging in beiden Kategorien in die Steiermark: Christian Witz vom Institut für Prozess- und Partikeltechnik an der Technischen Universität Graz überzeugte in der Kategorie „Hochschulforschung“ mit dem Projekt „Simulation von (Bio-)Reaktoren“, einer Simulationstechnologie für Biopharmazeutika. In der Kategorie „Forschung & Entwicklung in KMU“ konnte das Team um Christian Schwarzl vom Grazer Unternehmen Virtual Vehicle Research mit dem mobilen Testroboter „Spider“ für Fahrzeugentwicklung den zweiten Platz für sich entscheiden.

Publikumspreis für BOKU Wien und das Grazer Unternehmen EET-Efficient Energy Technology

Der Publikumspreis mit einem Preisgeld in Höhe von jeweils 20.000 Euro wurde auch heuer im Vorfeld mittels eines Online-Votings von der Öffentlichkeit entschieden. In der Kategorie „Hochschulforschung“ ging der dritte Platz an Miriam Klausberger und Mark Dürkop vom Department für Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur Wien, die gemeinsam mit einem universitäten- und firmenübergreifenden Konsortium einen zuverlässigen SARS-CoV-2-Antikörpertest entwickelt haben. In der Kategorie „Forschung & Entwicklung in KMU“ konnte EET Efficient Energy Technology GmbH aus Graz unter der Leitung von Christoph Grimmer mit „SolMate, Photovoltaik für jedes Zuhause“ das Publikum überzeugen.

Die übrigen zehn nominierten Projektteams erhalten für ihre Forschungsarbeiten ein Preisgeld in Höhe von je 10.000 Euro, heißt es weiter.

Die Statements

  • Erich Hampel, Vorstandsvorsitzender der B&C Privatstiftung: „Ein lebendiger und zukunftsfähiger Wirtschaftsstandort braucht Innovationen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den hohen Lebensstandard zu halten. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche sind für kleine Volkswirtschaften wie Österreich hohe Innovationskraft und Leuchtturmprojekte mit Zugkraft essenziell, die unsere Wirtschaft voranbringen. Die diesjährigen Siegerprojekte sind solche Leuchttürme und ich gratuliere den Gewinnerinnen und Gewinnern des Houskapreises sehr herzlich.“
  • Mariella Schurz, Generalsekretärin der B&C Privatstiftung: „Österreich gilt als forschungsintensives Land, ausschlaggebend ist aber der Innovations-Output. An dieser Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Innovation setzen wir mit dem Houskapreis an und fördern gezielt anwendungsnahe Forschung. Ich freue mich sehr, dass wir die Preisverleihung wieder in einem festlichen Rahmen vornehmen und somit den Forschenden, die oftmals im Verborgenen arbeiten, eine würdige Bühne bieten konnten.“

Umweltökonomin Sigrid Stagl im Houska-Talk

Sigrid Stagl, Professorin für Umweltökonomie und Umweltpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien, widmete sich in ihrer Keynote den Wechselwirkungen von Ökologie und Ökonomie und beleuchtete eine ganze Reihe von Mythen in diesem Zusammenhang. Denn: „Es braucht einen Perspektivenwechsel. Weg vom Ausreden erfinden, hin zum Anpacken von Dingen. Das anzupacken, wozu sich Österreich 2016 verpflichtet hat: zur Erreichung der Klimaziele“, hielt Stagl fest.

Ökologisches Wirtschaften sei nicht nur möglich, sondern unumgänglich und müsse von zwei Seiten in Angriff genommen werden: „Es geht um Innovation – die ist enorm wichtig für die anstehende sozioökonomische Revolution. Es braucht aber auch Exnovation: nämlich den Ausstieg aus ökonomisch bedenklichen Technologien“, so die Expertin. Nicht alle Veränderungen müssten abrupt passieren – aber man müsse sie jetzt in Angriff nehmen. „Wir hinken derzeit bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele hinterher, wie aktuelle Berichte zeigen“, betonte Stagl im Houska-Talk. „Wir brauchen fiskalische Maßnahmen, aber auch Veränderungen in den Strukturen, die es Menschen und Unternehmen ermöglichen, nachhaltig zu agieren.“

Stagl befasst sich seit rund 30 Jahren mit den Wechselwirkungen von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Veränderungen und hat als erste Person weltweit im Jahr 1999 in Ökologischer Ökonomie promoviert.

Neu beim Houskapreis 2022: „All-Stars“

Für das nächste Jahr ruft die B&C Privatstiftung einen besonderen Preis aus: den Houskapreis 2022 „All-Stars“. Damit will man jene Projekte auszeichnen, die zwischen 2005 und 2020 schon einmal für den Houskapreis nominiert waren und seither die größte wirtschaftliche Entwicklung erreichen konnten.

Im kommenden Jahr wird auch die Preisverleihung, die pandemiebedingt in den Herbst verschoben wurde, wieder in das Frühjahr vorverlegt. Die Vergabe werde am 28. April 2022 stattfinden.

 

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