20. Okt 2021   Business Recht

Häusermarkt: Preise steigen erstmals zweistellig

Bernhard Reikersdorfer ©Re/Max / schwarz-koenig

Immobilien. Der Markt für Einfamilienhäuser ist in Österreich von „enorm“ steigenden Preisen gekennzeichnet, so der aktuelle Re/Max-Marktbericht: Plus 13,5 Prozent. 2022 soll eine Trendwende kommen.

Zu steigenden Preisen kommt Verknappung: Wie schon im ersten Halbjahr 2019 und 2020 ist der Einfamilienhausmarkt auch im Jahr 2021 spürbar rückläufig, heißt es dazu: Auf 2020 fehlen -5,1%, auf 2018 sogar -19,5%. In absoluten Zahlen wurden 4.763 Einfamilienhäuser von Jänner bis Juni 2021 für neue Eigentümer verbüchert – 2018 waren es noch um 1.156 mehr.

Damit liegt das erste Halbjahr 2021, den Verbücherungszahlen nach, hinter den Jahren 2015 bis 2020, so der Re/Max Immobilienspiegel.

Entspannung erwartet

„Das Einfamilienhaus erfreut sich in Österreich weiterhin großer Beliebtheit. Die Nachfrage hat sich pandemiebedingt nochmals verstärkt, gleichzeitig ist das Angebot im Jahresvergleich weiter deutlich zurückgegangen. Diese Kombination und das historisch niedrige Zinsniveau haben in weiten Teilen des Landes zu spürbaren Preissteigerungen geführt“, erklärt der Geschäftsführer von Re/Max Austria, Bernhard Reikersdorfer: „Für das kommende Jahr erwarten wir eine leichte Entspannung am Einfamilienhausmarkt, sowohl beim Angebot als auch beim Preis.“

Gesamtverkaufswert um eine Viertelmilliarde höher

Während vom ersten Halbjahr 2019 auf 2020 der Verkaufswert bei sinkenden Mengen (-285) um +40 Mio. Euro gestiegen ist, betrug den Re/Max-Spezialisten zufolge der Wertzuwachs von 2020 auf 2021 bei ähnlich sinkenden Mengen (-254) um +246 Mio. Euro mehr, im Fünfjahresvergleich um +44,8%. Fünf Bundesländer verzeichnen zweistellige Wachstumsraten, bundesweit sind es +15,8%, nur die Steiermark liegt hinter dem Vorjahr.

Was die Preise betrifft, so überholt Tirol im aktuellen Marktbericht Wien und Vorarlberg liegt vor Salzburg. Am billigsten sind Einfamilienhäuser dagegen im Burgenland und in der Steiermark: Fünf Häuser im Burgenland kosten so viel wie eines in Tirol, bringt es die Re/Max-Aussendung plakativ auf den Punkt.

Preissteigerung für Einfamilienhäuser erstmals zweistellig

Zu denken gibt die Preisentwicklung insgesamt, wobei die von Re/Max angegebenen Zahlen kein reiner Durchschnittspreis sind. Jedenfalls seien die Preise von 2020 auf 2021 erstmals zweistellig gestiegen. Zum Vergleich:

  • Von 2009 auf 2010 und von 2019 auf 2020 stiegen Österreichs Einfamilienhauspreise im ersten Halbjahr um rund +8%.
  • Von 2016 auf 2017 waren es rund +9%. In den anderen Jahren lag der Wertgewinn zwischen +2% und +6%.
  • Von 2020 auf 2021 jedoch erhöhten sich die Preise um +13,5% auf typischerweise 307.085 Euro.

„Typischerweise“ bedeute beim Re/Max-ImmoSpiegel, dass in einem komplexen statistischen Verfahren die billigsten und die teuersten Einfamilienhäuser weniger stark in die Berechnung einbezogen wurden, die in der Mitte der Preisrange jedoch stärker. Im Fünfjahresvergleich ergibt das einen nominalen Zuwachs von +50,4%, und somit eine durchschnittliche jährliche Preisveränderung von +7,05%.

Ursachen für den „enormen Preisanstieg“

„Bei der Preisentwicklung für Einfamilienhäuser kommen mehrere Faktoren zusammen“, so Re/Max-Research-Spezialist Anton Nenning: „Das Angebot ist zurückgegangen, weil nicht nur manche Kaufinteressenten, sondern auch manche Eigentümer ‚Grundbuch statt Sparbuch‘ bevorzugen und dann – aufgrund der Wirtschaftssituation und der Investmentmöglichkeiten – doch lieber auf Sicherheit setzen und einen ins Auge gefassten Verkaufstermin immer weiter vor sich herschieben. Die Alternative zum Hauskauf, der Hausbau ist aufgrund der stark gestiegenen Grundstückpreise und der ebenso explodierenden Hausbaupreise, für so manche außer Reichweite gerückt und das erhöht den Nachfragedruck bei den Gebrauchtimmobilien.“

In manchen Gegenden standen vor gut zehn Jahren gebrauchte Einfamilienhäuser mit Preisen über 250.000 Euro im Wettbewerb zum Neubau, diese Grenze habe sich mittlerweile auf über 350.000 Euro verschoben. Und nicht zuletzt seien die Immobilien auch nicht mehr dieselben. „Die vor zehn Jahren verkauften Häuser sind meist in den 1950er und 1960er Jahren gebaut worden. Mittlerweile liegt der Schwerpunkt bei Objekten aus den 1970er und teilweise den 1980er Jahren – wesentlich größer und deutlich aufwendiger gebaut und schon allein deswegen wesentlich mehr wert“, so Nenning.

 

    Weitere Meldungen:

  1. Immobilien: White & Case berät Banken bei Sirius-Emission
  2. CA Immo verkauft in Warschau mit Greenberg Traurig
  3. Cerha Hempel berät abrdn bei Wohnprojekt in Wien
  4. Justiz bekommt 2022 um 4,3 Prozent mehr Geld