Frauen-Karrieren in Steuerkanzleien: „EY arbeitet hart daran“

Helen Pelzmann ©Andi Bruckner

Gender. Immer mehr Frauen beginnen Karrieren in der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung. Doch auf der Top-Ebene der Partner sind sie noch rar. EY-Partnerin Helen Pelzmann spricht im Interview über Frauen-Förderprogramme bei EY und die Hoffnung auf mehr Chefinnen.

Extrajournal.Net: Wie entwickelt sich der Frauen-Anteil im Bereich Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung aus der Sicht von EY? In vielen Kanzleien machen Frauen ja schon die Mehrheit der Neueintretenden aus.

Helen Pelzmann: Wir sehen diesen Trend ebenfalls. In der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung gibt es seit mehreren Jahren eine leichte Mehrheit von Bewerberinnen. Im Bereich der Unternehmens- und Transaktionsberatung als weitere wesentliche Säulen unseres Service-Portfolios gibt es bei den Bewerbungen hingegen noch ein klares Ungleichgewicht und deutlich mehr männliche Bewerber. Das liegt sicher auch stark daran, dass in diesem Bereich immer mehr Bewerber*innen mit technischer Ausbildung gesucht werden und es gerade in den sogenannten MINT-Fächern immer noch einen klaren Überhang von Männern gibt.

Umso wichtiger ist es daher, Frauen gezielt und verstärkt für ein Studium in den MINT-Fächern zu mobilisieren. EY engagiert sich in diesem Zusammenhang beispielsweise regelmäßig im Rahmen der Initiative „Girls in ICT“ und geht gezielt an Schulen, um junge Mädchen fürs Programmieren zu begeistern.

So sollen Frauen den Aufstieg schaffen

Extrajournal.Net: Welche spezifischen Programme zur Förderung von Frauen gibt es bei EY?

Pelzmann: Wir haben unter dem Namen „Female Leadership Journey“ international ein mehrstufiges Programm entwickelt, um gezielt Frauen in unterschiedlichen Karrierestufen umfangreich und individuell zu unterstützen und zu fördern. Mit der „Female Leadership Journey“ unterstützen wir Mitarbeiterinnen mit verschiedenen Aktivitäten und Trainings vom Einstieg bis zum Partner-Level auf ihrem Karriereweg. Die drei Trainingsprogramme Elevator – Navigator – Accelerate bilden dabei das Zentrum:

Ein bis zwei Mal im Jahr haben alle Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, am Elevator bzw. Navigator Training teilzunehmen: Mit dem Elevator Training bieten wir Kolleginnen ab dem Consultant- bzw. Assistant-Level die Möglichkeit, Teil der „Female Leadership Journey“ zu sein und erste Schritte für ihre Karriereplanung zu setzen. Navigator richtet sich an Mitarbeiterinnen mit Berufserfahrung und zielt darauf ab, die Karriereplanung zu schärfen und ihr internes Netzwerk zu vergrößern.

Den Abschluss bildet das weltweite Programm Accelerate @ EY. Hierfür werden jährlich weibliche Senior Manager durch Führungskräfte nominiert. In allen Stufen bieten wir gezielte Mentoring-, Coaching- und Networking-Formate, die Mitarbeiterinnen in ihrer jeweiligen Karrierestufe individuell fördern und unterstützen.

Darüber hinaus haben wir auch breit angelegte, nach außen sichtbare Initiativen, um gezielt Frauen auf ihrem Karriereweg zu unterstützen, beispielsweise über eine Kooperation mit „the female factor“ oder unser Online-Training „Future Female Talents @ EY“, das wir gezielt auf Hochschulen bewerben.

„Manche wollen oder müssen sich gegen Karriere entscheiden“

Extrajournal.Net: Aktuell hat EY Österreich insgesamt 38 Partner, davon sind acht Frauen – das entspricht einem Anteil von 21 Prozent, unverändert gegenüber dem Stand vor einem Jahr. Auf Management-Ebene liegt der Frauenanteil aktuell bei 44 Prozent, vor 12 Monaten waren es noch 45 Prozent. Warum ist es anscheinend trotz der einschlägigen Programme so schwer, den Frauenanteil in der Chefetage zu erhöhen?

Pelzmann: Wir sind stolz, dass wir in unserer Führungsetage, also ab dem Rank Manager*in, fast schon Parität erreicht haben. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass es für ein langfristig ausgewogenes Verhältnis von ungefähr 50:50 weiterhin gezielte Förderprogramme und vor allem auch umfangreiche Coaching- und Mentoring-Formate braucht, die wir beispielsweise im Rahmen der „Female Leadership Journey“ setzen.

Unser Ziel ist es, dass dieses ausgewogene Verhältnis über alle Ranks hinweg bis zur Partnerschaft erzielt und aufrecht erhalten werden kann. Gleichwohl können wir gesellschaftliche Rahmenbedingungen nur bedingt beeinflussen und müssen so auch häufig zur Kenntnis nehmen, dass sich Frauen trotz der Förderangebote gegen die Karriere entscheiden wollen oder müssen.

Wir sehen aber auch sehr stark, dass unser Bekenntnis zur Diversität in der Führungsetage und insbesondere in der Partnerschaft zunehmend Wirkung zeigt: Dabei ist Gender eine wichtige Dimension, ebenso wichtig ist aber auch Diversität in Hinblick auf Alter, Ausbildung oder kulturellen Hintergrund.

Hier haben wir uns in den letzten Jahren schrittweise verbessert und vor allem auch viele Initiativen gesetzt, um diese Diversität noch stärker in unserer Partnerschaft zu reflektieren. Als Organisation arbeiten wir international an verschiedenen Maßnahmen, um das Bewusstsein für das Thema zu schärfen und auch explizit Frauen in ihrer individuellen Karriereplanung zu unterstützen.

Im Interview

Helen Pelzmann ist Partnerin bei EY Law (Pelzmann Gall Größ Rechtsanwälte GmbH) und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich.

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