04. Jan 2022   Business Nova Recht

Management nach Vieraugenprinzip für HGM gefordert

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Wien. Die Bundesheer-Gewerkschaft fordert sowohl einen wissenschaftlichen wie einen wirtschaftlichen Geschäftsführer für das Heeresgeschichtliche Museum (HGM).

Zur Bewältigung der anstehenden Reformen, die von der Verteidigungsministerin erwartet werden, sei es notwendig, wirtschaftliche und administrative Aufgaben einerseits sowie die Planung bzw. Umsetzung der Erneuerung der Dauerausstellung und damit die wissenschaftliche Leitung andererseits, in unterschiedliche Hände zu legen.

So verfügen andere große Museen, beispielsweise das Natur- und das Kunsthistorische Museum in Wien, über eine Generaldirektion, die von einem Generaldirektor(-in) als wissenschaftlichen Geschäftsführer geleitet wird. Für alle kaufmännischen und verwaltungsdienstlichen Belange gehört dieser Generaldirektion jedoch ein wirtschaftlicher Geschäftsführer an, so die Gewerkschaft.

Beim HGM stehen bauliche Neukonzeptionen an, neue Depotflächen werden gesucht und die über Österreich verstreuten Außenstellen müssen neu ausgestaltet werden, heißt es weiter: Deshalb sei die Einsetzung eines wirtschaftlichen Geschäftsführers wichtig: „Um die vom Rechnungshof aufgedeckten großen Mängel und Schwächen beheben zu können und auch für die Zukunft ähnliche Missstände zu vermeiden, wäre gerade auf Direktionsebene das Vieraugenprinzip von großer Bedeutung. Dies ist eine moderne und international übliche Vorgehensweise“, so Manfred Haidinger, Präsident der Bundesheergewerkschaft.

Die Pläne der Ministerin

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hat vor zwei Wochen angekündigt, dass das Heeresgeschichtliche Museum auf neue Beine gestellt werden soll. Das vorgesehene Präsidium des noch zu konstituierenden wissenschaftlichen Beirates für das HGM/Militärische Institut soll sich der Sache annehmen. Es besteht aus Museumsbundpräsident Prof. Wolfgang Muchitsch (Vorsitz), Univ.- Prof. Wolfgang Mueller, der Direktorin der Gedenkstätte Mauthausen, Barbara Glück, sowie General i.R. Prof. Horst Pleiner.

Zu den konkreten Projekten gehört ein Qualitätsmanagementsystem, das die Erkenntnisse und Empfehlungen aus Rechnungshof- und Kommissionsberichten analysieren und umsetzen soll. In einem zweiten Projekt werden internationale militärhistorische Kooperationen, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Museum in Paris, ausgearbeitet. Wie es mit dem Ausstellungsbetrieb weitergehen wird ist Gegenstand eines dritten Projekts. Die gesamtheitliche Weiterentwicklung von HGM/MHI habe schließlich ebenfalls Projektstatus.

Das älteste Museum ist umstritten

„Kriege gehören ins Museum, doch in welchem Rahmen diese historisch vermittelt werden, daran müssen wir jetzt intensiv arbeiten“, so Tanner. Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien spanne sich der thematische Bogen von Militär- und Kriegsgeschichte über Technik und Naturwissenschaft bis zu Kunst und Architektur: Es ist der älteste Museumsbau Wiens und zeigt die Geschichte der Habsburgermonarchie vom Ende des 16. Jahrhunderts bis 1918 und das Schicksal Österreichs nach dem Zerfall der Monarchie bis 1945.

Wobei das Militär im Fokus steht: Vom Konzept her ist das HGM ein Kriegsmuseum, vergleichbar etwa mit dem Imperial War Museum in London. Kritiker erheben dagegen Vorwürfe des Geschichtsrevisionismus. Klar ist, dass das HGM bei seiner Eröffnung 1869 für die Monarchie propagandistische Bedeutung hatte – in einer politisch und militärisch schwierigen Situation. Denn das Habsburger-Kaiserreich hatte zwar einerseits gerade in der Seeschlacht von Lissa im Juli 1866 einen Sieg errungen (der im HGM ausgiebig dargestellt wurde), fast gleichzeitig allerdings die Schlacht von Königgrätz gegen die Preußen verloren: Letztere bewirkte, dass die Monarchie den Krieg insgesamt verlor und Venetien an Italien abtreten musste.

Kommission untersuchte rechtsextreme Devotionalien

Unter Beschuss stand in der Vergangenheit freilich auch die angeblich rechtsextreme Zusammensetzung der Waren im Museumsshop des HGM. Dazu setzte die Verteidigungsministerin eine Untersuchungskommission ein, die diese Vorwürfe entkräftet habe, so Tanner: Lediglich bei zwei Prozent der Werke sei von der Kommission empfohlen worden, diese nicht mehr nachzubestellen beziehungsweise aus dem Sortiment zu entfernen. Grund dafür war die zu wenig kritische Darstellung insbesondere von Akteuren und Operationen des Zweiten Weltkrieges.

 

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