10. Jan 2022   Business Finanz

„Inflation bleibt langfristig bei 3 bis 3,5 Prozent“

Beat Thoma ©Fisch Asset Management

Finanzmärkte. Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich, erwartet ein langfristiges Inflationsniveau von drei bis 3,5 Prozent. Grund sei u.a. die Deglobalisierung. Und an den Börsen? Dort herrscht Tina.

„Wir gehen zwar davon aus, dass die Inflation ihren kurzfristigen Höhepunkt überschritten hat, allerdings halten wir das Erreichen des 2%-Zielbereichs der Zentralbanken für unwahrscheinlich“, so Thoma in einer Aussendung: „Mittel- bis langfristig wirken die so genannten 3D-Faktoren: Deglobalisierung, Dekarbonisierung und Demographie. Die ersten beiden Faktoren sorgen direkt für höhere Produktionskosten. Und demographische Faktoren sorgen außerdem bereits jetzt für einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter. Dies hat einen Arbeits- und Fachkräftemangel zur Folge. Damit ist mittelfristig für merklichen Lohndruck gesorgt.“

Zentralbankziele werden verfehlt

Die 3D-Faktoren dürften deshalb das Inflationsniveau auch längerfristig im Bereich zwischen drei und 3,5 Prozent halten und damit deutlich oberhalb der Zentralbankziele u.a. der EZB. Entsprechend sollten sich Investoren darauf einstellen, dass die Inflation weiterhin vorherrscht und sich nicht der Hoffnung hingeben, dass sie in absehbarer Zeit auf die tiefen Raten des vergangenen Jahrzehnts sinkt, meint Thoma: „Trotzdem rechnen wir vorerst nicht mit einer Stagflation, die das Worst-Case-Szenario darstellen würde. Dazu ist das Wirtschaftswachstum zu robust und die Inflation trotz 3D-Faktoren kurzfristig noch zu gut unter Kontrolle.“

Tina herrscht an den Börsen – vorerst

An den Aktienmärkten gelte – trotz der mittlerweile deutlich spürbaren Volatilität – weiterhin das Motto TINA („There Is No Alternative“), da tiefe Zinsen und die aktuell noch hohe Inflation die Bargeldhaltung unattraktiv machen. Im weiteren Jahresverlauf dürften aber die straffere Geldpolitik, temporär fallende Inflation, hohe Bewertungen und steigende Zinsen für eine Dämpfung der Börsen sorgen, so Thoma.

Ähnliches sei an den Märkten für Unternehmensanleihen zu erwarten. „Eine ausgeprägte Baisse erscheint uns allerdings im Moment wenig wahrscheinlich. Dennoch nimmt das Chancen/Risikoverhältnis damit deutlich ab. Zudem rechnen wir mit starken Sektorrotationen. Und zwar insbesondere, wenn sich aufgrund der Covid-19 Omikron-Welle eine hohe Herdenimmunität der Bevölkerung und damit ein vorzeitiges Ende der Pandemie ergeben würde.“

Für (Profi-)Investoren im Anleihensegment erscheinen aus Sicht von Thoma dieses Jahr vor allem Corporates aus den Schwellenländern interessant. Denn dort schätze man die Risikoaufschläge bei Emerging-Markets-Unternehmensanleihen weiterhin als attraktiv ein. Und im Unterschied zu den Pendants aus Industrieländern bestehe 2022 noch Spielraum für eine Verengung. „Hochzinsanleihen sowohl aus Schwellenländern als auch aus Industrienationen gehören aufgrund der laufenden Verzinsung ebenfalls auf den Radar der Investoren. Und nachdem Wandelanleihen im vergangenen Jahr aus Performance-Sicht hinter den Aktienmärkten zurückblieben, erwarten wir hier ein Comeback, da Convertibles gerade bei höherer Volatilität ihre Stärken ausspielen können. Aufgrund der Rahmenbedingungen, darunter steigende Zinsen, ist hier jedoch die Titelselektion entscheidend.“

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