17. Jan 2022   Business Recht Steuer

Weltweite M&A-Rekorde: In Österreich vor allem Immos gefragt

Eva-Maria Berchtold ©EY / Point of View

Mergers & Acquisitions. Die Weltwirtschaft läuft wieder runder, das führte 2021 zu neuen Spitzenwerten am weltweiten M&A-Markt. In Österreich kaufen Auslandsinvestoren vor allem am Immobiliensektor ein, so EY.

Der Aufschwung der Weltwirtschaft nach dem Corona-bedingten Rückgang zeige sich deutlich am weltweiten M&A-Markt, wo 2021 neue Spitzenwerte bei der Anzahl an Deals und dem Volumen, das in Unternehmenskäufe investiert wurde, erzielt wurden. Getrieben wird dieser Höhenflug vor allem durch aktive Private-Equity-Investoren und eine Vielzahl an SPACs (Special Purpose Acquisition Companies), also Firmenhüllen, die über einen Börsengang Geld einsammeln und dann in nicht-börsennotierte Unternehmen investieren.

Auf den österreichischen Markt hat dieser weltweite M&A-Boom jedoch bislang kaum Auswirkungen, so EY: Die Anzahl der Übernahmen mit österreichischer Beteiligung ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht von 275 auf 293 gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg um 6,5 Prozent, ist allerdings immer noch um 10,7 Prozent weniger als in 2019, als es noch 35 Transaktionen mehr gegeben hatte. Die Transaktionsvolumina1 sind 2021 im Vergleich zum Vorjahr hingegen um 27,8 Prozent von 12,6 Milliarden Euro auf 9,1 Milliarden Euro gesunken, liegen damit aber immer noch im langjährigen Durchschnitt. Anzumerken ist dabei, dass nur Transaktionen in die EY-Statistik einflossen, bei denen der Kaufpreis bekanntgegeben wurde.

Die großen Übernahmen

Das Volumen wurde im Wesentlichen von den Top-5-Deals getrieben, welche rund 70 Prozent des Gesamtvolumens ausmachten, während sich die übrigen rund 30 Prozent auf 35 weitere Deals aufteilten, so EY weiter:

  • Der Kauf von 50 Prozent an den Selfridges Kaufhäusern (exkl. kanadischer Standorte) durch die Signa Holding GmbH um rund umgerechnet 2,35 Milliarden Euro,
  • die Übernahme von einem 9,92 Prozent-Aktienpaket an der Erste Group durch diverse Investmentgesellschaften um 1,5 Milliarden Euro,
  • der Kauf von 33,6 Prozent an der CA Immobilien Anlagen AG durch die Starwood-Beteiligungsgesellschaft SOF-11 Klimt CAIS (eine von Starwood Capital Group kontrollierte Beteiligungsgesellschaft) um 1,157 Milliarden Euro,
  • die Übernahme von 80 Prozent der Schur Flexibles Holding durch die B&C Industrieholding um 720 Millionen Euro und
  • der Kauf des polnischen Papier- und Kartonwerks International Paper-Kwidyzn durch die Mayr-Melnhof Karton AG um 703 Millionen Euro.

„Wir nähern uns wieder dem Vor-Corona-Niveau“

„Weltweit geht der M&A-Markt gerade durch die Decke und erreicht ein Rekordhoch. In Österreich ist von diesem Boom jedoch recht wenig zu spüren. Insgesamt nähern wir uns wieder langsam dem Vor-Corona-Niveau“, so Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin der Strategie- und Transaktionsberatung (Strategy and Transactions) bei EY Österreich. Vor allem im vierten Quartal 2021 hatte die hohe Liquidität im Markt und das anhaltende Niedrigzinsumfeld positive Auswirkungen auf den heimischen M&A-Markt, so EY weiter: Viele Unternehmen organisieren sich als Reaktion auf die Pandemie neu und halten Ausschau nach strategischen Übernahmezielen oder stoßen Unternehmensteile ab, um ihr Portfolio neu auszurichten

Das Umfeld für M&A-Deals werde nicht nur aufgrund der anhaltenden pandemiebedingten Unsicherheit zunehmend komplexer und vielschichtiger. Für Käufer werde es aufgrund des volatilen Umfelds in Zukunft deutlich schwerer werden, Übernahmekandidaten richtig zu bewerten. Gleichzeitig werden sich Verkäufer schwerer tun, eine hohe Bewertung zu argumentieren, heißt es: „Die geopolitischen Instabilitäten der letzten Jahre sowie die Pandemie haben die Unternehmen teilweise schon darauf vorbereitet, dass Unsicherheit die neue Normalität ist“, so Robert Hufnagel, Partner und Leiter M&A Advisory bei EY Österreich.

Strategische Investoren geben den Ton an

Die überwiegende Mehrheit der Transaktionen in 2021 entfiel mit 276 Deals auf strategische Transaktionen – das entspricht einem Plus von 16 Transaktionen im Vergleich zum Vorjahr. Demgegenüber gab es lediglich 17 Transaktionen durch Finanzinvestoren (Private Equity, „PE“ bzw. Venture Capital, „VC“) mit österreichischer Beteiligung. Im Gegensatz zum weltweiten Transaktionsmarkt spiele in Österreich privates Risikokapital damit unverändert eine untergeordnete Rolle.

Immobiliensektor interessant für Auslandsinvestoren

Ausländische Investor*innen haben 2021 verstärkt in Österreich zugeschlagen: Die Anzahl der Transaktionen stieg im Bereich „Inbound“ um 32 Deals– ein Plus von 31,7 Prozent. Mit 133 Deals gab es in dieser Kategorie so viele wie seit 2015 nicht mehr. Österreichische Investoren kündigten 2021 zur Verfolgung ihrer internationalen Wachstumsziele 104 M&A-Transaktionen an. Damit gab es in etwa gleich viele Übernahmen von ausländischen Unternehmen („Outbound“) wie im Jahr davor mit 106 Deals (minus 1,9%).

Bei der Anzahl der Transaktionen lag der Immobiliensektor 2021 mit 77 Deals vorne, gefolgt von Unternehmen aus dem Industriesektor mit 64 Deals sowie dem Technologiesektor mit 59 Transaktionen. Bei den veröffentlichten Transaktionsvolumina rangiert der Handels- und Konsumgütersektor mit 2,4 Milliarden Euro vor dem Immobiliensektor mit 2,2 Milliarden Euro auf Platz eins. Das sei vor allem auf den Kauf der Selfridges-Kaufhauskette durch die Signa Holding gemeinsam mit der thailändischen Central Group zurückzuführen.

 

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