Sind Kinder der Karriere-Killer für Anwältinnen?

Jasna Zwitter-Tehovnik ©DLA Piper / Cornelis Gollhardt

Gender & Geschäft. Wer als Rechtsanwältin (oder Rechtsanwalt) Karriere machen möchte, für die (den) sind Privatleben und Familie nachrangig – lautet eine weitverbreitete Ansicht. Wirtschaftskanzlei DLA Piper macht dagegen per Hashtag #BreakTheBias Stimmung.

Partner und Anwälte des Wiener DLA Piper Büros widersprechen dieser landläufigen Meinung in einer Aussendung jedenfalls entschieden. Erhoben wurde dies laut den Angaben in einem aktuellen Q&A anlässlich des bevorstehenden Internationalen Frauentags am 8. März 2022.

In der eigenen Kanzlei gegen den Bias arbeiten

Ob man Berufsleben und Privatleben gut miteinander verknüpfen kann, hänge wesentlich vom Kanzleiumfeld ab, heißt es dazu: DLA Piper habe Chancengleichheit als wichtiges Unternehmensziel definiert. Dementsprechend hoch sei in der Kanzlei die Zahl der Juristen und Partner mit Kindern bzw. der Frauenanteil auf allen Ebenen. Grundsätzlich gilt laut der Kanzlei: Das Interesse von Frauen für Rechtswissenschaften entspricht in Österreich in etwa jenem von Männern. Rund die Hälfte aller Berufsanwärter ist weiblich.

Doch je höher die Stufe der Karriereleiter, desto niedriger sei der Frauenanteil: Nur ein Viertel aller Rechtsanwälte sind Frauen. Auf Equity-Partner-Ebene sinkt der Anteil weiter – bei den österreichischen Wirtschaftskanzleien liegt er nur mehr bei rund 15 Prozent. DLA Piper ist mit einem Frauenanteil von einem Drittel auf Equity-Partner-Ebene laut jüngstem Ranking der deutschen Fachzeitschrift Juve Vorreiter in Österreich: Herangezogen hat das Magazin dafür den Anteil der Geschäftsführenden Gesellschafterinnen laut Firmenbuch.

Warum gibt es in Österreich deutlich mehr Berufsanwärterinnen als Anwältinnen?

Jasna Zwitter-Tehovnik, Partnerin und zweifache Mutter: „Viele exzellente Juristinnen scheuen sich davor, den letzten Karriereschritt zu setzen. Oftmals liegt es an der vermeintlichen Unvereinbarkeit des Anwaltsberufs mit der Familie. Daher finde ich es sehr passend, dass der Slogan des Weltfrauentags 2022 „Break the Bias“ („Durchbreche die Voreingenommenheit“) lautet. Heutzutage sollte niemand mehr – weder Männer noch Frauen – aus Gründen der Familienplanung in puncto Karriere zurückstecken müssen. Das ist mir als Kanzleipartnerin und zweifache Mutter sehr wichtig.“

Privat- und Familienleben opfern als Karrierevorteil?

Veronika Appl, Counsel und zweifache Mutter: „Der Rechtsanwaltsberuf bringt eine hohe Workload mit sich, die sich nicht immer gleichmäßig auf das Jahr verteilt. Dennoch halte ich es für wichtig, dass es im Leben mehr als den reinen Büroalltag gibt. Das trägt auch wesentlich zur Sozialkompetenz bei – und diese ist in unserem Job besonders wichtig. Ein erfülltes Privat- und Familienleben und eine erfolgreiche Karriere als Anwältin oder Anwalt lassen sich sehr gut vereinbaren. Erforderlich ist selbstverständlich ein entsprechendes Zeitmanagement und das richtige Umfeld. Hier spreche ich als zweifache Mutter aus eigener Erfahrung.“

Kanzleipartner und Elternteil sein – passt das zusammen?

Marc Lager, Partner und zweifacher Vater: „Ja, durchaus. Ich finde es sehr schade, wenn die Familienplanung der Karriere im Weg steht. Kanzleipartner zu sein ist keine unüberwindbare Hürde für einen Elternteil. Als Equity-Partner einer Kanzlei trägt man zwar mehr Verantwortung, kann sich dafür jedoch die Zeit freier einteilen. Ein gutes Zeitmanagement ist – wie für alle Eltern – Voraussetzung. Ein engmaschigeres Netz an Betreuungsmöglichkeiten schon vor dem Volksschulalter würde die Entscheidung pro Familie und Karriere eventuell vereinfachen.“

„Diversity & Inclusion“

Maria Doralt, Partnerin und zweifache Mutter: „Wir leben „Diversity & Inclusion“ auf allen Ebenen. Viele Juristen kommen zu DLA Piper, weil uns das differenziert. Familie und Karriere sind kein Widerspruch. Unsere internationale Initiative Leadership Alliance for Women (LAW) unterstützt unsere Juristinnen auf dem Karriereweg. Wir setzen uns auch konkrete Ziele. Bis 2025 wollen wir den weltweiten Anteil der Equity Partnerinnen auf 30 Prozent erhöhen – in Wien haben wir dieses Ziel schon erreicht. Bis 2030 wollen wir den Equity-Partnerinnen-Anteil auf 40% steigern.

Auch darüber hinaus streben wir nach Diversität auf allen Ebenen. Warum? Weil wir überzeugt davon sind, dass wir mit diversen Teams bessere Leistung bringen. Unsere Mandanten schätzen unsere Diversität und die eingespielte, grenzüberschreitende Beratung. Ein Beispiel aus meinem Arbeitsbereich: Im M&A sind wir zum 12. Mal in Folge global die Nummer 1 im Deal Count. Das heißt: Keine andere Kanzlei hat mehr Transaktionen weltweit betreut als DLA Piper. Wir sind überzeugt davon, dass unsere Diversität ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg ist.“

Wie ist es in der Rechtsbranche um Diversität abseits der Chancengleichheit für Frauen und Männer bestellt?

Nicole Daniel, Counsel: „In den letzten Jahren ist die Rechtsbranche ein wenig offener geworden. DLA Piper hatte als internationale Anwaltskanzlei schon immer den Anspruch, sich an internationalen Standards zu orientieren und Vorreiter zu sein. Das sieht man nicht nur an der Gleichberechtigung der Geschlechter, sondern auch an den vielfältigen Wurzeln der Belegschaft. Eine Kanzlei mit überaus diversen Teams kann gerade bei grenzübergreifenden Projekten ihre Stärken ausspielen. Diversität ist mir nicht nur beruflich ein großes Anliegen – ich bin als Rechtsanwältin in Österreich, als Solicitor in England and Wales sowie als Attorney-at-Law in New York zugelassen. Ich habe auch privat einen internationalen Hintergrund, spreche Ungarisch und Hebräisch. Daher fühle mich bei DLA Piper am richtigen Platz.“

 

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