07. Mrz 2022   Business Recht

Kann Europa den Ausfall russischer Gasimporte wegstecken?

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Studie. 36 Prozent des europäischen Gasbedarfs werden von Russland gedeckt. In Österreich sind es sogar 80 Prozent. Was bei einem Ende der Gasimporte passieren würde, haben Acredia und Euler Hermes jetzt erforscht.

Die Studie des österreichischen Kreditversicherers Acredia in Zusammenarbeit mit Euler Hermes geht konkret davon aus, dass rund 10 Prozent des gesamten Energiebedarfs in Europa bei einem Wegfall der Russlandimporte gefährdet wären. Es wird für Europa daher nicht leicht werden, sollten die russischen Gasimporte wegfallen. Vor allem Ungarn, Slowenien, Tschechien, Lettland und Deutschland wären betroffen, da mehr als 20 Prozent des Energiebedarfs dieser Länder von russischem Erdgas abhängen. Auch in Österreich könnten 19 Prozent der Energieversorgung gefährdet sein. Die Lage in Österreich sieht also nicht besser aus als die der Nachbarländer, so Acredia-Vorständin Gudrun Meierschitz.

Die Ausgangsbasis

Europa hat drei Möglichkeiten, einen Ausfall zu kompensieren, rechnen die Studienautor*innen vor:

  • Zum einen könnten andere Länder einspringen. Die Kapazitäten sind jedoch begrenzt und hängen von der Infrastruktur ab.
  • Zum anderen könnten erneuerbare Energiequellen die Lücke schließen, was aber einer gemeinsamen Anstrengung aller EU-Länder bedarf.
  • Schließlich kann die Nachfrage durch dauerhaft erhöhte Preise gedrosselt werden. Ein Anstieg des Strompreises um 40 Prozent und ein Verdoppeln des Gaspreises könnten die Nachfrage um 8 bis 10 Prozent sinken lassen.

Import aus anderen Ländern erhöhen

Europas Gasspeicher sind derzeit zu 29 Prozent gefüllt, das reicht bei diesem milden Winter bis Ende März. Im Sommer müssen die Reserven wieder aufgefüllt werden. Es gibt zwar erste Bestrebungen der EU mehr Erdgas aus Ländern wie Algerien und Qatar zu beziehen. Die begrenzten Kapazitäten würden allerdings nur einen Zeitpuffer von drei Tagen schaffen. Ein Umstieg auf andere Lieferländer setzt zudem einen Zugang zum Pipeline-Netzwerk voraus, was nicht bei allen potentiellen Partnern der Fall ist.

Erneuerbare Energie bringt Energiehoheit

“Um die Energiehoheit zurück zu gewinnen, ist es wichtig, dass Europa jetzt einen ambitionierten und koordinierten Plan entwickelt“, fordert Meierschitz: „Nur so kann die Energiesicherheit für den nächsten Winter gewährleistet werden.“ Um die Gasimporte aus Russland zu ersetzen, müsste die Produktion aus erneuerbarer Energie um 1 Exajoule (278 TWh) pro Jahr gesteigert werden. Dazu sind jährliche Investitionen von 170 Milliarden Euro notwendig, das entspricht 1,3 Prozent des europäischen BIP. Für Österreich würde das bedeuten, dass die Produktion aus Solar- und Windenergie um je 38 Prozent und aus Bio-Gas um 20 Prozent gesteigert werden müsste.

Nachfrage durch dauerhaft höhere Gas- und Strompreise reduzieren

Wie sich erhöhte Preise auf die Stromnachfrage auswirken, hat Fukushima gezeigt. Nach dem AKW-Strahlenunglück verlor Japan auf einen Schlag 27 Prozent seiner Atomenergie. Aufgrund dieser Erfahrungen geht die Studie davon aus, dass die Erwartung von einem dauerhaften Preisanstieg von +40 Prozent für Strom und +100 Prozent für Gas, die Nachfrage zwischen 8 und 10 Prozent reduzieren würde. Der Anstieg der Handelspreise in der EU in den letzten 12 Monaten von +30 Prozent bei Strom und +50 Prozent bei Gas bedeute bereits einen Schritt in diese Richtung.

„Stoppt Russland die Gaslieferungen, dann ist ein Preis von 200 Euro/MWh möglich“, kalkuliert Meierschitz. „In Österreich würde das die Stromnachfrage um 8 Prozent reduzieren.“ Relativ einfach ließe sich der Gasverbrauch bei der Stromproduktion senken. In Österreich gibt es derzeit 59 Kraftwerke, die Strom mit Erdgas erzeugen. Bei einem Ausfall der russischen Gaslieferungen würde die heimische Stromproduktion um 14 Prozent sinken. Dies ließe sich zumindest teilweise durch eine Steigerung der Stromproduktion aus Alternativquellen wettmachen.

 

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