22. Mrz 2022   Business Recht

China investiert wieder mehr in Europa (aber nicht in Österreich)

Eva-Maria Berchtold ©EY / Point of View

Transaktionen. Nach einem pandemiebedingten Einbruch hat sich die Zahl der großen China-Übernahmen in Europa 2021 auf 155 erhöht. In Österreich gab es genau einen Deal, so EY.

Konkret stieg die Zahl der Transaktionen im Jahr 2021 auf 155 an, im Jahr davor waren es wegen der Auswirkungen der Pandemie bloß 132. Auch das Transaktionsvolumen stieg: Der Wert der Beteiligungen und Übernahmen hat sich von 1,5 auf 12,4 Milliarden US-Dollar mehr als verachtfacht, so eine Studie von Big Four-Multi EY, die turnusmäßig die M&A-Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa untersucht hat.

China bleibt noch zurückhaltend

„Chinesische Unternehmen bleiben bei ihren Investitionen in Europa insgesamt noch zurückhaltend“, so Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin der Strategie- und Transaktionsberatung (Strategy and Transactions) bei EY Österreich. Dazu trage zum einen nach wie vor die Pandemie bei, die auch 2021 noch zu Beeinträchtigungen führte – auch wegen Eindämmungsmaßnahmen wie Reisebeschränkungen, strengen Quarantäne-Regeln für Personen, die aus dem Ausland nach China reisen und Lockdowns sowohl in Europa als auch in China selbst.

Die meisten chinesischen Unternehmen, die schon im Ausland Firmen übernommen haben, haben sich in den letzten Jahren auch eher damit beschäftigt, die Restrukturierung in Europa voranzutreiben als weiter zu expandieren – besonders in den Sektoren Automobilzulieferer und Maschinenbau, heißt es weiter.

Die Hürden sind höher geworden

Ebenfalls dämpfend wirkten sich nach Berchtolds Einschätzung die inzwischen hohen Hürden für ausländische Beteiligungen gerade in bestimmten kritischen Branchen sowie die zunehmende Konkurrenz durch kapitalstarke Finanzinvestor*innen aus.

Die Kaufpreise auf dem M&A-Markt seien zuletzt stark gestiegen – in einigen Fällen wollten die chinesischen Interessent*innen da nicht mehr mitgehen. „Besonders die börsennotierten chinesischen Unternehmen fürchten, mit teuren Zukäufen den eigenen Aktienkurs unter Druck zu setzen“, so Berchtold.

Ein chinesischer Deal in Österreich

Die Investoren aus China halten sich in Österreich weiterhin zurück, wie 2020 gab es auch 2021 nur eine chinesische Übernahme im Land. Konkret übernahm ein in Shanghai börsennotierter Spezialist für Möbelkomponenten, Jiecang, um rund 79,2 Millionen Euro das Technologieunternehmen Logicdata aus Deutschlandsberg.

Das Unternehmen mit seinen rund 270 Mitarbeiter*innen bleibe dabei eigenständig, es werden 20 Millionen Euro in weiteres Wachstum investiert. Zum Vergleich: 2019 gab es gar keine Übernahme in Österreich, 2018 haben chinesische Investor*innen dagegen drei Unternehmen übernommen, 2017 sogar fünf.

Entertainment und Medizin holen auf, Industrie lässt nach

  • Nach wie vor entfallen auf klassische Industrieunternehmen die meisten Deals – 30 der 155 Transaktionen in Europa fanden im Industrie-Sektor statt. Allerdings ist deren Zahl laut EY rückläufig: 2020 waren europaweit noch 36 Industrietransaktionen gezählt worden. Zwar bestehe nach wie vor bei chinesischen Investoren Interesse an europäischen Automobilzulieferern oder Maschinenbauern, doch richte sich das inzwischen eher auf die Subsektoren Elektromobilität und Autonomes Fahren.
  • Auf High-Tech-/Softwareunternehmen entfielen im vergangenen Jahr europaweit 27 Transaktionen (Vorjahr: 20). Man sehe ein gestiegenes Interesse etwa an Spieleentwicklern und Softwareprogrammierern. Gerade der aktivste chinesischer Investor im vergangenen Jahr, Tencent, habe sich zuletzt in diesem Segment stark engagiert.
  • Gestiegen ist auch die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen im Bereich Gesundheit: von 16 auf 26 Transaktionen. Der Gesundheitsbereich – ob Pharma, Biotech oder Medizintechnik – werde zunehmend zu einem der wichtigsten Zielsektoren chinesischer Unternehmen, weil es in dieser Sparte einen großen Nachholbedarf in China gibt, insbesondere bei der Forschung und Entwicklung, so Yin Sun, Partnerin und Leiterin der China Business Services bei EY Deutschland.

Großbritannien löst Deutschland ab

Die meisten Transaktionen wurden im vergangenen Jahr in Großbritannien verzeichnet. Mit 36 Übernahmen und Beteiligungen liege Großbritannien knapp vor Deutschland (35 Transaktionen) und deutlich vor den drittplatzierten Niederlanden (13). Im Vorjahr war die Reihenfolge an der Spitze dagegen noch umgekehrt: 2020 lag Deutschland mit 28 Transaktionen vor Großbritannien mit 21 Deals.

„In dem Maß, wie sich das Interesse chinesischer Investor*innen weg von klassischen Industrieunternehmen hin zu Technologie-, Software- und Medienunternehmen entwickelt, gewinnt der Zielmarkt Großbritannien an Bedeutung“, so Berchtold.

Die größten China-Takeover

  • Die europaweit größte China-Investition war im vergangenen Jahr der Verkauf der Haushaltsgeräte-Sparte von Philips an die Investmentfirma Hillhouse Capital mit Sitz in Hong Kong für 4,4 Milliarden US-Dollar.
  • Die zweitgrößte Transaktion war die Übernahme des britischen Entwicklerstudios Sumo Digital durch Tencent für 1,1 Milliarden US-Dollar.
  • Auf Platz drei liegt die Übernahme des dänischen Kühlcontainer-Herstellers Maersk Container Industry durch China International Marine Containers für ebenfalls 1,1 Milliarden US-Dollar.

 

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