23. Mrz 2022   Business Finanz Recht Steuer

2023 kommt die Mehrheit der ETFs nachhaltig auf den Markt

Thomas Steinbauer ©PwC Österreich

Grüne Finanzinstrumente. Laut einer aktuellen PwC-Studie wird die Mehrheit der börsengehandelten Fonds (ETFs), die im nächsten Jahr in Europa aufgelegt werden, einen ökologischen, sozialen oder Governance-Ansatz haben.

Während weltweit 46 Prozent der befragten ETF-Anbieter erwarten, dass mehr als die Hälfte ihrer Produkteinführungen im kommenden Jahr einen Fokus auf ESG haben werden, sind es in Europa sogar über 80 Prozent. Viele Anleger sollen nämlich beginnen, die ESG-Performance genauso eingehend zu prüfen wie finanzielle Erträge, so die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens PwC unter 60 globalen Anbietern.

Die Anbieter reagieren damit auf die starke Nachfrage von Anlegern sowie auf Regulierungen, die den ETF-Markt, der sich bis 2026 weltweit von heute 10 Billionen US-Dollar auf 20 Billionen US-Dollar verdoppeln soll, spürbar unter Druck setzen.

„Der Zustrom neuer Produkte und Teilnehmer verändert die Wettbewerbsdynamik auf dem ETF-Markt. Während der Wettbewerb zunimmt, bieten sich auch Chancen durch neue Produkte, Märkte und Vertriebskanäle. Beeindruckend ist auch, dass sich das Wachstum in verschiedenen Phasen der Marktvolatilität und der Unsicherheit im Zusammenhang mit der Pandemie aufrechterhalten hat. Die ETFs stellen sich weiterhin jeder Herausforderung“, so Thomas Steinbauer, Asset & Wealth Management Leader bei PwC Österreich.

ESG bringt Chancen und Herausforderungen

In Europa stehen Anbieter jedoch vor regulatorischen Herausforderungen, einschließlich einer „Fülle an ESG-Bezeichnungen und Berichtsanforderungen in verschiedenen Märkten, die selten einheitlich sind“, so Steinbauer. Die Einhaltung von Artikel 8 und 9 der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFRD) könnte für ETFs, die breite kapitalgewichtete oder thematische Indizes vollständig nachbilden, problematisch werden.

„Das Fehlen eines vereinbarten, kohärenten und verbindlichen Rahmens für die Offenlegung, der mit den Rechnungslegungsstandards vergleichbar ist, hat hier zu Unsicherheit geführt. Emittenten stehen auch vor der Herausforderung, verlässliche und konsistente Daten zu beziehen, und treffen auf Unsicherheiten in Bezug auf ESG-Ratings und Scoring“, so Steinbauer.

Nicht-traditionelle Produkte nehmen zu

Getrieben durch eine vermehrte „Nachfrage nach Veränderung“ nehme die Entwicklung und Einführung nicht-traditioneller Produkte wie thematischen und Krypto-ETFs „stark an Fahrt auf“. Insbesondere die Nachhaltigkeitsagenden treiben demnach ein erhebliches Wachstum bei thematischen ETFs voran, die sich auf langfristige Trends wie technologische Durchbrüche, demografische Entwicklungen oder Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und der Ressourcenknappheit konzentrieren, so die Studie.

In einigen Märkten existieren jedoch nach wie vor rechtliche Hürden, die das Tempo der Produktionsinnovation hemmen oder verlangsamen. So gaben 46 Prozent der Anbieter in Europa an, die Auflegung eines Krypto-ETF zu planen, würden die Regulierungsbehörden die Zulassung dazu erteilen – ein weitaus größerer Anteil als in jeder anderen Region.

Online-Plattformen nehmen weiter zu

Eine große Mehrheit (84 %) der weltweiten Umfrageteilnehmer erwartet in den nächsten zwei bis drei Jahren einen erheblichen Anstieg an Online-Investing-Plattformen und erklärt diese als die wichtigste Quelle für die erwartete ETF-Nachfrage.

„Die Notwendigkeit, sich in einem zunehmend überfüllten und wettbewerbsintensiven Umfeld hervorzuheben, wird die weitere Entwicklung vorantreiben. Die Gewinner werden diejenigen sein, die sich schnell anpassen und die Chancen ergreifen, die das neue Umfeld nach der Pandemie mit sich bringt. Dazu gehören aktive ETF-Modelle, ESG- und Krypto-ETFs sowie Online-Plattformen“, so Steinbauer.

 

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