05. Apr 2022   Bildung & Uni Recht Tools

Gewalt-Prävention an Schulen: Anwälte sollen aufklären

Michael Enzinger, Heinrich Himmer, Hilarius Graf ©RAK Wien / APA-Fotoservice / Schedl

Wien. Rechtsanwaltskammer und Bildungsdirektion starten die Aktion „Gewalt und Hass – Prävention an Schulen: die Rechtsanwaltschaft klärt auf!“ Dabei gehen die Anwältinnen und Anwälte direkt in die Schulen.

Kernstück ist der Besuch von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten direkt in den Klassen, um Schülerinnen und Schüler über die Rechtslage speziell an der Schwelle zur beginnenden Strafmündigkeit aufzuklären, so die beiden Partner: Die Bildungsdirektion für Wien und die Wiener Rechtsanwaltskammer (RAK Wien). Anwälte-Präsident Michael Enzinger: „Frühe Aufklärung kann spätere Probleme verhindern.“

Das Programm

An der Initiative können laut den Angaben alle Wiener Schulen der 7. bis 9. Pflichtschulstufe teilnehmen. Die Aktion startet noch im April 2022 und soll zunächst bis zu den Sommerferien geblockt ablaufen sowie dann auch im neuen Schuljahr 2022/23 fortgesetzt werden, solange es interessierte Schulen gibt: 70 Schulstandorte haben sich demnach mit insgesamt 240 Klassen bereits angemeldet.

„Es muss in unser aller Interesse sein, in diesem Bereich noch mehr Bewusstsein zu schaffen. Den Kindern strafbare Handlungen zu erklären und ihnen mögliche Folgen für sich selbst und ihre Eltern aufzuzeigen, halten wir für ein Gebot der Stunde“, so Enzinger und der Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer bei der gemeinsamen Vorstellung der Initiative im Lise Meitner Realgymnasium in der Wiener Schottenbastei.

Vermeintliche Kavaliersdelikte sind keine Kleinigkeit

Die Rechtsanwaltskammer komme mit dem Anstoß zu dieser Aktion ihrer Verpflichtung als Servicestelle in Rechtsfragen nach. Und die Pädagoginnen und Pädagogen sollen an den Schulstandorten in ihrer Bildungsarbeit unterstützt werden. Wie wichtig Prävention ist, zeige sich in vielen Bereichen des Lebens: Möglichst früh mit Aufklärung bei den verschiedensten Aspekten des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der demokratischen Grundregeln zu beginnen, könne späteren Problemen im Erwachsenenalter entgegenwirken.

Die Anmeldung und die Themen

Interessierte Schulen melden sich via Online-Plattform bei der RAK Wien, ihnen wird dann ein Vertreter aus der Rechtsanwaltschaft zur Seite gestellt, so die Kammer: Rund 130 Mitglieder der Rechtsanwaltskammer stehen bereits für das Projekt zur Verfügung. Am vereinbarten Tag kommt die Rechtsanwältin, der Rechtsanwalt für jeweils eine Schulstunde in die Klasse und erläutert anhand einer pädagogisch abgestimmten Präsentation mit den Schülerinnen und Schülern das Thema. Dabei gehe es von Grundlagen wie „strafbaren Handlungen“ über die Art von Strafen, das Jugendstrafrecht bis hin zum wichtigen Bereich Hass im Netz, Cybermobbing und dessen Folgen wie üble Nachrede oder auch um unbefugte Bildaufnahmen.

Damit sind viele im Alltag der Jugendlichen höchst relevante Rechtsbereiche abgedeckt. Der pädagogische Nutzen ist groß, so Hilarius Graf, Schulleiter im Lise Meitner Realgymnasium: „Gerade im Alter von 14 Jahren, wenn die Strafmündigkeit beginnt, empfinden es viele junge Erwachsene noch als Spaß, wo anderen eigentlich bereits Schaden zugefügt wird. Dass so manche Handlung dabei auch schon strafbar ist, vergessen viele Schülerinnen und Schüler, aber leider auch einige Eltern. Vorträge und Aktionen wie diese helfen uns sehr.“

Die Statements

„In Wien vertreten wir eine klare Null-Toleranz-Haltung gegenüber Gewalt an Schulen“, so Bildungsdirektor Himmer: „Diese Haltung erfordert Präventions- und Aufklärungsarbeit. Denn: Viele Kinder und Jugendliche sind sich der Tragweite und Konsequenzen mancher Handlungen nicht bewusst – das wollen wir ändern! Gemeinsam mit der Rechtsanwaltskammer Wien setzen wir mit diesem Projekt einen weiteren wichtigen Schritt gegen Gewalt an Wiener Schulen.“

„Als Wiener Rechtsanwaltschaft wissen wir aus unserer täglichen Arbeit, was das Prinzip ‚Prävention vor Strafe‘ bewirken kann. Neben unserer Aufgabe als Interessensvertretung ist es unsere Pflicht, auch dem Rechtsstaat zu seinem Durchbruch zu verhelfen. Aktionen wie diese zu überlegen und auf den Weg zu bringen, ist Teil unserer Strategie“, so RAK Wien-Präsident Enzinger.

 

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