14. Apr 2022   Bildung & Uni Business Recht Tech

Grazer Forscherinnen erzeugen künstliches Fleisch

Aleksandra Fuchs, Viktorija Vidimce-Risteski ©acib GmbH

New Meat. Grazer Forscherinnen des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) und der TU Graz forschen an einer umweltfreundlichen Fleisch-Alternative: Dabei werden echte Fleischfasern künstlich vermehrt. Die Perspektiven für den Weg auf den Teller.

Die traditionelle Fleischproduktion, insbesondere die Massentierhaltung, verbraucht laut einer Aussendung des acib zu viele Ressourcen, benötige zu viel Fläche und verursache dieselbe Menge an Treibhausgasen wie der gesamte Verkehrssektor. Die Grazer Forscherinnen Aleksandra Fuchs und Viktorija Vidimce-Risteski des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) und des Institutes für Molekulare Biotechnologie an der Technischen Uni Graz forschen nun an einer neuen, umweltfreundlicheren Fleisch-Alternative.

Bei 95% weniger Platzbedarf, einer zehnfachen CO2-Einsparung und der Vermeidung von Tierleid soll diese neue, alternative Fleischart im Vergleich zur klassischen Tierhaltung vor allem klimarelevante und ethische Vorteile besitzen.

Das Verfahren setzt auf die Produktion von „echtem“ Fleisch aus winzigen, schonend gewonnenen, Fleischproben. Das natürliche Gewebe wird in einem biologischen Verfahren vermehrt. „Aus einer wenige Millimeter großen Probe können optimalerweise so bis zu 2 Tonnen Fleisch gewonnen werden“, so Fuchs. „Mit dem biologischen Verfahren wird das natürliche Wachstum von Fett- und Muskelzellen nachgebildet. Die Zellen wachsen dann zu Muskelfasern zusammen.“

Muskelkater für die Fleischproduktion

Um größere Mengen an Fleisch herstellen zu können, benötigen die Muskelfasern besondere Faktoren, um das Wachstum anzuregen. Hier haben sich die Forscherinnen Anleihen in der Natur – vor allem bei Sportlern – genommen: Ein Muskelkater hat den Effekt, dass durch die Zunahme des Muskelfaservolumens die Muskeln wachsen.

Für die neue Produktionsform wird daher eine Kombination aus Hippo-Pathway-Inhibitoren und Myokinen verwendet. Die Signalmoleküle imitieren sportliches Training und regen die Fleischproduktion auf natürliche Weise an.

Herstellungskosten sinken massiv

Die bisher größte Herausforderung beim Herstellungsprozess ist das Medium, in dem die Fasern gezüchtet werden. „Mittlerweile ist es gelungen, bei der alternativen Produktion auf bislang nötiges und aus Kälbern gewonnenes Rinderserum gänzlich zu verzichten – ein Meilenstein“, so die Forscherin.

Das neue Verfahren sei nicht nur in ethischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht deutlich überlegen: Die Kosten für Rinderserum zeichnen für bis zu 95% des Preises verantwortlich. Durch den Verzicht von Rinderserum werden die Fleischalternativen billiger und damit konkurrenzfähiger. „Vor zwei Jahren war der Kilopreis bei ca. 5.000 Dollar, und das große Ziel ist, den Preis auf ca. 5 Dollar pro Kilo zu senken“, so Fuchs. Damit wäre ein weiter Weg geschafft: Immerhin kostete im Jahr 2013 der aufsehenerregende erste „Cultivated Meat Burger“ des niederländischen Forschers Mark Post noch ca. 325.000 Dollar pro Kilo.

Der Zeitrahmen

Freilich ist es mit den Kosten allein noch nicht getan: Damit Fleischalternativen sich breit durchsetzen können, müsse erstens die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung gegeben sein. Und zweitens müssen die entsprechenden Genehmigungsverfahren in der EU noch durchlaufen werden. Das Good Food Institute, eine internationale Non-Profit Organisation und acib-Partner im Projekt, die sich mit neuen Wegen in der Fleischproduktion befasst, spricht den neuen Methoden jedoch großes Marktpotenzial zu: In gut fünfzehn Jahren sollen demnach 20% des weltweit angebotenen Fleisches aus alternativen Produktionsmethoden kommen. Hinsichtlich der Umwelt- und Ressourcenprobleme des weltweit steigenden Fleischkonsums sei der Wandel jedenfalls unausweichlich.

 

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