04. Mai 2022   Bildung & Uni

Herdenimmunität: So bekommen Ameisen Seuchen in den Griff

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Universität Graz. Menschen schaffen es nur schwer Seuchen, in den Griff zu bekommen. Insekten hingegen haben erfolgreiche Strategien entwickelt – darunter Ameisen, zeigt eine Forschungsarbeit auf.

Kommen Ameisen mit einem Krankheitserreger in Kontakt, passen sie ihre Ernährung an und ergänzen diese mit einer sonst schädlichen Substanz. Ein Team rund um Dalial Freitak, Zoologin an der Universität Graz, zeigte jetzt am Beispiel einer Waldameisenart (Formica fusca), wie sich die Tiere selbst heilen können (Link zur Studie).

Ein guter Nährboden für Krankheiten

Ameisen leben auf engem Raum zusammen, bilden Millionen große Gemeinschaften und sind soziale Wesen. Genau diese Eigenschaften fördern die Übertragung von Krankheiten. „Nicht nur bei uns Menschen, auch bei den Ameisen“, beschreibt Dalial Freitak, Assoziierte Professorin am Institut für Biologie, das hohe Risiko. „Doch die Insekten haben Strategien entwickelt, um mit dieser Bedrohung fertig zu werden.“

Eine ganz besondere Taktik wendet die grauschwarze Sklavenameise an – eine Art, die in heimischen Wäldern stark vertreten ist. Sie bekämpft eine Erkrankung, die durch einen Pilz ausgelöst wird, mit Hilfe der Ernährung. „Wird eine Infektion in der Kolonie festgestellt, ergänzen die Tiere ihr Futter mit Wasserstoffperoxid, das grundsätzlich giftig ist“, schildert die Zoologin.

Diese flüssige Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff kommt übrigens in unseren Haushalten unter anderem als Desinfektions- und Bleichmittel zum Einsatz. Die Ameisen holen sich das Wasserstoffperoxid zum Beispiel von Blattläusen sowie aus Pflanzen, die Blattläuse haben. Freitak: „Wir haben festgestellt, dass die Insekten die Substanz auch sehr gut dosieren können, je nach Ausmaß der Infektion.“

Alle bekommen eine Dosis

Die Arbeiterinnen, die für die Fütterung zuständig sind, geben die desinfizierend wirkende Nahrung nicht nur an die erkrankten, sondern an alle Artgenoss*innen weiter. Damit schaffen sie eine – von uns in Zeiten der Covid-19-Pandemie ersehnte – Herdenimmunität und schützen so den gesamten Ameisenstaat.

Dalial Freitak hat die Fähigkeit zur Selbstheilung gemeinsam mit Jason Rissanen, Doktorand an der Universität Graz, sowie mit Wissenschafter*innen der finnischen Universitäten Helsinki und Oulu nachgewiesen. Für die Forscher*innen ein weiterer Beleg dafür, dass chemische Verbindungen für die Artenvielfalt und ein gesundes Ökosystem entscheidend sind, so die Uni.

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