Forschungsriese Fraunhofer schließt Normen-Pakt mit DIN

Kooperationsvereinbarung ©Christian Kruppa

Innovation & IP. Eine neue Kooperation zwischen DIN und der Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren 30.000 Mitarbeitern soll Europas Forschungsergebnisse und Innovationen stärker mit Prozessen der Normung und Standardisierung verknüpfen, so die Partner.

Den entsprechenden Kooperationsvertrag haben das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) und die Fraunhofer-Gesellschaft laut den Angaben jetzt unterzeichnet:

  • Das Deutsche Institut für Normung (DIN) ist eine Plattform für Normung und Standardisierung in Deutschland und weltweit, die laut den Angaben rund 36.000 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Forschung, von Verbraucherseite und der öffentlichen Hand einbindet. Vergleichbar sind Austrian Standards in Österreich oder die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV). Die europäische Dachorganisation ist CEN, Weltorganisation ist die ISO.
  • Die Fraunhofer-Gesellschaft gilt als größte europäische Organisation für anwendungsorientierte Forschung, mit rund 30.000 Mitarbeitenden. Sie ist u.a. in der industrienahen Auftragsforschung stark und eng mit den europäischen Hochschulen verbunden. Es bestehen Dependancen in fünf europäischen Ländern sowie weltweit.

Die Vereinbarung

Ziel des Paktes sei es, den Transfer von zukunftsorientierten Technologien in den Markt zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu verbessern. Darüber hinaus sollen die technologische und digitale Souveränität gestärkt werden. Im Bild: Christoph Winterhalter, Vorsitzender des Vorstands von DIN (li.) und Prof. Alexander Kurz, Vorstand Innovation, Transfer und Verwertung der Fraunhofer-Gesellschaft nach der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung.

Mit der Kooperation tragen Fraunhofer und DIN laut eigenen Angaben auch der EU-Standardisierungsstrategie Rechnung, die Anfang Februar 2022 veröffentlicht wurde. Die Strategie zielt darauf ab, die globale Wettbewerbsfähigkeit der EU zu stärken, den Wandel hin zu einer resilienten, grünen und digitalen Wirtschaft zu ermöglichen und demokratische Werte in Technologieanwendungen zu verankern.

Normen steigern die Wettbewerbsfähigkeit der EU

Normen und Standards sind laut EU-Kommission unverzichtbare Instrumente. Sie helfen Herstellern dabei, die Interoperabilität von Produkten und Dienstleistungen zu gewährleisten, die Kosten zu senken, die Sicherheit zu verbessern und Innovationen in marktfähige Produkte zu verwandeln. Sie unterstützen zudem den Wissenstransfer von Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft, heißt es.

Die Strategie der EU-Kommission sehe dazu ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor. Eines legt den Fokus auf die Förderung von Innovationen; dabei sollen Forschung und Innovation stärker mit den Prozessen von Normung und Standardisierung verknüpft werden. Die Kooperation von DIN und Fraunhofer leiste hierzu einen wesentlichen Beitrag: Die beiden Organisationen werden insbesondere in den zukunftsorientierten Forschungsfeldern Bioökonomie, Künstliche Intelligenz, Next Generation Computing, Quantentechnologie, Ressourceneffizienz, Wasserstofftechnologien, Smart Farming, Building Information Modeling (BIM) sowie weiteren Innovationsthemen zusammenarbeiten.

Außerdem wollen die Partner Impulse für spezielle Aus- und Weiterbildungsangebote im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften geben. Diese sollen das Verständnis für die Bedeutung von Normung schärfen und die Entwicklung entsprechender Kompetenzen fördern.

Bestehende Zusammenarbeit wird ausgebaut

Fraunhofer und DIN haben bereits verschiedene Projekte gemeinsam abgewickelt: Zusammen mit dem deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und weiteren Forschungspartnern wurde beispielsweise das Projekt „Zertifizierte KI“ aufgesetzt. Es soll die technische Zuverlässigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Technologie gewährleisten.

Fraunhofer-Vorstand Alexander Kurz: „Durch die immer zunehmende Zahl an neuen Produkten, Dienstleistungen und Technologien steigt auch die Bedeutung von Normen und Standards, die zentrale Elemente bei der Entwicklung marktfähiger Innovationen sind. Der frühzeitige Einbezug von Normungs- und Standardisierungs-Prozessen bei der Entwicklung von innovativen Technologien ist daher eine wichtige Voraussetzung für einen stabilen und vor allem schnellen Transferweg – insbesondere für deutsche und europäische Unternehmen, um ihre Lösungen schnell, breit und kostengünstig und in den Markt einzuführen und zu etablieren.“

 

    Weitere Meldungen:

  1. „Standards verhindern das Stehenbleiben im Tal des Todes“
  2. Immobilien: Neues Präsidium und neue Ziele für ÖGNI
  3. TÜV Austria Gruppe übernimmt spanische GIS
  4. Was die neue EU-Strategie für Normung bringen soll