18. Mai 2022   Business Recht

Ukraine-Krieg verändert die Sicht auf das Bundesheer

©ejn

Umfrage. Braucht Österreich mehr Heer? Die von Marketagent erhobenen Antworten auf diese Frage bleiben zwiespältig, doch es zeichnet sich ein Trend ab.

Nach dem Schattendasein der letzten Jahre hat der Ukraine-Krieg Relevanz und Zustand des heimischen Bundesheeres wieder stärker ins Blickfeld gerückt. Marketagent hat jetzt in einer Studie 500 Österreicherinnen und Österreicher zu Ansehen und Aufgaben der heimischen Streitkräfte befragt. Demnach sind jetzt 7 von 10 Befragten der Ansicht, dass Österreich bewaffnete Streitkräfte, also ein eigenes Bundesheer benötigt. Vor 10 Jahren, also im Jahr 2012, war nur gut die Hälfte dieser Meinung (57%).

Die Bedeutung wächst in den Augen der Österreicher

Während das Bundesheer hierzulande zuvor eher ein Schattendasein führte, hat seine Mitwirkung bei der Bewältigung der Coronapandemie wie auch aktuell der Krieg in der Ukraine seine Bedeutung im Bewusstsein der Bevölkerung gestärkt, so Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.

Das österreichische Militär darf sich auch über gute Imagewerte freuen: Fast jede*r zweite Befragte bescheinigt dem Bundesheer ein positives Ansehen – überholt nur von der Polizei mit 61% Zustimmung. Deutlich abgeschlagen im Ranking dagegen das Parlament (24%) und die Bundesregierung (21%).

Der NATO bescheinigt die Umfrage hierzulande ein eher verhaltenes Image. Während neben Finnland nun auch Schweden einen Beitritt in das Verteidigungsbündnis anstrebt, wird die Neutralitätsdebatte in Österreich weiterhin sehr verhalten geführt. Dies spiegelt sich auch in der Einstellung der Bevölkerung wider: Nur jeweils rund ein Drittel der Befragten vertraut der NATO bzw. bescheinigt ihr ein gutes Image.

Ein Heer als Krisenfeuerwehr

Als wichtigste Aufgaben des heimischen Bundesheeres sehen die Befragten klar die Katastrophenhilfe im Inland (85%). Dahinter folgen der Grenzschutz (77%) und die Landesverteidigung (66%). Auch wenn die Bedeutung des Heeres auf einem Höchststand liegt – in die Ausstattung und Schlagkraft der Streitkräfte hat man hierzulande wenig Vertrauen. Nur rund jede*r Sechste (17%) würde das Bundesheer als gut ausgestattet bezeichnen, lediglich 19% denken, dass die Streitkräfte schlagkräftig und jederzeit ausreichend einsatzbereit sind. Umgekehrt sind 6 von 10 der Ansicht, dass das Bundesheer kaputtgespart wurde.

„Hier sieht eine Mehrheit der Bevölkerung Handlungsbedarf. 71% sprechen sich dafür aus, dass das Heeresbudget erhöht wird. Die zusätzlichen Mittel wollen die Bürger*innen vor allem in die Katastrophenhilfe und die Landesverteidigung investiert sehen“, führt Schwabl aus.

Bedeutung groß, Wirkung gering?

Dass Österreich im Falle eines Angriffs große Erfolgsaussichten hätte, meint hierzulande kaum jemand. Lediglich 13% denken, dass wir uns im Kriegsfall erfolgreich verteidigen könnten. Vielleicht ein Mitgrund für die leicht gestiegene Attraktivität der Berufsarmee: 47% würden aktuell die Einführung eines Berufsheeres unterstützen, 40% befürworten die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht, 13% sind unentschlossen. Damit liegen die Mehrheiten genau entgegengesetzt zu 2012: Vor 10 Jahren sprach sich noch die Mehrheit von 49% für den Status Quo, also den Fortbestand der Wehrpflicht aus, so die Online-Meinungsforscher von Marketagent.

    Weitere Meldungen:

  1. Unternehmen behalten Steuerberater 15 Jahre lang
  2. Die Pandemie macht nicht alle Online-Riesen stärker
  3. So geht es der Hotellerie: Neue BDO-Umfrage
  4. Geldanlage: Österreich, Heimat der Ängstlichen