14. Jun 2022   Bildung & Uni Business

Mehr Hochwasser und Vermurungen durch Klimawandel

Uni Graz Hauptgebäude ©Uni Graz / cp-pictures

Umwelt. Laut einem Forschungsprojekt von Uni Graz und TU Graz fördert der Klimawandel extreme Niederschläge. Damit steige das Risiko für Hochwasser und Vermurungen, die Anforderungen an Wildbachverbauung & Co wachsen.

Anhaltende Regenfälle können zu Überschwemmungen führen. Flüsse und Bäche können während Hochwasserereignissen neben viel Wasser auch große Mengen an Sedimenten transportieren, was zu Vermurungen und erheblichen Schäden führen kann. Hochwässer zählen daher zu den primären Naturgefahren in den Alpen. Die Zunahme von Extremniederschlägen durch den Klimawandel wird das Risiko für solche Ereignisse noch weiter erhöhen, so das Ergebnis eines aktuellen Forschungsprojekts von Wissenschaftern der Uni Graz und der TU Graz am Beispiel des Schöttlbachs in der Obersteiermark.

Heutige Gefahren und simulierte Trends

2011 und 2017 erlebte die steirische Stadt Oberwölz besonders schlimme Hochwässer mit starken Vermurungen. „Allein 2017 wurden weit über 100.000 Kubikmeter Sedimentmaterial im Einzugsgebiet des Schöttlbachs mobilisiert, wovon nur 30.000 Kubikmeter in einem vorhandenen Rückhaltebecken aufgefangen werden konnten“, so Wolfgang Schöner vom Institut für Geographie und Raumforschung der Uni Graz über das Ausmaß der bewegten Massen. Die Folge waren unter anderem „Vermurungen sowie zerstörte Straßen und damit enorme Schäden“.

Um die weitere Entwicklung dieser Naturgefahr abschätzen zu können, simulierten die Forscher am Beispiel des Schöttlbachs verschiedene Szenarien bis ins Jahr 2100. Dazu kombinierten sie Modelle zum Abfluss und Sedimenttransport mit Daten aus Feldmessungen und Sensoren im Bereich des Schöttlbachs. Dabei kamen verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz, um Datengrundlagen für die Modellierungen zu erhalten: Auf Drohnen befestigte Laser und Kameras für die Bestimmung der Erosionsbereiche, in Steinen integrierte Radiosender und in Wildbachsohlen verbaute Metallplatten mit Beschleunigungssensoren zur Messung des Sedimenttransports, Niederschlags- und Abflussstationen.

Wildbäche können sich nicht mehr erholen

Das Ergebnis: Bei alpinen Flüssen wie dem Schöttlbach steigen laut den Berechnungen der Grazer Forscher extreme Hochwasserabflüsse bis Ende des Jahrhunderts um bis zu zehn Prozent, fasst Schöner ein Ergebnis der Studie zusammen. „Wenn Wildbachsysteme, inklusive ihrer Uferhänge, zwischen solchen Fluten keine Zeit haben, sich wieder zu stabilisieren, so wird jedes Mal überproportional mehr Schlamm und Geröll mitgerissen“, so der Wissenschafter.

Hochwässer, die in Abständen von weniger als zehn Jahren aufeinander folgen, seien daher besonders kritisch. In diesem Fall könnten bereits kleinere Ereignisse zum Problem werden. „Es ist daher davon auszugehen, dass die Mengen transportierter Sedimente insgesamt größer werden. Das sollte bei der Wildbachverbauung zukünftig berücksichtigt werden Die Ergebnisse dieses Projekts können damit in die Dimensionierung von Schutzbauwerken wie Geschiebesperren mit einfließen”, so Josef Schneider vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der TU Graz.

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