Der Social Impact von Immo-Investments: Studie von ULI, DLA Piper

©ejn

Studie. Immobilieninvestitionen und -entwicklungen verfügen alle über Potenzial, soziale Auswirkungen, so eine Studie von ULI und DLA Piper: Social Impact Investing biete marktübliche Renditen, sei risikoarm und oft förderwürdig.

Laut der aktuellen Studie des Urban Land Institute (ULI) in Zusammenarbeit mit der Anwaltskanzlei DLA Piper verfügen grundsätzlich alle Immobilieninvestitionen und -entwicklungen über das Potenzial, soziale Auswirkungen zu erzielen. Die Studie „Social Impact: Investing with Purpose to Protect and Enhance Returns“ komme zu dem Ergebnis, dass Immobilien mit relativ wenigen Anpassungen in der Strategie sowohl marktübliche Renditen erzielen als auch bewusst soziale Vorteile für Menschen, Kommunen und Standorte bieten können. Ein Social Impact-Ansatz könne zudem Vorteile beim Risikomanagement bieten, was der Rendite dient.

Lisette van Doorn, CEO des ULI Europe: „Immobilien haben per se Auswirkungen auf die Umgebung und damit die Gesellschaft. Zukünftig sollte bei diesem Thema ein überlegtes Vorgehen im Fokus stehen. In vielerlei Hinsicht ist das Modell von sozialen Auswirkungen nicht neu. Investoren sollten sich zukünftig der Denkweise von Immobilien-Nutzern nähern.“ Bei der globalen Wirtschaftskanzlei DLA Piper zeichnen die weltweiten Real Estate-Partner Susheela Rivers (Hong Kong), Antoine Mercier (Paris), John Sullivan (Boston) und William Naunton (London) für die Studie verantwortlich.

Was ist „Social Impact Investing“

Social Impact Investing spiele derzeit in den Bereichen Wohnungsbau, Gesundheitswesen, Bildung, Städtebau und Ortsgestaltung eine Rolle, aber es gebe bereits zahlreiche Beispiele auch bei anderen Assetklassen. Durch Impact-Strategien, die auf Wohlstand, Gesundheit, Bildung und Integration zielen, ist es laut der Studie möglich, Gentrifizierung ohne Verdrängung zu erreichen.

Die Untersuchung zeigt anhand globaler Fallstudien, dass Social Impact-Strategien den Wert von Vermögenswerten verbessern, indem sie die Nettoerträge steigern, das Risiko verringern, die Anfälligkeit für Marktzyklen senken und die langfristige Rentabilität sowie die potenzielle Wertsteigerung sicherstellen. Dazu werden im Rahmen der Studie sieben Fallstudien präsentiert:

  • Franklin Real Estate Asset Advisors (Social Infrastructure)
  • Chinachem Group (Central Market)
  • Nuveen (Impact Investing)
  • Victoria Yards (Johannesburg)
  • Turner Impact Capital (Charter Schools)
  • JBG Smith, Federal City Council FC2 (Washington House Initiative)
  • Macquarie Asset Management (Specialist Disability Accomodation)

Die Vorteile von Social Impact-Strategien werden vom Markt noch nicht in vollem Umfang realisiert, heißt es weiter: Nur 43 Prozent der Investoren, die sich an der Studie beteiligt haben, geben an, dass Social Impact-Strategien das finanzielle Risiko verringern und sich positiv auf die Rendite auswirken.

Großes Interesse an Europa

Die Studie zeige auf, dass das Interesse von Investoren an Social Impact-Strategien in Europa am größten ist, gefolgt von den USA. In Asien sei das Interesse dagegen derzeit am geringsten. Die Studienautor*innen möchten Investoren ausdrücklich ermutigen, Investitionen mit sozialer Wirkung in Betracht zu ziehen, da sie marktübliche Renditen erzielen, risikoarm sind und oft direkt oder indirekt durch öffentliche Mittel gefördert werden, heißt es weiter: Auch sozioökonomische Risiken können durch Social Impact Investing verringert werden.

Eine langfristige Frage

83 Prozent der Befragten geben an, dass der langfristige Anlagehorizont bei Investitionen mit sozialer Wirkung von zentraler Bedeutung ist. Gleichzeitig hemme dieser Faktor das Wachstum von Social Impact Investing, da er zu einem Ungleichgewicht bei der Allokation des Kapitals führen kann. Zudem sollten soziale Auswirkungen in die Strategie eingebettet sein, um sicherzustellen, dass sie auch bei einem Verkauf bestehen bleibt.

Sabine Georgi, Geschäftsführerin des ULI Deutschland/Österreich/Schweiz: „Die Untersuchung zeigt, dass die öffentliche Hand Nachholbedarf bei der Ermöglichung von Social Impact-Projekten hat. Viele politische Maßnahmen zielen nicht speziell auf Impact Investing ab, sind aber dennoch entscheidend für dessen Erfolg. Die Politik hat es in der Hand steuerliche Anreize, Finanzierungshilfen und Zugang zu günstigeren Krediten fördern.“

Ein Anstieg festgestellt

Insgesamt bestätige die Branche, dass ein Anstieg von Social Impact Investing verzeichnet wird. So geben 68 Prozent der Investoren und 97 Prozent der Investmentmanager an, dass ihre Aktivitäten in diesem Bereich in den nächsten drei Jahren zunehmen werden. Als wichtigste Faktoren werden von den Investoren öffentlicher Druck und Reputation (75 Prozent) genannt, dicht gefolgt von soziopolitischen Risiken (67 Prozent).

Susheela Rivers, Global Co-Chair des Immobiliensektors bei DLA Piper: „Die Akteure der Immobilienwirtschaft tragen Verantwortung für die gebaute Umwelt, die schon immer einen sozialen Einfluss gehabt hat, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Impact Investing kann aber nicht nur Leben verbessern, sondern hat auch eine wachsende kommerzielle Bedeutung, indem es den Nettozufluss erhöht, Kosten senkt und Sicherheit bietet.“

Die Methodik

Die Studie basiert auf 24 strukturierten Interviews mit Investoren, Investmentmanagern und -beratern, die an wirkungsorientierten Investitionen in Asien, Europa und den USA beteiligt sind. Bei der Umfrage, die im März und April 2022 durchgeführt wurde, haben sich laut den Angaben 198 Branchenvertreter beteiligt.

    Weitere Meldungen:

  1. Europäische Zensus-Daten „dürfen nicht in US-Cloud“
  2. „Mit 500 Vorlagen gestartet, heute sind es 1.700“
  3. Kontrons IT-Services gehen an Vinci: Die Kanzleien
  4. Neuer Kommentar zu Liechtensteins Stiftungen