WU Wien: Regeln für die Sharing Economy unter der Lupe

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Studie. Die Sharing Economy verspricht einen günstigen und ökologischen Zugang zu verschiedensten Produkten. Eine Forschungsgruppe der WU Wien hat untersucht, welche Regulationen dazu am besten geeignet sind.

Die Vernetzungsmöglichkeiten der Digitalisierung haben der Sharing Economy einen Aufstieg beschert. Ein unter mehreren Nutzern aufgeteilter Gebrauch von Autos, Wohnungen, Gärten, Werkzeugen und anderen Gütern verspricht wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Die neue Sharing-Welt verlangt von den einzelnen Teilnehmenden aber auch, dass sie die Spielregeln des Teilens einhalten.

Forscher der WU Wien haben in dem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt „Collaborative Consumption & Sharing Economy“ die möglichen Spielregeln untersucht. Im Projekt wurden sowohl Unternehmen wie der Carsharing-Anbieter car2go als auch Plattformen à la Airbnb sowie Gemeinschaften, die allein von ihren Mitgliedern getragen werden, wie etwa Gemeinschaftsgärten, untersucht.

Harte oder sanfte Regulation

Projektleiterin Eva Hofmann unterscheidet dabei zwei Arten von Regulationen, die Einfluss auf das kooperative Verhalten haben:

  • Die harte Regulation nutzt Bestrafungen und Belohnungen um das gewünschte Verhalten zu erreichen. Ein Carsharing-Unternehmen kann beispielsweise Geldstrafen in Form von Zusatzkosten einheben, wenn das Auto mit leerem Tank oder ungeputzt zurückgegeben wird.
  • Im Kontrast dazu kann aber auch eine sanfte Regulation genutzt werden. „Sie bedient sich beispielsweise einer gezielten Weitergabe von Informationen oder drückt sich durch eine besondere Expertise oder eine Vorbildfunktion aus“, so Hofmann.

Eine Untersuchung der Kommunikationsstrategien auf den Websites einschlägiger Sharing-Anbieter zeigte laut Studie, dass dort sehr stark mit harter Regulation gearbeitet werde, bei der Fehlverhalten sanktioniert wird. „Für uns war das überraschend. Wir hatten erwartet, dass im stärkeren Ausmaß eine sanfte Regulation kommuniziert wird, die auf Information und Vorbildwirkung setzt“, so Hofmann. „Denn die Laborexperimente, bei denen Sharing-Situationen mit verschiedenen Kombinationen von Regulationen durchgespielt wurden, zeigten, dass sanfte Regulation bessere Ergebnisse bei der Förderung kooperativen Verhaltens bringt – und das unabhängig von der Organisationsform des Sharing-Angebots.“

Regelbasierte und gelebte Kooperation

Bei Experimenten mit Gemeinschaftsgärten, bei denen zwei Gärten unterschiedlich reguliert wurden, zeigte sich ein weiteres Phänomen: „Sowohl harte als auch sanfte Regulation verloren rasch an Relevanz. Dennoch zeigte sich ein Trend, wonach sich die Menschen durchaus klare Strukturen und Verantwortlichkeiten, etwa wie in einem Verein, wünschen“, so die Forscherin. „Bei den Laborexperimenten hielten sich die Probanden sehr genau an die Regeln. In der Praxis ist es aber auch wichtig die Kooperation kommunikativ zu leben und sich laufend auszutauschen.“

Die Forschenden erhoben in ihren Umfragen übrigens auch, welche Motivationen die Menschen zu den Sharing-Angeboten führten. Ein Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass Beweggründe wie „Umweltschutz“ oder „verstärkter sozialer Austausch“ für die Teilnehmenden weniger Bedeutung haben als gedacht.

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