„Mit 500 Vorlagen gestartet, heute sind es 1.700“

Rainer Kraft, Birgit Kronberger ©StefanHaeusler_com / Vorlagenportal_at

Legal Tech. Vorlagenportal.at wächst vor allem dank des Inputs der User, sagen Geschäftsführerin Birgit Kronberger und Geschäftsführer Rainer Kraft: Zu Personalverträgen & Co kamen inzwischen Webinare und ein Altersteilzeitrechner.

Extrajournal.Net: Was war die Überlegung hinter dem Start von Vorlagenportal.at, wie entwickelt es sich?

Birgit Kronberger: Wir sind beide im Beratungsbereich tätig und haben uns in gewisser Weise etwas geschaffen, das wir uns bei der Arbeit immer gewünscht haben. Es wird selbst für HR-Profis immer schwieriger, den Überblick über die Neuerungen zu behalten. Wir bieten kurzfristig verfügbare Vorlagen für zahlreiche Anwendungsfälle. Gestartet sind wir nach jahrelanger Vorbereitungszeit am 1. Jänner 2018. Inzwischen gibt es auch Webinare und einen monatlichen Newsletter, wir haben eine Datenbank mit Musterschriften und bieten z.B. einen Altersteilzeitrechner an. Bei diesem werden die Daten des Users direkt in einen Auszug des AMS-Formulars eingetragen, wir bleiben also möglichst praxisnah.

„User soll nicht bei null beginnen“

Es gibt schon lange digitale Informationsangebote für Rechts- und Steuerprofis. Was unterscheidet Ihre Herangehensweise von den anderen?

Rainer Kraft: Am Markt gab es damals Datenbanken zum Recht usw., wirklich toll zum Recherchieren. Wir hatten aber immer schon die Sachbearbeiter vor Augen. Nehmen Sie das Beispiel der Mitarbeitervereinbarung zur Arbeitszeit. In der Fachliteratur steht dazu, dass sie wichtig ist, dass man eine machen soll – und wo man dazu überall nachlesen kann. Aber wie sieht eine solche Mitarbeitervereinbarung eigentlich aus? Wir bieten dazu eben die Vorlage, also muss der User nicht bei null beginnen.

Birgit Kronberger: Es hilft uns, dass wir unsere eigenen User der ersten Stunde sind. Rainer Kraft macht Rechtsberatung, ich bin in der Lohnverrechnung tätig. Allerdings ist das Vorlagenportal für uns beide längst zum hauptberuflichen Standbein geworden, wir haben heute vier bis fünf Mitarbeiter, darunter eine eigene Juristin für die Vorlagenerstellung. Aber wir sind beide weiterhin selbst beratend tätig und wollen das auch bleiben – es hilft uns, am Puls der Zeit zu bleiben.

„Wir glaubten 500 Vorlagen würden reichen, jetzt sind es 1.700“

Wie hat sich das Portal entwickelt, wie viele Vorlagen bieten Sie an?

Rainer Kraft: Gestartet sind wir mit 500 Vorlagen, aktuell sind es etwa 1.700. Und monatlich haben wir etwa 35.000 Zugriffe auf die Homepage. Diese Entwicklung hat uns selbst überrascht, wir haben erwartet mit den ersten fünfhundert Vorlagen jahrelang auszukommen. Es war dann sehr user-getrieben, denn die User haben sehr rasch konkrete Anfragen nach neuen Vorlagen gestellt, die wir zu erfüllen versuchen. Im Moment schätzen wir dass der Plafond etwa bei 5.000 Vorlagen erreicht sein könnte.

Welche Themen werden von den Kunden besonders nachgefragt?

Birgit Kronberger: Das hängt stark von den aktuellen Umständen ab. Der erste Corona-Lockdown war sozusagen die Zeitenwende für uns, es gab plötzlich hunderte Anfragen pro Tag in Sachen Vorlagen zur Kurzarbeit. Das hat sich dann wieder beruhigt, die Regeln rund um Corona blieben aber jahrelang im Fokus. Zum Beispiel brauchten Arbeitnehmer bekanntlich eine Bestätigung, wenn sie aus beruflicher Notwendigkeit in der Lockdown-Zeit unterwegs sein mussten. Wir haben eine solche Lockdown-Ausnahmebestätigung dann über Nacht erstellt.

Rainer Kraft: Derzeit rückt die Teuerungsprämie in den Fokus. Es scheint leider so zu sein dass dieses Instrument zwar auf einer guten Grundidee basiert, aber Österreich-typisch überbürokratisiert wird. Es droht sozusagen zu einem Bürokratiemonster zu werden, was wir auch in unserer Stellungnahme im Begutachtungsverfahren thematisiert haben. Auch die Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist derzeit ein wichtiger werdendes Thema. Wir erwarten, dass die Lohnpfändung wieder mehr zum Thema wird, bei Insolvenz-Vorlagen könnte das auch so sein.

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