Erster Physik-Nobelpreis für Österreich seit 1945

Anton Zeilinger ©ÖAW / Sepp Dreissinger

Stockholm. Quantenphysiker Anton Zeilinger erhält gemeinsam mit Alain Aspect und John F. Clauser den Nobelpreis für Physik. Insgesamt gab es bisher erst vier österreichische Preisträger, der erste war Erwin Schrödinger.

Quantenphysiker Zeilinger wird gemeinsam mit Alain Aspect (Frankreich) und John F. Clauser (USA) für seine wegweisenden Forschungen ausgezeichnet. Wie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften heute bekanntgab, erhält Zeilinger den Preis insbesondere für seine bahnbrechenden Arbeiten zum quantenphysikalischen Phänomen der Verschränkung.

Die Auszeichnung

Gratulationen kommen vom Bundespräsidenten, zahlreichen weiteren Persönlichkeiten und der wissenschaftlichen Welt. Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), gratuliert Zeilinger (der sein Vorgänger als ÖAW-Präsident war), sowie ÖAW-Auslandsmitglied Alain Aspect: „Der Gewinn des Nobelpreises ist eine Sensation und hochverdient. Zeilinger hat bahnbrechende Ergebnisse in seinem Forschungsbereich erzielt“, so Faßmann: Das Forschungsland Österreich habe „wieder an die internationale Spitze aufgeschlossen. Dieser Weg darf jetzt nicht verlassen werden.“ Öffentlich gratulierten heute weiters der Wissenschaftsfonds FWF, das Land Niederösterreich u.v.m. Unter den Gratulanten ist auch die Uni Wien, deren Professor für Experimentalphysik Zeilinger von 1999 bis 2013 war, sowie die Uni Innsbruck, an deren Institut für Experimentalphysik er von 1990 bis 1999 forschte.

Zeilinger ist der erste österreichische Physik-Nobelpreisträger seit 1945: Erstmals ging der Nobelpreis für Physik im Jahr 1933 nach Österreich, damals an den weltbekannten Forscher Erwin Schrödinger für die Weiterentwicklung der Quantenmechanik. 1936 erhielt ihn Franz Hess für die Entdeckung der kosmischen Strahlung, 1945 Wolfgang Pauli für das als Pauli-Prinzip bezeichnete Ausschlussprinzip.

Die Vita des Preisträgers

Zeilingers wissenschaftlicher Werdegang führte den 1945 gebürtigen Oberösterreicher unter anderem ans Massachusetts Institute of Technology MIT, die Technische Universität München und an das Collège de France, sowie als Professor für Experimentalphysik nach Innsbruck und als Professor an die Universität Wien. Seine Forschungsarbeiten konzentrierten sich insbesondere auf das Gebiet der quantenphysikalischen Verschränkung, die rätselhafte Verbindung zwischen zwei Teilchen, die unabhängig von ihrer Entfernung einen identischen Zustand annehmen.

Hier gewann Zeiliger Erkenntnisse, die sich nicht zuletzt für zukünftige Anwendungen wie die Quantenkryptographie und das Quanteninternet als überaus wertvoll erwiesen, heißt es bei der ÖAW weiter. Dieses Anwendungspotential demonstrierte der Physiker in zahlreichen Experimenten, wie etwa 2017 mit dem weltweit ersten quantenkryptographisch verschlüsselten Video-Telefonat über zwei Kontinente zwischen Wien und Peking.

Unter den zahlreichen Preisen und Auszeichnungen, die Zeilinger für seine Arbeiten erhielt, finden sich das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, der Descartes Preis der Europäischen Kommission, die Isaac Newton Medaille (UK), der Orden Pour le Mérite, der Israelische Wolf Preis und der chinesische Micius-Preis. Zeilinger ist Mitglied zahlreicher internationaler Forschungsvereinigungen und gehörte auch schon vor der Verleihung des Nobelpreises zu den öffentlich bekanntesten Forschenden Österreichs.

    Weitere Meldungen:

  1. Tommy Hilfiger neu am Graben mit Colliers
  2. Nanolöcher werden sichtbar bei der TU Graz
  3. Höchste EU-Förderung für „Quanten-Kino“ der Uni Graz
  4. Alexander Milla ist jetzt Anwalt bei Hasch und Partner