ECEC 2022: 7.500 Besucher aus 140 Ländern

Achim Weick ©EQS Group

Tools & Trends. Bei Europas größter Compliance-Konferenz ECEC waren 7500 Teilnehmende dabei. Neben Whistleblowing war ESG beherrschendes Thema. Um den ECEC Award ritterten Österreich und die Schweiz.

„Leben wir in einer Welt, die gezwungen ist, gut zu sein?“ – unter diese Kardinalfrage stellte Veranstalter EQS Group die virtuelle European Compliance & Ethics Conference (ECEC), die heuer zum dritten Mal stattfand. Positioniert als größtes Branchentreffen dieser Art in Europa, soll der Event aktuelle Entwicklungen wie heuer beispielsweise den Start der gesetzlichen Regelungen zu Hinweisgebersystemen in Deutschland und Österreich in den Mittelpunkt stellen.

Die Zahl der User zeigte wieder einmal eindrucksvoll, dass Compliance, Ethik und ESG längst keine Nischenthemen mehr sind, heißt es bei den Veranstaltern: Demnach verfolgten mehr als 7500 Teilnehmende die 40 Sessions mit über 80 Speakern. Zum Programm gehörten Keynotes, Vorträge, nationalen Breakout-Sessions, Interviews und einer Podiumsdiskussion, erneut moderiert von Tania Higgins. Es wurde in 140 Länder gestreamt, sogar aus Samoa waren erstmals Zuschauer zugeschaltet.

„Es wird Zeit zu handeln“

Achim Weick, CEO und Gründer der EQS Group, mahnte bei der Begrüßung eindringlich, dass es höchste Zeit sei zu handeln: „Wir haben enorme Schulden gegenüber der Umwelt und der Gesellschaft gemacht, die wir zurückzahlen müssen. Dafür braucht es neben intrinsischer Motivation auch Transparenz und klare Regeln, wie durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und das Hinweisgeberschutzgesetz, die bald in Kraft treten.“

Marcus Sultzer, Mitglied des Vorstands der EQS Group AG, zeigte sich überzeugt, dass die neuen Regulierungen für die meisten Compliance-Experten keine lästige Pflicht sind: „Ich habe bei der ECEC gesehen, wie begeistert und engagiert sich unsere Speaker für eine integre Unternehmenskultur einsetzen. Das zeigt: Compliance macht auch Spaß.“

Die Programmpunkte

Auch heuer ging es bei der ECEC um Theorie und Praxis der Compliance, für die der Gastgeber ja auch entsprechende Tools anbietet. Sprecher Xavier André Justo, der einen der größten Finanzskandale der Welt aufdeckte, musste auf dramatische Art erleben, welche harten Konsequenzen Whistleblowern drohen, wenn sie vom Gesetzgeber nicht geschützt werden, hieß es bei dem Event: „Ich bin bankrott, habe anderthalb Jahre meines Lebens mit meinem Sohn und meiner Frau verloren – und leide wegen der Entscheidung, aber ich würde es wieder so machen“, erklärte der Schweizer. Seine Informationen hatten aufgedeckt, dass der malaysische Staatsfonds 1MDB regelrecht ausgeplündert wurde. Schaden: fast 5 Milliarden Dollar.

Klare Regeln auch bei ESG

Erstmals nahm in diesem Jahr das Thema ESG (Environment, Social, Governance) einen breiteren Raum auf der ECEC ein. Den Stellenwert dieses noch recht jungen Fachgebiets verdeutlichte Ethik-Unternehmensberaterin Bettina Palazzo: „Die Toleranz für schlechtes Verhalten von Führungskräften ist dramatisch gesunken – bereits im Jahr 2018 wurden in den USA mehr Vorstände wegen ethischem Fehlverhalten entlassen als wegen schlechter Finanzergebnisse.“

Die Frage, ob wir Vorschriften für eine bessere Welt brauchen, beantwortete auch Ursula Bittner von Greenpeace Österreich mit einem eindeutigen Ja: „Die Zeit der Freiwilligkeit ist vorbei. Es ist sehr wichtig, dass die Unternehmen ihr Kerngeschäft nachhaltiger gestalten, dazu gehört neben klaren Regeln auch ein Bewusstseinswandel in der Gesellschaft“, erklärt die NGO-Spezialistin, die bei ihrer Arbeit unter anderem das Greenwashing beleuchtet, also die irreführende und beschönigende Kommunikation über die eigenen Geschäfts- und Umweltpraktiken.

ECEC Award geht erstmals in die Schweiz

Dass es bereits viele positive Beispiele für gute Unternehmensführung gibt, zeigen laut EQS Group in jedem Jahr die zahlreichen Bewerbungen für den „ECEC Award“. Erstmals ging die Auszeichnung für herausragende Compliance-Projekte in die Schweiz. Im Live-Voting entschieden sich die ECEC-Teilnehmende für die Novartis AG, die sich im Finale mit ihrer Compliance-Initiative knapp gegen den TÜV Austria durchsetzte.

„Es ist vorbildlich, wie Novartis die Verhaltenswissenschaften einsetzt, um die psychologische Sicherheit zu fördern, die für den Aufbau einer Speak-up-Kultur unerlässlich ist“, so Jury-Mitglied Christian Hunt, Gründer und CEO von Human Risk. Er nahm gemeinsam mit EQS-Vorstand Marcus Sultzer die Siegerehrung vor.

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