Jetzt kommt die nachhaltige Quanten-Forschung

Matthias C. Kettemann ©HBI

Trend der Zeit. Österreich ist ein Zentrum der Quanten-Forschung: Um die daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen zu verstehen gründet die Uni Innsbruck mit Partnern das „Innsbruck Quantum Ethics Lab“ (IQEL) – von Technik über Recht bis Theologie.

Tirol ist eines der Zentren der Entwicklung neuer Quantentechnologien – durch den Physik-Nobelpreis für Anton Zeilinger als Forscher in Wien und Innsbruck wurde dies erst kürzlich öffentlichkeitswirksam unterstrichen. Um die von den Quantentechnologien angestoßenen gesellschaftlichen Wandlungsprozesse zu verstehen und entsprechenden Rahmenbedingungen entwickeln zu können, gründet die Universität Innsbruck nun das Innsbruck Quantum Ethics Lab (IQEL), in dem Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten werden, wie es heißt.

Gesellschaftliche Veränderungen im Blick

Mit den Quantentechnologien zusammenhängende Innovationspotenziale können gesellschaftliche Wandlungsprozesse anstoßen. Deshalb müssen neue technische Entwicklungen stets auf ihre Wirkungen auf Menschen und Gesellschaft befragt und ethisch flankiert werden, so die Uni: Gleichzeitig müsse aber die Freiheit Neues zu schaffen, gewahrt bleiben. „In diesem Spannungsfeld will das Innsbruck Quantum Ethics Lab (IQEL) gesellschaftliche Mehrwerte schaffen“, sagt IQEL-Leiter und Digitalrechtsexperte Matthias C. Kettemann vom Institut für Theorie und Zukunft des Rechts. Angesiedelt am Digital Science Center (DiSC) der Universität Innsbruck soll die neue Einrichtung laut einer Aussendung der Uni sicherstellen, dass entsprechende Regulierungsansätze weder zu Innovationseinbußen noch zu sozialen Kosten führen, wie es darin heißt.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Zur Sicherung der trans- und interdisziplinären Zusammenarbeit werde das IQEL von einem Konsortium aus Forschungseinrichtungen innerhalb und mit Verbindung zur Universität Innsbruck getragen.

  • Gründungspartnerinnen sind demnach die Universitätsinstitute für Experimentalphysik, Philosophie, Christliche Philosophie und Systematische Theologie und das Institut für Theorie und Zukunft des Rechts.
  • Dazu gesellen sich das Digital Science Center, der Beirat für ethische Fragen in der wissenschaftlichen Forschung und das Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck.
  • Ebenfalls beteiligt sind die Tiroler Quanten-Spin-offs AQT (Alpine Quantum Technologies GmbH) und ParityQC sowie das Gründer- und Innovationszentrum InnCubator.

„Der richtige Zeitpunkt“

Während Quantentechnologie aktuell stark gefördert wird, gebe es in Österreich noch kein Forschungszentrum, das sich den sozialen, politischen, ethischen und rechtlichen Aspekten des Quantenzeitalters widmet. Es sei daher der richtige Zeitpunkt, wie der Leiter des Instituts für Experimentalphysik, Gregor Weihs, festhält: „Jetzt ist der Zeitpunkt, an ethischen und rechtlichen Fragen von Quantentechnologien zu arbeiten, Netzwerke aufzubauen und vor allem die anerkannte wissenschaftliche Stärke der Universität Innsbruck in der Quantenphysik auch um eine ethische Perspektive zu erweitern.”

„Die Institute für Theoretische und Experimentalphysik und das Akademie-Institut für Quantenoptik und Quanteninformation bilden gemeinsam ein weltweit beachtetes Zentrum für die Entwicklung der Grundlagen für zukünftige Quantentechnologien“, so Rektor Tilmann Märk: „Die Einrichtung des IQEL zur Erforschung gesellschaftlicher Aspekte dieser Technologien ist ein logischer nächster Schritt und wird die Alleinstellung der Universität Innsbruck in diesem Bereich nachhaltig stärken.“

Wer die übrigen Partner sind

An den Instituten für Philosophie, Systematische Theologie und Christliche Philosophie, am Institut für Theorie und Zukunft des Rechts und am Digital Science Center werde interdisziplinär an der Schnittstelle von Ethik, Recht und Technik geforscht. Das Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) wiederum koordiniert laut den Angaben die Genderforschung an der Universität Innsbruck und untersuche strukturelle Machtungleichgewichte in gesellschaftlichen Figurationen. „Technologische Entwicklungen sind nie nur für sich zu betrachten, sondern sind eingebettet in gesellschaftliche Verhältnisse. Es ist deshalb sehr wichtig, solche Entwicklungen auch kultur- und sozialwissenschaftlich zu untersuchen“, so CGI-Leiterin Gundula Ludwig.

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