25. Nov 2022   Bildung & Uni Business Motor Tech

Architektur im Weltraum: Neuer MBA von der TU Wien

Sandra Häuplik-Meusburger ©Ernst Kainerstorfer

Space Architecture. Bauen für ein Leben im Weltall bietet die Technische Universität Wien (TU) jetzt als neuen Lehrgang an: Der neue „Space Architecture“-MBA ist das erste Programm seiner Art in Europa, so die TU.

„Baustellen im All, Science-Fiction oder Realität?“ betitelt die TU Wien selbst ihre Aussendung zum neuen Lehrgang. Die Antwort lautet: Eher Letzteres, denn mit dem aktuellen ESA-Kongress und der möglicherweise ersten Österreicherin im All ist die Erforschung des Weltraums wieder in aller Munde. Mit dem jüngsten Start der Artemis-Rakete der NASA und der Tatsache, dass immer mehr Milliardäre privat in den Weltraum fliegen, scheint es eine Renaissance der Weltraumbegeisterung der 1960er zu geben, so die TU Wien. Gar nicht zu reden von den ehrgeizigen Plänen eines gewissen Elon Musk („Starship“) natürlich – sofern dieser neben seinen aktuellen Twitter-Turbulenzen noch Zeit für den Weltraum hat.

Aufgaben für die österreichische Industrie

Die österreichische Industrie und Forschung möchte jedenfalls am neuen Aufbruch ins All maßgeblichen Anteil nehmen, mit zahlreichen Entwicklungen und Bauteilen für bekannte Raumfahrtprogramme tut sie es schon jetzt. Doch während eine Reise in den Weltraum für einen Großteil der Bevölkerung ein ferner Traum bleibt, haben die Wissenschaftler*innen der TU Wien jetzt ein größeres Ziel vor Augen: Forschung auf dem Mars.

In den letzten sechzig Jahren wurden Raumstationen zu Forschungszwecken in die untere Erdumlaufbahn geschickt und Pläne für kommerzielle Stationen sind seit einiger Zeit in Arbeit, ebenso wie potenzielle Raumstationen auf der Mondoberfläche, heißt es dazu weiter: Weltraumarchitektur könne helfen, Raumstationen auf dem Mars zu bauen und somit Astronaut*innen zu ermöglichen, das zu erforschen, was wir heute „Deep Space“ nennen.

Diese Space Architecture lehne sich dabei an klassische Architekturfacetten an und kombiniert sie mit Psychologie sowie Erkenntnissen aus der Biologie und dem Ingenieurwesen, um einen interdisziplinären Ansatz zu schaffen, der menschliches Leben auf bisher unbewohnbarem Terrain wie dem Mars ermöglicht.

Eine Station am Mars braucht den Wohlfühlfaktor

Während der Weltraum bisher ein Arbeitsfeld rein für Ingenieur*innen war, ist die Schaffung einer Umgebung, die besonders auf langen Missionen Wohlbefinden schafft, entscheidend, so die TU: Das übergeordnete Ziel der Weltraumarchitektur sei es daher, Wege zu finden, wie sich der Mensch im Weltraum entfalten und nicht nur überleben kann.

CYCLOPShub Konzept für eine Mondbasis ©Ottokar Benesch, Daniel Galonja, Thomas Milchram, Vittorio Rossetti

Das bedeutet einerseits die Monotonie kleiner Räume zu durchbrechen sowie die Risiken der Isolation zu mindern und andererseits Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen. Im Bild: „CYCLOPShub“, ein Konzept für eine Mondbasis der Architekturstudenten Ottokar Benesch, Daniel Galonja, Thomas Milchram und Vittorio Rossetti.

Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, müssen Weltraumstationen und künftige Lebensräume nicht nur funktional sein, sondern auch den menschlichen Bedürfnissen nach Komfort und Geselligkeit entsprechen. Dies ist aber kein leichtes Unterfangen, denn dazu müssen Materialen gefunden werden, die den extremen Witterungsbedingungen auf anderen Planeten standhalten können.

Die Suche nach Werkstoffen

Die Materialfrage ist auch eine der größten Herausforderungen und einer der Hauptschwerpunkte der Forschung und Lehre im EMBA Space Architecture an der TU Wien. Das Programm ist das erste seiner Art in Europa und da nicht nur weltweit, sondern auch in Österreich immer mehr in Weltraumforschung investiert wird, scheint es genau zur rechten Zeit zu kommen, hofft die TU.

Denn es gibt mehrere laufende Forschungsprojekte und Konzeptausschreibungen der NASA wie zukünftige Gebäude und Gesellschaften auf dem Mond aussehen könnten. Diese beschäftigen sich damit, wie man Strukturen wie ihre ursprünglichen erdgebundenen Kulturen nachbauen kann. Dazu gibt es auch schon Stationen, die in der Arktis gebaut wurden und bei denen überprüft wird, wie sich welche Materialien in den extremen Wetterbedingungen im Weltraum verhalten.

Zu verstehen, wie sich Materialien ohne den Einfluss der Schwerkraft verhalten oder ob Mondstaub als Strahlenschutz oder als Grundlage für den 3D-Druck verwendet werden kann, sei essentiell für die menschliche Zukunft im All und somit ein Kerngebiet der Forschung der Lehrgangsleiterin Sandra Häuplik-Meusburger vom Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien.

Was der Weltraum-Lehrgang bietet und kostet

Der Lehrgang „Space Architecture MBA“ an der TU Wien Academy for Continuing Education ist konkret auf drei Semester (plus Erstellung der Masterthese) ausgelegt und schließt mit einem „Executive Master of Business Administration (EMBA) in Management & Technology | Space Architecture“ ab (90 ECTS-Punkte). Zielgruppe sind laut den Angaben nicht primär Techniker, sondern generell Führungskräfte, „High Potentials“ und am Weltraummarkt-Interessierte. Verlangt werden neben einem akademischen Erst-Abschluss drei Jahre Berufserfahrung und das Bestehen eines Aufnahmegesprächs; der Lehrgang selbst ist dann berufsbegleitend und geblockt in Modulen angelegt.

A propos: Wer beim nächsten Starttermin im März 2023 mit der TU in die Gefilde der Space Architecture abheben will, muss dafür vergleichsweise tief in die Tasche greifen – die Kursgebühren liegen laut Website bei 27.400 Euro (wobei ein Flug in den Weltraum natürlich nicht zum Programm gehört). Zum Vergleich: Beim allgemein ausgelegten „General Management MBA“ der TU sind es 22.900 Euro, bei den Immobilien- bzw. Bau-MBAs oder dem „General Engineering“-MBA nur 18.000 bis 20.000 Euro.

„Wir planen für die Zukunft“

„Ich freue mich sehr, dass wir an der TU Wien diesen MBA anbieten können, das ist einzigartig. Wir versuchen im Lehrgang Forschung und Wissen zu verknüpfen. Architekt*innen arbeiten immer vorausschauend, sie planen für die Zukunft und beeinflussen dadurch auch indirekt die Zukunftstrends. Wir können mit unserer Vision aufzeigen, wie wir die Zukunft besser gestalten können und Katalysator für neue Technologien sein.“ so Lehrgangsleiterin Häuplik-Meusburger in einer Aussendung.

Für sie ist die Forschung nicht nur deshalb wichtig, weil sie uns helfen könnte, den Weltraum bewohnbar zu machen, sondern auch, weil diese Erkenntnisse einen aktuellen positiven Einfluss auf die Erde haben. Da Weltraumarchitekten für Leben unter extremen Bedingungen entwerfen, um in der Zukunft die Lebensbedingungen der Menschen im Weltraum in extrem schwierigen Klimazonen zu verbessern, werden auch Erkenntnisse gewonnen, die letztendlich dazu beitragen, den Klimawandel auf der Erde zu mildern und das Leben auf der Erde nachhaltig zu verbessern, heißt es.

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