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Österreichs Strommarkt muss dezentraler werden, so EY

Christina Khinast ©EY / Christina Häusler

Energie & Versorgung. Laut einer aktuellen Studie speisen 10% aller heimischen Haushalte mit eigener Photovoltaik-Anlage in das Stromnetz ein. Der Weg zur dezentralisierten Stromversorgung ist also noch weit, so EY. Dennoch sei dies die Zukunft.

96 Prozent der heimischen Haushalte beziehen zumindest teilweise ihren Strom von Stromlieferanten, jeder Zehnte (10 %) speist Strom aus Eigenproduktion wie z.B. einer Photovoltaikanlage ein, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens EY. „Das zeigt eine starke Abhängigkeit der österreichischen Haushalte von zentralen Anbietern. Dabei liegt die Zukunft der Energieversorgung in der dezentralen Stromerzeugung, in der jeder Haushalt gleichzeitig Stromkonsument als auch -erzeuger ist“, so Christina Khinast, Leiterin des Bereichs Energie bei EY Österreich.

Diese Zukunft stelle die heimischen Energieversorgungsunternehmen freilich auch vor gewisse Herausforderungen: Die Hälfte der befragten Energieunternehmen gab an, sich in den nächsten zwei bis drei Jahren mit dem Thema Eigenerzeugung und -verbrauch der Kunden besonders auseinandersetzen zu müssen, so Khinast.

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Hinsichtlich Wärmegewinnung ist Gas im Moment die meistgenutzte Quelle. Über ein Viertel (27,2 %) der österreichischen Haushalte nutzt aktuell Gas zum Heizen und zur Erzeugung von Warmwasser,
  • dicht gefolgt von Fernwärme (26,2 %).
  • Knapp dahinter kommen Pellets- bzw. Holzheizungen, die aktuell jeder fünfte Haushalt verwendet (22,4 %).
  • Nach wie vor haben zehn Prozent eine Ölheizung, die nur noch bis 2035 betrieben werden darf.
  • Luft-Wasser-Wärmepumpen sind bei neun Prozent im Einsatz,
  • etwa vier Prozent nutzen Infrarot, so die Studie.

Ausbau von erneuerbaren Energiequellen

Der Ausbau erneuerbarer Energiequellen ist für Energieversorger nach den Preisentwicklungen von Strom und Gas infolge des Ukrainekriegs das Thema, mit dem sie sich zurzeit am intensivsten auseinandersetzen, so Khinast: „Dieser Ausbau kostet vor allem Geld. Geld, das zumindest die Konsumenten nicht zu zahlen bereit sind. Die Aufpreisbereitschaft für grüne Energie liegt bei rund acht Prozent und zwei von fünf Endkunden wollen für grüne Energie nicht mehr Geld bezahlen.“

Beim Energiesparen helfen könnte der Einsatz von intelligenten Stromzählern, sogenannte Smart Meter. Diese müssen von den Energieversorgern in Österreich per Gesetz in den nächsten Jahren in allen österreichischen Haushalten installiert werden. Bis Ende des Jahres werden laut Prognosen 77 Prozent installiert sein. Ende 2023 sollen 89 Prozent der Haushalte mit Smart Metern ausgestattet sein.

Fachkräftemangel als größte Herausforderung

Aktuell sind die befragten Energieversorger vor allem durch die Preisentwicklungen infolge des Ukrainekriegs gefordert (88 %). In den nächsten zwei bis drei Jahren dürfte aber nach wie vor die Gewinnung geeigneter Fachkräfte (71 %) die größte Herausforderung für Energieversorger bleiben. „Wie in den Vorjahren ist der Fachkräftemangel langfristig das schwerwiegendste Thema für die Branche. Wir stehen vor einem der größten Umbrüche am Energiemarkt in der Geschichte, wenn wir es mit der Klimaneutralität ernst meinen. Die Energiewende kann aber nur gelingen, wenn das richtige Personal zur Verfügung steht“, so Khinast.

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