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Vielfalt macht Arbeitgeber attraktiv, so PwC

Nadia Arouri ©PwC Österreich

Recruiting. Vielfalt am Arbeitsplatz kann ein entscheidender Faktor bei der Arbeitgeberwahl sein, so PwC. In Sachen Diversität, Fairness und Inklusion mangle es heimischen Unternehmen aber noch an klaren Plänen.

Österreich ist die Vielfalt am Arbeitsplatz wichtig – mehr noch, es sei ein entscheidender Faktor bei der Arbeitgeberwahl. Die Forderungen von Arbeitnehmenden nach mehr Diversität, Fairness und Inklusion am Arbeitsplatz werden lauter, jedoch mangelt es heimischen Unternehmen oftmals noch an klaren Konzepten und Strategien zur Umsetzung. Das sind laut den Angaben die Kernergebnisse einer aktuellen Umfrage zur „Vielfalt am österreichischen Arbeitsmarkt“ von Kommunikationsagentur Ketchum und Beratungsunternehmen PwC Österreich.

Die Studie wurde jetzt im Rahmen des WEconomy Diversity Leaders Exchange – Jahrestreffens präsentiert. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage des Marketagent Instituts, die im November 2023 unter 500 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren in ganz Österreich durchgeführt wurde. Die Ausgangsstichprobe wurde gewichtet und ist laut den Angaben repräsentativ für die österreichische Gesamtbevölkerung.

Ein Must, nicht Nice-to-Have

„Diversität und Inklusion in der Arbeitswelt sind heute weit mehr als ein ‚nice-to-have‘. Sie sind grundlegende Voraussetzungen für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg und denken wichtige gesellschaftliche Werte neu. Unsere Studienergebnisse verdeutlichen dabei auch klar die zunehmende Wahrnehmung und Bedeutung für Arbeitnehmende“, so Nadia Arouri, Leiterin des People & Culture Consulting Teams bei PwC Österreich.

„Die Themen Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion sind mittlerweile wichtige Entscheidungskriterien bei der Jobsuche geworden. Diversity Management steht bereits durch den Generations- und Wertewandel auf vielen Agenden. Den österreichischen Unternehmen fehlt es jedoch oftmals noch an passenden Strategien und auch an Mut zur Umsetzung. Vielfalt zu leben ist persönlich, kulturell, aber auch unternehmerisch ein voller Gewinn für alle“, so Manisha Joshi, Business Director und Head of Diversity, Equity & Inclusion bei Ketchum.

Vielfaltsförderung als wichtiger Aspekt bei der Jobauswahl

Mehr Vielfalt innerhalb des Unternehmens wirkt sich auch auf die zukünftigen Mitarbeiter*innen aus:

  • Ob ein Unternehmen als potenzieller Arbeitgeber in Betracht gezogen wird, hängt für die Mehrheit der Befragten (60%) auch davon ab, ob sich dieses klar für mehr Vielfalt am Arbeitsplatz positioniert.
  • Für Frauen ist die Vielfaltsförderung dabei deutlich wichtiger (65%) als für ihre männlichen Kollegen (55%).
  • Zudem sei das Thema vor allem für die unter 30-Jährigen von enormer Bedeutung (67%).

Dabei gibt sich mehr als die Hälfte (58%) der Österreicher*innen nicht nur mit der Positionierung zufrieden, sondern wünscht sich klare Konzepte und Strategien zur Umsetzung der Vielfaltsförderung, heißt es weiter.

Zudem bewerten sie die Attraktivität des Arbeitgebers auch anhand der Förderung von Menschen mit körperlichen Einschränkungen/ Beeinträchtigungen im Unternehmen. Für 69% der Befragten sei das ein bedeutender Aspekt in der Auswahl ihres Arbeitgebers.

Forderungen nach klarer Positionierung gegen Rassismus

Mehr als zwei Drittel der heimischen Arbeitnehmer*innen (68%) ist eine klare Unternehmenspositionierung gegen Rassismus wichtig. Besonders interessant sei, dass es hier keine großen Unterschiede im Alter oder Geschlecht gibt:

  • 65% der Männer und 71% der Frauen sowie 68% der unter 30-Jährigen und 67% der 50 bis 59-Jährigen ist dies ein Bedürfnis.
  • Für die Gruppe der unter 29-Jährigen (44%) hat hingegen die Förderung von nicht weißen Menschen (PoC – People of Color) einen hohen Stellenwert. Sie finden, dass diese zu wenig Unterstützung erfahren, wohingegen nur 15% der 50 bis 59-Jährigen genauso empfindet.

„Als Woman of Color freut es mich sehr, dass Österreicher*innen eine klarere Positionierung gegen Rassismus fordern. Unternehmen müssen beginnen, Verantwortung zu übernehmen und Stellung zu beziehen. Das braucht den Mut und den Willen zur Veränderung. Vielfalt mit all ihren bunten Facetten ist keine Gefahr, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil“, meint Diversitätsexpertin Joshi.

Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz

41% der Befragten gaben an, bereits Diskriminierung oder Belästigung im Berufsleben erlebt oder mitbekommen zu haben. Davon waren 47% weiblich, 35% männlich. 14% wurden sogar schon einmal körperlich am Arbeitsplatz belästig. Insgesamt lasse sich erkennen, dass Diskriminierung und Belästigung im Berufsleben keine Seltenheit sind. Bei der Frauenförderung sind die Meinungen geschlechtsabhängig:

  • 48% der weiblichen Befragten sind der Meinung, dass Frauen in ihrem Unternehmen zu wenig gefördert werden – nur 27% der Männer sehen das auch so.
  • Andererseits finden 16% der Männer, dass Frauen zu viel gefördert werden. Nur ein Bruchteil der Frauen (2%) stimmt dem zu.

White Old Men am Steuer

Geht man von den Führungskräften eines Unternehmens aus, so lasse sich klar erkennen, dass diese noch immer mehrheitlich von weißen Männern besetzt sind: 81% der Befragten gaben an, dass ihre nächsten Vorgesetzten männlich sind. Doch zeige sich ein deutlicher Unterschied bei den Geschlechtern: Nur 19% der männlichen Befragten, jedoch mehr als doppelt so viele Frauen (44%), haben eine Frau als Vorgesetzte.

Auch People of Color oder Menschen mit Migrationshintergrund gibt es in der Führungsebene selten. 91% der Befragten geben an, dass ihre nächsten Vorgesetzten eine weiße Hautfarbe haben. Nur 10% der Österreicher*innen arbeiten einer Person mit Migrationshintergrund zu.

Die Umfrage zeige aber, dass Mitarbeiter*innen das Gegenteil erwarten: Vier von zehn Befragten (41%) möchten, dass sich ihr Arbeitgeber aktiv für die Förderung von mehr Vielfalt und Inklusion im eigenen Unternehmen einsetzt. Aktuell erfüllen den Wunsch laut Arbeitnehmer*innen nur knapp ein Drittel (32%) der Unternehmen, indem sie Programme zur Förderung von Vielfalt und Inklusion anbieten.

„Die Menschen fordern ein ganzheitliches Diversitätsverständnis. Diversity Management auf eine oder zwei Diversitätsdimensionen zu reduzieren, beispielsweise Frauen und Behinderung ist wenig nachhaltig. Es ist an der Zeit, dass Chancengleichheit für alle keine leeren Worte bleibt, sondern gelebte Realität wird“, so Arouri.

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