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Wirtschaftsuniversität Wien feiert 125 Jahre

©WU Wien

Unis und Business. Die WU Wien feiert heuer das 125-jährige Jubiläum: 1898 wurde ihr Vorläufer „k.k. Exportakademie“ gegründet. Internationales Business stand damals wie heute im Zentrum. Doch während 1898 ein Palais reichte, wurde für die heutige WU ein Stadtteil errichtet.

Im Jahre 1898 war Wien nicht nur eine der größten Städte der Welt, sondern auch eine blühende Metropole, in der der Handel florierte, erinnert die WU in einer Aussendung: Mit Gründung der Exportakademie, einer innovativen Vorgängerinstitution der heutigen Wirtschaftsuniversität, sei damals ein Meilenstein in der Ausbildung für den Außenhandel gesetzt worden. Die heutige Wirtschaftsuniversität Wien widmet dem Thema im Jahr 2023 ein umfangreiches Rahmenprogramm. Und macht mit dem Slogan „Aus Tradition weltoffen. Seit 125 Jahren“ werbewirksam darauf aufmerksam.

Ein Blick in die Geschichte

Die k. k. Exportakademie setzte 1898 mit einem einzigartigen Ausbildungskonzept neue Maßstäbe, heißt es. Die höhere Lehranstalt umfasste neben kaufmännischen Fächern und Warenkunde auch Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsgeografie, öffentliches Recht und Privatrecht sowie Wirtschaftssprachen.

Und die Studenten wurden vom Unterrichtsministerium der Donaumonarchie vergleichsweise großzügig bedacht: Man stellte ihnen Räumlichkeiten im Palais Festetics im Wiener Stadtzentrum zur Verfügung. Schon wenige Jahre später wurde es zu klein, ein größerer Neubau musste her – zum ersten, aber nicht zum letzten Mal in der Geschichte der WU. Das Wort Studenten ist übrigens ganz ohne Gender-Form korrekt, denn sie waren damals beinahe alle männlich: Erst im Jahr 1917 gab es den ersten weiblichen Studienabschluss an der Wirtschaftsuni. Zum Vergleich: Der heutige Frauenanteil an den Studierenden beträgt 48 Prozent.

„Nachfrage ist stets gestiegen“

Von Anfang an war das Studium praktisch und international ausgerichtet sowie geprägt von Weltoffenheit, betont die Wiener Wirtschaftsuni. Der Anteil an internationalen Studierenden war immer schon sehr hoch. Freilich blieb die Exportakademie von den historischen Umbrüchen der Folgejahre nicht verschont. Der Zusammenbruch der Donaumonarchie gefährdete auf Jahre hinaus die auf offenen Grenzen beruhende Geschäftsgrundlage. Nach dem „Anschluss“ an Hitler-Deutschland wurden zahlreiche Studierende und Professoren verfolgt. In den 1960er-Jahren erschütterte dann die „Borodajkewycz-Affäre“ um rechtsextreme Äußerungen eines Professors die Wirtschaftsuni – und die Republik.

Die heutige WU entstand in mehreren Phasen: 1919 erfolgte die Umwandlung in die Hochschule für Welthandel, 1975 kam die Umbenennung in Wirtschaftsuniversität Wien. Die Entwicklung innovativer Lehr- und Forschungsbereiche habe die letzten 125 Jahre der Universität geprägt und sie zu einer Wirtschaftsuniversität gemacht, die sich durch Exzellenz, Vielfalt und Verantwortungsbewusstsein auszeichne, heißt es. Die Nachfrage nach Studienplätzen stieg von Anbeginn und riss über die Jahre nie ab, so die WU.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Tatsächlich gibt es heute auch an mehreren anderen österreichischen Universitäten wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten. Eine solche besteht, sozusagen in wohlwollender Konkurrenz, inzwischen auch an der Hauptuniversität Wien, die ein noch deutlich früheres Gründungsjahr aufweist, nämlich 1365 (wenn auch damals ohne Betriebswirtschaft & Co). Umgekehrt hat die WU durch die Schaffung von Studien wie Wirtschaftsrecht für einiges Aufsehen auf einem klassischen Fachgebiet der Uni Wien bzw. des Wiener Juridicums gesorgt – Konkurrenz belebt das Geschäft.

Immer bedeutsamer ist in den letzten Jahren auch die internationale Bühne geworden: Die WU kann auf gutes Abschneiden in diversen weltweiten Uni-Rankings verweisen und buhlt mit verschiedenen Studienangeboten um ausländische Studierende. Für die absolute Ranking-Spitze hat es allerdings bei Financial Times & Co bis jetzt nicht gereicht. Freilich sind die Top-Positionen dort von meist deutlich kleineren Universitäten besetzt, die ein günstigeres Betreuungsverhältnis Staff / Studierende aufweisen. Dass ein WU-Studium kein Hindernis auf dem Weg zum Global CEO bzw. President ist, darauf deuten immerhin einige bekannte Namen hin, u.a. Hans Peter Haselsteiner (Strabag SE), Peter Brabeck-Letmathe (Nestlé), Peter Löscher (Siemens) oder Wolfgang Porsche (ebendort). Das Absolvent*innen-Netzwerk der WU spielt in den Plänen der Uni eine beträchtliche Rolle, auch was weibliche Studierende betrifft.

Der Trend bei den Studierenden

Mit dem Wachstum der WU waren im Laufe ihrer Geschichte gleich mehrere Umzüge verbunden. Mittlerweile spiegelt der neue Campus im zweiten Wiener Bezirk („klimaneutral und barrierefrei“) die Innovationskraft und Internationalität der WU wider, heißt es: Er hat nach vierjähriger Bauzeit – zu Kosten von 492 Mio. Euro – 2013 seine Pforten geöffnet, feiert heuer also das 10-jährige Jubiläum.

Von Platzmangel oder gar erneuten Umzugswünschen ist in der Aussendung der WU zum Jubiläum übrigens nicht mehr die Rede. Kein Wunder: Erstens verfügt der WU Campus über eine Gebäude-Nutzfläche von rund 140.000 m², was notfalls wohl noch aufgestockt werden könnte, ist er doch als lockere Gebäudegruppe – ein kleiner Stadtteil – angelegt. Und zweitens sanken die Studierendenzahlen zuletzt jahrelang: Gab es im Jahr 2017 noch 23.547 Studierende, so ging ihre Zahl bis 2020 auf 20.944 zurück. Im Studienjahr 2021/22 war mit 21.271 Studierenden allerdings wieder ein leichter Aufwärtstrend zu beobachten, so die WU-Statistik.

Das Statement

Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger: „Die WU ist immer wieder mit Pionierleistungen aufgefallen. Sie war die erste Universität in Österreich, die ein professionelles Career Center einrichtete, die Wichtigkeit der Alumni-Arbeit erkannte, die Bologna-Studienarchitektur umsetzte, sich internationalen Akkreditierungen stellte und bereits sehr früh am Aufbau eines umfassenden internationalen Netzwerks sowie Partneruniversitäten arbeitete. Die Einrichtung des ersten englischen wirtschaftswissenschaftlichen Bachelorprogramms in Österreich oder die Beteiligung am Aufbau einer Europäischen Universität sind aktuelle Beispiele, wie es der WU immer wieder gelingt, Vorreiterin in akademischen Belangen zu sein.“ Auch in Zukunft wolle die WU ihrer Rolle als Pionierin treu bleiben.

Das Programm im Jubiläumsjahr

Unterschiedliche Veranstaltungen begleiten das Jubiläumsjahr der WU. So findet Anfang März beispielsweise eine Diskussionsveranstaltung zu akademischer Freiheit, u.a. mit WU-Rektorin Hanappi-Egger am Podium statt. Im Juni soll unter dem Titel „Closed to Exclusion“ der Umgang mit der NS-Vergangenheit kritisch reflektiert, Ehrungen aberkannt bzw. kontextualisiert und Namen von NS-Opfern am Mahnmal ergänzt werden.

Ebenfalls im Juni werden im Rahmen des Sommerfestes unter dem Motto „Open for Diversity“ 125 Jahre WU und 10 Jahre Campus WU gefeiert. Außerdem beleuchtet eine Open-Air Ausstellung Meilensteine der WU Geschichte.

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