Bildung & Uni, Business, Recht, Tech, Tools

ChatGPT in der Schule: Kids müssen bewerten lernen

ChatGPT in der Schule - Bild generiert durch das AI-Tool Midjourney ©Saferinternet.at

Digitalisierung. Chatbots wie ChatGPT nehmen Einzug in den (Schul-)Alltag. Sie erzeugen Texte, die gut klingen, massenhaft verfügbar sind – und manchmal schlicht falsch. Von Saferinternet.at gibt es Tipps, wie die KI-Tools sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können.

Viele Menschen haben in den letzten Wochen ChatGPT ausprobiert. Das neue Chatprogramm von OpenAI löst zahlreiche Reaktionen aus – von Erstaunen über Begeisterung bis zu Beunruhigung. Auch viele Schüler*innen berichten, dass sie ChatGPT bereits nutzen. Die von ChatGPT erstellten Texte wirken sozusagen wie von Menschenhand – doch der gefällige Eindruck täuscht leicht darüber hinweg, dass ChatGPT sich des Inhalts seiner Texte genauso wenig „bewusst“ ist wie frühere, weniger weit entwickelte Tools.

„ChatGPT is temporarily banned“

Das Ergebnis sind überzeugend klingende Informationen, die in Massen verfügbar sind – leider aber auch häufig falsch, wie das auf IT spezialisierte Diskussionsportal Stack Overflow festhielt. Es wurde von seinem speziellen Zielpublikum – IT-Profis – schon sehr früh mit Massen von ChatGPT-Texten überschwemmt. Diese sollten Programmiercode-Aufgabenstellungen lösen, denn dafür gibt es bei Stack Overflow Punkte.

Doch leider klappten die gut aussehenden Lösungsvorschläge in der Praxis zu oft nicht, so Stack Overflow. Als Konsequenz daraus sehe man sich gezwungen, den Einsatz von ChatGPT (vorläufig) zu verbieten: „The posting of answers created by ChatGPT is substantially harmful to the site and to users who are asking and looking for correct answers. The primary problem is that while the answers which ChatGPT produces have a high rate of being incorrect, they typically look like they might be good and the answers are very easy to produce.“

Man bemühe sich nun um eine dauerhaft sinnvolle Haltung gegenüber ChatGPT und ähnlichen Tools, so die Betreiber des IT-Fachportals. Eine Aufgabe, die sie mit allen anderen Akteuren in Bildung und Unterricht gemeinsam haben, denn klar ist: Der Einsatz solcher KI-Tools wird rasch zunehmen. So will Microsoft aus dem jetzigen Probebetrieb von ChatGPT einen Masseneinsatz im Alltag machen.

Wie sollen Lehrkräfte mit dieser Entwicklung und dem neuen Werkzeug umgehen? Saferinternet.at, eine österreichische Initiative für Sicherheit in der Online-Welt in Kooperation mit der öffentlichen Hand, Wirtschaft und NGOs, hat sich die Herausforderungen beim Einsatz des neuen Tools genauer angesehen und Tipps für den Einsatz von KI-Programmen im Unterricht zusammengestellt. Illustriert hat Saferinternet.at seine Aussendung passenderweise mit einem Sujetbild, das vom AI-Tool Midjourney generiert wurde – auch das ein aktueller Trend.

Künstliche Intelligenz als Helfer im Schulalltag

Auch wenn ChatGPT & Co neu scheinen, künstliche Intelligenzen (KI) sind längst Teil unseres Alltags: Suchmaschinen liefern – abhängig vom bisherigen Onlineverhalten – bestimmte Ergebnisse, Sprachassistenten erfüllen Musikwünsche und Navigationssysteme umfahren Staus. Hinter all diesen Tools steht letztlich eine KI, auch wenn sich die Nutzer*innen dessen nicht immer bewusst sind.

ChatGPT ist ein Chatbot, der in der Lage ist, mittels KI Antworten auf Fragen aller Art zu liefern. Der Fokus der Entwickler lag dabei vor allem auf einer „menschlich“ anmutenden Unterhaltung, was dazu führt, dass der Chatbot versucht auf jede Frage zu reagieren, selbst wenn ihm eine valide Datenbasis dafür fehlen würde.

Auch Schüler*innen haben den Chatbot mittlerweile als praktischen Helfer im Schulalltag für sich entdeckt, etwa um einen Überblick über ein Stoffkapitel zu erhalten, Zusammenfassungen von Büchern und Theaterstücken schreiben zu lassen, Referate vorzubereiten oder für die Programmierung von kleinen Programmen. Aber auch Lehrende nutzen die Software bereits, beispielsweise zur Erstellung von Unterrichtsmaterialien oder für die Lehrendenweiterbildung.

Informationsbewertung als Herausforderung

Wer ChatGPT in der aktuellen Version nutzt, sollte sich im Klaren sein: Der Bot ist zwar geeignet, um weitverbreitetes Wissen wiederzugeben, bei spezielleren Fragen gibt das Tool aber oft fehlerhafte Antworten. So können Fakten durcheinandergebracht oder Quellenangaben sogar erfunden werden, nur um einen Text plausibel und „menschlich“ klingen zu lassen. Dazu kommt, dass die Datengrundlage der aktuellen Version aus 2021 stammt, aktuellere Informationen kann der Bot daher nicht ausgeben. Die genauen Quellen der Daten sind zudem unbekannt.

Der Chatbot ist so programmiert, dass seine Antworten möglichst „menschenähnlich“ klingen. Die Herausforderung dabei: Die Texte wirken oft glaubwürdiger, als die Ergebnisse einer Google-Suche – selbst wenn beispielsweise Quellen erfunden wurden. Das kann es für Lehrende wie auch Schüler*innen in Zukunft noch schwerer machen, gefundene Informationen zu bewerten und im Unterricht Quellenkritik zu üben.

Wie kann die Schule mit Chatbots & Co. umgehen?

Programme wie ChatGPT können den Unterricht und das Informationsverhalten von Schüler*innen und Lehrpersonen verändern – ähnlich, wie vor einigen Jahren die digitale Enzyklopädie Wikipedia, heißt es bei Saferinternet.at. Eine zentrale Frage für den Einsatz im Unterricht sei, ob und wie stark sich solche Chatbots auf die Motivation der Jugendlichen auswirken, Aufgaben selbstständig zu lösen.

Um sich Texte vorstrukturieren, komplexe Sachverhalte in einfachen Punkten erklären oder komplexe Mathematikaufgaben aufdröseln zu lassen, könne die Unterstützung durch einen Bot durchaus sinnvoll sein – ein Tool kann aber niemals die menschliche Denkleistung ersetzen. Vor allem bei Aufgaben im schulischen Bereich sei es daher empfehlenswert zu reflektieren, welche Möglichkeiten aber auch Grenzen ein Chatbot hat.

„Quellenkritik wird zur entscheidenden Kompetenz“

Angesichts der augenscheinlich guten Qualität von KI-generierten Texten werde es immer wichtiger, sich im Unterricht mit dem Thema Quellenkritik auseinanderzusetzen, so Saferinternet.at: Das Überprüfen von Quellen ist für Kinder und Jugendliche nicht einfach, denn dafür benötigt es entsprechende Referenzpunkte und Hintergrundwissen, um diese auch einordnen zu können.

Es muss auch erlernt und immer wieder geübt werden, wie man Inhalte mit anderen Quellen abgleichen, Quellen auf ihre Glaubwürdigkeit überprüfen und Falschmeldungen erkennen kann. Saferinternet.at biete dazu zahlreiche Unterstützungsangebote für Lehrende, darunter Checklisten und Tipps für die Verwendung im Unterricht.

Tipps zum Umgang mit ChatGPT und anderen KI-Tools

Wie bei allen neuen Tools, die bei Schüler*innen einen regelrechten „Hype“ auslösen, gilt auch für KI-Anwendungen wie ChatGPT: Aktive Thematisierung im Unterricht ist besser als Verbote. Die Expert*innen von Saferinternet.at raten daher konkret:

1. Nicht ignorieren

Schüler*innen nutzen diese Tools in jedem Fall. Setzen Sie sich bereits jetzt mit den Chancen und Risiken von KI-basierten Programmen auseinander und zeigen Sie, welchen Stellenwert Quellenkritik einnimmt.

2. Nicht pauschal verbieten

Ein Verbot nimmt die Möglichkeit, sich mit dem Thema aktiv auseinanderzusetzen und auch die Schwächen von KI aufzuzeigen.

3. Gemeinsam nutzen

Entdecken Sie gemeinsam im Unterricht die Möglichkeiten und Grenzen von KI-Anwendungen und entwerfen Sie gemeinsam Regeln für den Schulalltag.

    Weitere Meldungen:

  1. Jobplattform Karriere.at holt CTO von REWE-Gruppe
  2. So will die EU die großen Online-Plattformen bändigen
  3. Als Unternehmen auf Wikipedia auftreten – aber richtig
  4. Kein Airbnb im Gemeindebau: Die Anwälte der Stadt Wien