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Fachkräfte-Mangel: „Flexibilität und faire Bezahlung helfen“

Rudolf Krickl ©PwC Österreich

Unternehmen & Krisen. Rudolf Krickl, Chef von PwC Österreich, spricht im Interview über die Ergebnisse des Global CEO Survey, Nachhaltigkeit und Zukunftssorgen der Unternehmen – und Lösungsansätze für das Problem Nr. 1, den Fachkräftemangel.

Extrajournal.Net: PwC hat beim 26. Global CEO Survey einen deutlich ausgeprägten Pessimismus bei den CEOs festgestellt. Energiepreise, Inflation, Arbeitskräftemangel u.v.m. belasten die Aussichten. Wo liegen die dringendsten Problemgebiete für die österreichische Wirtschaft, wo sollten CEOs jetzt aktiv werden, um ihr Unternehmen in schwierigen Zeiten abzusichern?

Rudolf Krickl: Veränderung war für Unternehmen schon immer zentral, um zu überleben. Was neu ist, ist das Tempo, in dem es passieren muss. Mittelfristige Transformationsthemen wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit verschmelzen mit akuten Krisen. Sie haben die Stichworte dazu schon geliefert: Energiepreise, Inflation oder der Arbeitskräftemangel. All das lässt die Komplexität und Veränderungsgeschwindigkeit noch einmal rasant steigen.

Entscheidungsträger*innen stehen aktuell vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen kurzfristig Krisen und Unsicherheiten bewältigen und gleichzeitig ihre Unternehmen langfristig umgestalten. Erfolgreiche First Mover haben erkannt, dass es sich lohnt, bestehende Geschäftsmodelle zu hinterfragen und in ESG- oder Digitalisierungsstrategien zu investieren.

Wie wirken sich Klimarisiken auf Kosten und Lieferketten aus?

Das Thema Klimaschutz ist derzeit in aller Munde, allerdings zeigen Untersuchungen manchmal, dass tatsächliche Maßnahmen weniger häufig gesetzt werden als in anderen Bereichen. PwC hält selbst fest, dass der Schwerpunkt der CEOs aktuell „auf der Kostensenkung“ liegt. Wie stark nehmen die Aktivitäten der österreichischen Unternehmen beim Klimaschutz tatsächlich zu?

Rudolf Krickl: Wenn heimische CEOs auf die kommenden zwölf Monate blicken, machen sie sich hauptsächlich Sorgen darüber, dass sich Klimarisiken auf ihre Kostenstruktur und Lieferkette auswirken. Unternehmen müssen erkennen, dass Net-Zero-Initiativen auf lange Sicht im Fokus der Unternehmensstrategien stehen müssen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren und den steigenden Stakeholder-Ansprüchen gerecht zu werden.

Unsere Studie verdeutlicht erfreulicherweise, dass Klimaschutz bereits hoch oben auf der Agenda der heimischen CEOs steht und die Tendenz steigt. Neun von zehn Unternehmen in Österreich haben bereits Maßnahmen zur Reduktion von CO2-Emissionen umgesetzt oder arbeiten aktuell daran – das sind mehr als noch im Jahr zuvor (79%). Rund drei Viertel setzen auf die Entwicklung von innovativen, klimafreundlichen Produkten und Prozessen sowie datengestützte Nachhaltigkeitsstrategien, um Emissionen zu reduzieren und Klimarisiken abzumildern. Mittlerweile haben alle Unternehme*innen erkannt: Ein strategischer Fokus auf ESG ist keine Kann-Bestimmung, sondern ein Muss.

„Fachkräftemangel ist in Wahrheit Arbeitskräftemangel“

Ein wichtiges Kapitel ist die Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Der Fachkräftemangel gilt als langfristig wichtigster Einflussfaktor für den Unternehmenserfolg. Was können die CEOs, was kann Österreich insgesamt tun, um diesem Mangel entgegenzuwirken?

Rudolf Krickl: Wir sprechen in Wahrheit nicht von einem Fachkräftemangel, sondern von einem allgemeinen Arbeitskräftemangel. Dieser muss spätestens jetzt eine der Top-Prioritäten auf der CEO- Agenda sein. Schaffen es Unternehmen nicht, die richtigen Talente zu finden und von sich zu überzeugen, riskieren sie ihre Wettbewerbsfähigkeit, im schlimmsten Fall sogar ihre Lieferfähigkeit.

Wir haben dies bereits in den vergangenen Jahren in den Bereichen der Hotellerie und Gastronomie gesehen, wo viele Betriebe aus Personalmangel nur mehr eingeschränkt oder gar nicht mehr öffnen konnten. Kann Österreich nicht genügend Arbeitskräfte anziehen – auch von außerhalb des Landes – ist außerdem der Standort gefährdet.

Wir alle müssen in Zukunft deutlich mehr tun, um die Erwartungen der kommenden Generationen zu erfüllen und sowohl bestehenden als auch potenziellen neuen Mitarbeitenden das richtige Arbeitsumfeld zu bieten. Dazu müssen wir zuallererst genau zuhören und uns mit den Ansprüchen unserer Top Talente auseinandersetzen. Unsere Erfahrungen zeigen: Eine sinnstiftende Arbeit, die Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit und Stärken in seiner Tätigkeit entfalten zu können, Flexibilität sowie eine faire Bezahlung sind wesentliche Faktoren in der Frage, ob man bleibt oder geht.

Im Interview

Rudolf Krickl ist CEO von PwC Österreich.

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