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Bildung & Uni, Business, Recht, Tech

Neues CD-Labor der TU Graz soll aus Abfall Beton machen

Cyrill Grengg (re.) und weitere Mitglieder des CD-Labors ©Lunghammer / TU Graz

Baustoffe & Recycling. Ein neues Christian Doppler-Labor der TU Graz entwickelt Materialien auf Basis von Industrieabfall: So soll aus Bauschutt neuartiger Beton entstehen.

Nachhaltig erzeugte Betonmixturen aus mineralischen Rest- und Abfallstoffen könnten künftig zementbasierten Beton, insbesondere in korrosionsanfälligen Anwendungsumgebungen wie Abwassersystemen, Bioabfallanlagen oder Tunneldrainagen, ersetzen, heißt es in einer Aussendung der steirischen Technik-Uni: Aus der Sicht von Cyrill Grengg vom Institut für Angewandte Geowissenschaften der TU Graz ist das nicht nur ein erreichbares Ziel, sondern auch ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Grengg leitet das jetzt offiziell eröffnete „Christian Doppler Labor für reststoffbasierte Geopolymer Baustoffe in der CO2-neutralen Kreislaufwirtschaft“.

Hilfe aus der Wirtschaft

Christian Doppler Labors sind technisch-wissenschaftliche Forschungsinstitute, die je zur Hälfte durch die öffentliche Hand und Unternehmenspartner finanziert werden: Die Initiative ist nach dem österreichischen Wissenschaftler Christian Doppler (1803–1853) benannt, die Einrichtungen werden im akademischen Sprachgebrauch gerne kurz als „CD-Labors“ bezeichnet.

Unternehmenspartner des neuen steirischen CD-Labors sind laut den Angaben voestalpine Stahl Donawitz, Stahl- und Walzwerk Marienhütte, brantner green solutions, Initiative Ziegel, Forschungsverein Stein- und keramischen Industrie, CharLine, Kirchdorfer Fertigteilholding, MM-Kanal- Rohr-Sanierung und die Gemeinschaft steirischer Abwasserentsorger (inklusive Linz AG und AWV Wiener Neustadt). Sie sehen demnach alle Potential in der Nutzung von Bauschutt, Schlacke, Hüttenschotter, Mineralwolle oder Asche für umweltverträglicheren und resistenteren Beton.

Das jüngste CD-Labor der TU Graz wurde am 3. März 2023 in der Aula der TU Graz eröffnet. Sieben Jahre lang werde nun gemeinsam mit den acht Firmenpartnern geforscht. Größter öffentlicher Fördergeber des CD-Labors ist das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (BMAW).

Weniger Zement, Ressourcen und Korrosion

Anorganische industrielle Sekundärrohstoffe, wie Schlacken und Aschen sowie Reststoffe, wie Mineralwollen und tonreiche Abbruchmaterialien, werden im CD-Labor weiterverarbeitet und je nach Bedarf und Verwendungszweck mit kohlenstoffreichen Abfallstoffen, wie (Alt)Ölen, Biomasse Reststoffen oder organischen Fasern, kombiniert. Das so entstandene Geopolymer sei eine Alternative zu zementbasiertem Beton: Es biete vergleichbare Materialeigenschaften, hat eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen viele Arten der Korrosion und führt zu weniger Ressourcenverbrauch durch Recycling bisher deponierter Rest- und Abfallstoffe.

„Chemisch gesehen ist das Geopolymer etwas völlig anderes als Portlandzement, die physikalischen Eigenschaften sind aber sehr ähnlich oder zum Teil sogar besser“, sagt Cyrill Grengg, der vor allem in der wesentlich höheren Resistenz gegen Korrosion großes Potential in Geopolymeren sieht. Portlandzement ist im modernen Baugewerbe das mit Abstand meistverwendete Bindemittel. Allerdings sei er anfällig für Korrosion durch Wind, Wetter und andere Umwelteinflüsse, wie etwa (bio-)chemisch aggressives Abwasser aus Abwassersystemen und Kläranlagen. Das führt zu Sicherheitsproblemen und hohen Ausgaben für die Instandhaltung von Bauwerken: Weltweit werden durch Korrosion verursachte Kosten auf 2,5 Billionen US-Dollar (oder ca. 3,4 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts) geschätzt, große Anteile davon beziehen sich auf den Baustoff Beton.

Von den Deponien in die Kreislaufwirtschaft

Zugleich ist die Herstellung von Baumaterialien für etwa neun Prozent aller weltweit erzeugten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Und der derzeitige Umgang mit Rest- und Abfallstoffen, etwa aus Bauvorhaben, weise noch großes Potential in Bezug auf die Kreislauffähigkeit auf: Jährlich fallen 54 Millionen Tonnen mineralische Abfälle an, das sind 76 Prozent des gesamten Abfallvolumens. Davon werden fast 60 Prozent deponiert, wodurch wertvolle Ressourcen und große Flächen durch Deponien verloren gehen. „Die im CD-Labor verwendeten Rest- und Abfallprodukte werden heute Großteils deponiert, nur ein kleiner Teil wird recycelt. Wir wollen diese Stoffe weg von den Deponien holen und in eine CO-neutrale Kreislaufwirtschaft einbinden“, so Grengg.

Das elfköpfige Team des CD-Labors besteht neben Laborleiter Cyrill Grengg aus Florian Mittermayr, Sara Raič, Florian Steindl, Stefanie Radinger, Bettina Ratz, Ognjen Rudić, Delara Etezad, Sylvia Perchthold, Iris Zögl und Jürgen Liederer.

Das Statement

Die Vielzahl der beteiligten Unternehmen aus verschiedenen Branchen beim neuen CD-Labor zeigt „das große Interesse an höherer Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit. Baumaterial aus Rest- und Abfallstoffen bringt nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern trägt auch zur Entlastung der Umwelt bei. Das hier erforschte Know-How kann die Basis für viele weitere Innovationen sein“, so Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher anlässlich der Eröffnung.

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