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Recht

Gender Pay Gap in 10 Jahren von 23,5% auf 18,8% verringert

©ejn

Frauen & Finanzen. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern hat sich in Österreich zwischen 2011 und 2021 von 23,5% auf 18,8% verringert, so Statistik Austria.

Wie Statistik Austria anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März mitteilt, hat sich der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern zwischen 2011 und 2021 von 23,5% auf 18,8% verringert. Im EU-Vergleich zählt Österreich damit aber weiterhin zu den Ländern mit den größten geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden und liege deutlich über dem EU-Durchschnitt von 12,7%.

Tatsächlich ist der Lohnunterschied laut Eurostat nur in einem einzigen EU-Land noch ausgeprägter als in Österreich: In Estland liegt er bei 20,5 Prozent. Dagegen verdienen Frauen beim Spitzenreiter Luxemburg mehr als Männer: Dort beträgt die Gender Pay Gap laut Eurostat -0,2 Prozent. Acht EU-Länder weisen einen Unterschied von unter 10 Prozent auf, Deutschland als größtes EU-Land liegt freilich bei 17,6 Prozent und damit kaum besser als Österreich.

Die Entwicklung

  • Vergleicht man die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft, dann betrug der Gender Pay Gap gemäß der Definition von Eurostat in Österreich 2021 18,8% (EU-27: 12,7%). 2011 lag der geschlechtsspezifische Lohnunterschied noch bei 23,5%.
  • Der Rückgang war im ersten Jahr der Covid-Pandemie stärker als im langjährigen Durchschnitt (−1,0 Prozentpunkte 2019/2020). Zwischen 2020 und 2021 verringerte sich der Lohnunterschied nur um 0,1 Prozentpunkte.

Die hohe Lohndifferenz beruht laut Statistik Austria in Österreich zu rund einem Drittel auf geschlechtsspezifischen Unterschieden auf dem Arbeitsmarkt. Ein Teil könne dadurch erklärt werden, dass Frauen öfter in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen und Branchen mit geringeren Verdienstmöglichkeiten arbeiten, während Männer häufiger in besser bezahlten technischen Berufen und in Führungspositionen zu finden sind.

Welche Rolle Teilzeit, Bildung & Co spielen

Unterschiede in der Arbeitszeit sind in diesem Vergleich durch die Verwendung von Stundenverdiensten bereits berücksichtigt, so Statistik Austria. Teilzeit werde freilich im Schnitt auch pro Stunde geringer entlohnt, was Frauen stärker betrifft als Männer. Zudem sind Frauen durchschnittlich kürzer im Unternehmen beschäftigt, was sich ebenfalls oft auf die Verdiensthöhe auswirkt. Nach der Höhe der Ausbildung müssten Frauen dagegen rein rechnerisch bereits mehr verdienen als Männer.

Bezogen auf die Erwerbsbeteiligung zähle Österreich im europäischen Vergleich zu den Ländern, die sowohl eine hohe Erwerbsbeteiligung als auch eine hohe Teilzeitquote bei den Frauen aufweisen:

  • Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen lag in Österreich 2021 mit 68,1% (Männer 76,7%) über dem EU-Durchschnitt von 63,4% (Männer 73,3%).
  • Bei der Teilzeitbeschäftigung der Frauen erreichte Österreich einen Anteil von 49,6% (Männer 11,6%), damit waren 79,0% aller Teilzeitbeschäftigten Frauen. Im EU-Durchschnitt betrug die Teilzeitquote der Frauen 2021 nur 29,5% (Männer 9,3%).

Die Rolle der Kindererziehung

Vor allem Mütter stehen vor der Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinbaren. Bei Frauen mit Kindern unter 15 Jahren war Teilzeitbeschäftigung die dominierende Form der Erwerbsarbeit. Im Jahr 2021 lag die Teilzeitquote der 25- bis 49-jährigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren bei 72,8%. Im Gegensatz zu Frauen werde das berufliche Engagement von Männern von der Geburt eines Kindes häufig kaum beeinflusst. Die Teilzeitquote der Männer mit Kindern unter 15 Jahren betrug nur 6,8%.

Die Auswirkungen auf die Pension

Unterschiede im Erwerbsleben spiegeln sich auch in den Pensionen wider. In Summe führen die niedrigeren Erwerbseinkommen sowie Versicherungsverläufe, die vor allem durch Kindererziehung Lücken aufweisen, zu einer geschlechtsspezifischen Pensionslücke von 41,6%. Die durchschnittliche Alterspension der Frauen lag laut den Daten des Dachverbands der Sozialversicherungsträger 2021 bei 1.264 Euro, jene der Männer bei 2.164 Euro. Das durchschnittliche Zugangsalter zur Eigenpension betrug 2021 bei Frauen 59,9 Jahre, bei Männern 61,9 Jahre.

Frauenschicksal: Alleinerziehend und in finanziellen Nöten

Laut der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen EU-SILC 2021 waren 26% der alleinlebenden Pensionistinnen, aber nur 15% der alleinlebenden Pensionisten armutsgefährdet. Alleinerziehende – das sind fast ausschließlich Frauen mit Kindern – haben mit 36% das höchste Armutsrisiko aller Haushaltstypen, heißt es weiter.

Zudem zählen Alleinerziehende auch zu den am stärksten von den aktuellen Krisen betroffenen Gruppen. Laut der Erhebung zu den sozialen Krisenfolgen gaben im 4. Quartal 2021 18,3% der Alleinerziehenden an, nur schwer mit dem Haushaltseinkommen auszukommen. Im 3. Quartal 2022 waren es bereits 34,0%, das sind mehr als doppelt so viel wie in der Gesamtbevölkerung zwischen 16 und 69 Jahren (16,3%).

Zahlungsschwierigkeiten für Wohnkosten (wie Miete, Wohnkredit, Betriebskosten und Energie) erwarteten Ende 2021 21,2% der Alleinerziehenden. Im 3. Quartal 2022 gaben 45,4% der Alleinerziehenden an, mit Zahlungsschwierigkeiten in den nächsten drei Monaten zu rechnen. In der Gesamtbevölkerung erhöhte sich der Anteil zwar ebenfalls deutlich von 12,0% auf 30,4%, der Unterschied zwischen den Alleinerziehenden zur Gesamtbevölkerung habe sich im Zeitverlauf aber vergrößert.

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