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Business, Finanz

Analyse: Weniger Kinder, weniger Business, weniger Wohlstand?

Alexander Eberan ©Thomas Raggam

Banking & Ökonomie. Die Steiermärkische Sparkasse wirft einen Blick auf Chinas aktuelle Wirtschaftsprobleme: Es fehle an Nachwuchs – und das trifft auch andere Länder.

Der Weg zu neuem Wachstum in China ist holprig, schildern Karl Freidl (Leiter Private Banking Graz, Steiermärkische Sparkasse / Erste Group) und Alexander Eberan (Leiter Private Banking Wien der Steiermärkischen) in ihrer Analyse. Zum kriselnden Immobilienmarkt und den schwächelnden Exporten vermeldete China zuletzt eine Rekord-Jugendarbeitslosigkeit, die Fragen aufwerfe: Mindestens jeder fünfte junge chinesische Städter hat keinen Job.

Gleichzeitig leidet das Land an einem alarmierenden Bevölkerungsrückgang, was eine Bedrohung für das künftige Wachstum nicht nur in China, sondern auch in anderen Volkwirtschaften bedeutet, so der Marktkommentar. Denn einerseits trifft es auch die Geschäftspartner, andererseits gelten die Erkenntnisse auch für viele andere Länder, die mit Nachwuchssorgen kämpfen.

Der Fluch der Ein-Kind-Politik

Die Parallelität von hoher Jugendarbeitslosigkeit und niedriger Geburtenrate in China erscheine zunächst paradox, da zu wenige Geburten oft zu einem Mangel an jungen Arbeitskräften in der Zukunft führen und China bekanntlich viele Jahrzehnte lang (bis 2015) eine strikte Ein-Kind-Politik verfolgt hat. Die Arbeitslosigkeit der jungen Chinesen sei aber vorwiegend ein strukturelles Problem:

  • Die Staatsführung ermunterte ab 2018, als sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt hatte, junge Menschen gezielt dazu zu studieren. Damit sollte der Arbeitsmarkt vorübergehend entlastet werden. Nun stelle sich aber heraus, dass die jungen Uni-Absolventen in der immer noch stark industriell geprägten chinesischen Wirtschaft keine adäquaten Jobs finden.
  • Hinzu kommt, dass der Staat in der Tech-Branche, bei privaten Bildungseinrichtungen sowie in der Finanz- und Immobilienwirtschaft regulativ eingegriffen hat, wodurch deren Wachstum litt und somit nun Jobs für Höherqualifizierte fehlen.

2,1 Kinder pro Frau wären nötig

All das ist aber nur eine aktuelle Erscheinung eines viel tiefgreifenderen Problems, das sich in Folge eines zu geringen Bevölkerungswachstums abzeichnet. Und China ist nicht allein. Weltweit steigt die Zahl der – vor allem industrialisierten – Länder mit einer niedrigen Geburtenrate. Laut deutschem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) leben rund 5,4 Milliarden Menschen in Ländern, in denen Frauen weniger als 2,1 Kinder bekommen. Das entspreche bereits rund 68 Prozent der Weltbevölkerung, hieß es dazu in einer Auswertung von UN-Daten.

Damit die Kindergeneration die der Eltern zahlenmäßig ersetzt, ist aber eine Geburtenziffer von 2,1 Kindern pro Frau nötig. Dieser Wert wird als Bestandserhaltungsniveau bezeichnet. In Deutschland liegt der Wert ähnlich wie in Österreich derzeit bei rund 1,4 Kindern. In einigen Ländern, etwa in Japan (1,3), ist das Niveau noch niedriger, was langfristig zu vielen Herausforderungen führt, befürchten die steirischen Banker.

Die Geburten und das Wachstum

Eine zu niedrige Geburtenrate könne zu einer Bevölkerungskrise führen und erhebliche Effekte auf die wirtschaftliche Entwicklung und das Wachstum eines Landes haben. Wie stark diese ausfallen, hängt von politischen Entscheidungen, Bildungsniveau, Arbeitsmarktflexibilität und Sozialpolitik ab. In diesem komplexen Wechselspiel zwischen Geburtenrate und wirtschaftlicher Entwicklung lassen sich aber für hochentwickelte Volkswirtschaften einige Faktoren festmachen, wie es heißt.

  • Arbeitsmarkt: Zu wenig Nachwuchs kann einen Engpass auf dem Arbeitsmarkt auslösen, wie derzeit etwa in Österreich zu beobachten sei. Unternehmen haben Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, was unmittelbare Effekte auf ihr Wachstum hat.
  • Pensionen: In Ländern mit starken Sozialversicherungssystemen (wie Renten- und Krankenversicherungen) führt eine niedrige Geburtenrate dazu, dass immer weniger Beitragszahler vorhanden sind, um das System zu erhalten und die ältere Bevölkerung zu unterstützen. Hier werden künftig Wege nötig sein, um das Umlagesystem verstärkt zu einem Kapitaldeckungsverfahren umzubauen, also die Kapitalmärkte für die Altersvorsorge mehr zu aktivieren.
  • Konsum: Eine höhere Geburtenrate kurbelt die Nachfrage und den Konsum, eine der wichtigen Säulen moderner Volkswirtschaften, an. Familien mit Kindern benötigen in der Regel mehr Konsumgüter, so die Steiermärkische. Der Umkehrschluss ist klar und verheißt nichts Gutes für Konsumgüter-Produzenten und alle ihre Zulieferer.
  • Innovation: Eine junge Bevölkerung kann Innovation und technologischen Fortschritt begünstigen, da jüngere Menschen tendenziell offener für neue Ideen seien. Eine alternde Bevölkerung hingegen hat in der Regel eher konservative Tendenzen.
  • Steueraufkommen: Zu wenige Kinder führen langfristig zu einer schrumpfenden Steuerbasis, da weniger Menschen in die Arbeitswelt eintreten. Dies könne die Fähigkeit eines Landes beeinträchtigen, öffentliche Dienstleistungen oder etwa die Infrastruktur zu finanzieren.

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